Hotel Victoria Nürnberg – Grande Dame in Bewegung
Was, wenn Wände Geschichten flüstern könnten? Im 130 Jahre alten Hotel Victoria in Nürnberg hätten sie einiges zu erzählen: von der Wall of Positive Energy, einem Treppenhaus, das per Kran eingeflogen wurde, vom Christkind im Hotelzimmer – vor allem aber von den kreativen Frauen, die das denkmalgeschützte Haus stets in die Zukunft tragen.
Nürnberg: die Frankenmetropole
Vom Nürnberger Hauptbahnhof sind es nur ein paar Schritte. Du gehst durch das Frauentor in der mittelalterlichen Stadtmauer, schlenderst über den Handwerkerhof zum Königstorturm – und schon steht die sandsteinfarbene Grande Dame da: hohe Fenster, rote Gauben, prachtvoll gestaltete Erker und Ornamente. Das Hotel Victoria wurde 1896 von Carl Schnorr im Stil der Nürnberger Neugotik erbaut. In den 1920er-Jahren kaufte Joseph Schuler das Haus. Heute führt seine Urenkelin Sabine Powels als geschäftsführende Gesellschafterin gemeinsam mit Direktorin Katharina Germendorff das Vier-Sterne-Hotel.
Wenn du von den kleinen Gassen mit Fachwerkshäuschen draußen kommst, wechselst du im Hotel ziemlich abrupt die Zeitzone. Holz, Glas und orangene Akzente im Foyer holen dich ins Jetzt. An einer Spiegelfront steht „Modern seit 1896“. Und das beschreibt das Stadthotel in Nürnberg ziemlich gut.
Hotel Victoria: Modern seit 1896
„Auf zwei Dachflächen des Hotel Victoria entstehen bald 18 Photovoltaik-Module“, kündigt Sabine an. Zu sehen bekommt die Module von der Straße aus niemand – doch nicht, weil sie versteckt werden sollen. Das Hotel mit Sandsteinfassade steht unter Denkmalschutz und Veränderungen am äußeren Erscheinungsbild sind deshalb nur eingeschränkt möglich. Genau darin liegt die Herausforderung, der sich Sabine und Katharina seit Jahren stellen. Sie verändern ein Haus, das sich äußerlich nicht verändern darf.
In den letzten 30 Jahren wurde vieles bewegt, um das Familienerbe zukunftsfit zu machen: Ökostrom, Fernwärme aus der Nürnberger Müllverbrennungsanlage, Klimaanlagen, um bei den steigenden Temperaturen konkurrenzfähig zu bleiben. „Es verging kein Jahr, in dem nicht umgebaut wurde“, erinnert sich Katharina.
2013 wurde der vierte Stock renoviert, 2017 kam ein fünfter dazu – mit den neuen HochGefühl-Zimmern unterm Dach. Nur ließ sich das historische Treppenhaus nicht einfach verlängern. Also wurde eine neue Treppe aus Granit-Betonoptik im Ganzen per Kran durchs offene Dach ins Haus geflogen.
Bei Umbauarbeiten im Treppenhaus kam noch etwas anderes zum Vorschein: Unter dem alten Teppich lag Granit, jahrzehntelang unbemerkt. Er wurde freigelegt und abgeschliffen, ein roter Läufer setzt heute neue Akzente darauf. Auch die bunten Glasfenster aus den 1950er-Jahren mussten im Sinne des Denkmalschutzes genauso bleiben – jetzt stecken sie mit ihrer ursprünglichen Farbe, Form und Sprossen in einer modernen Mehrfachverglasung.
Denkmalschutz trifft auf neue Ideen
Am Sandstein selbst darf sich nichts ändern, deshalb wanderte auch die Dämmung nach innen. Für die Photovoltaikanlage wurde sich so lange mit dem Denkmalschutz abgestimmt, bis klar war, an welcher Stelle die Module Platz finden können. „Wirtschaftlich ist die Fläche nicht riesig, aber wir wollen damit auch ein Statement setzen und zeigen, dass Photovoltaik selbst bei einem denkmalgeschützten Haus im Stadtzentrum möglich sein kann“, sagt die Hotelinhaberin.
Auch die 65 Zimmer mussten sich dem Bestand unterordnen: Dachschrägen, Winkel und 130 Jahre alte, denkmalgeschützte Bausubstanz verlangen nach kreativen Ansätzen. „Wir haben keine Zimmer von der Stange“, weiß Sabine. Sieben eigens mit Handwerker*innen aus der Umgebung entwickelte Kategorien sind die Antwort darauf – vom KulturGenuss Zimmer bis zur Juniorsuite LogenPlatz mit Blick auf den Klarissenplatz und ins Neue Museum Nürnberg.
5 Sinne Check
historisches Geländer im Treppenhaus
frisch gegrillte Nürnberger Rostbratwürste
Frühstückstapas
sanfte klänge im wintergarten LichtBlick
mittelalterliche Stadtmauer
Zimmer mit Nürnberg-Vibes
In den HochGefühl-Zimmern ganz oben erzählt jedes ein anderes Nürnberg-Thema. Im Zimmer „sagenhaft“ schaukelt das Christkind über deinem Bett, Till Eulenspiegel huscht über die moderne Tapete und Raubritter Epperlein reitet hoch zu Ross vorbei. Dazwischen verstecken sich Kaiserburg, Lebkuchen, ein Clubfan vom 1. FC Nürnberg, die traditionelle Rostbratwurst und selbst das Hotel Victoria – kleine Details, die du entdecken kannst.
Auch anderswo holt das Victoria die eigene Stadt ins Haus. Bildserien Nürnberger Fotograf*innen zeigen in den KreativSchub-Zimmern versteckte Ecken der Stadt – entstanden aus der Idee „Victoria goes Insta“, die als Gewinnspiel gestaltet war. Und selbst auf den eigens gestalteten Espressotassen begegnen dir Albrecht Dürer und sein bekannter Hase. Im Victoria wird aus „regional“ etwas viel Kreativeres als ein Kilometerradius. „Wenn ich sehe, wo wir heute stehen, dann ist das vor allem das Ergebnis davon, dass wir gemeinsam immer weitergemacht und weitergedacht haben“, erzählt Sabine. „Viele sagen, sie merken, dass Frauen das Hotel prägen.“
Der zweite Umbau: das Team
Der zweite Umbau im familiengeführten Privathotel findet nicht am Gebäude statt, sondern im Organigramm. Sabine Powels übernahm das Haus vor 30 Jahren von ihrem Großvater, Katharina Germendorff kam 2005 als Praktikantin ins Hotel Victoria und ist inzwischen Direktorin und bereits über 20 Jahre Teil des Teams. Seit 2014 arbeitet das Team mit dem Selbstmanagementsystem ProMES® und wird durch das Nürnberger Beratungsunternehmen Black Box Open begleitet: Abteilungen treffen sich monatlich zu Feedback-Meetings, werten Kennzahlen aus und fragen sich selbst, wo Stress entsteht und was sich ändern lässt – nicht die Direktion gibt vor, sondern das Team selbst.
So entstand zum Beispiel ein Indikator für das Beschwerdemanagement. Es werden Beschwerden gesammelt und anschließend gewichtet. Das Team stellt sich die Frage: Können diese von uns beeinflusst werden? Oder sind es externe Faktoren, wie Straßenlärm? Können wir schnell reagieren, oder müssen wir strategisch bzw. unternehmerisch gemeinsam denken und etwas neugestalten? Manche Beschwerden führen dazu, dass wir auch baulich neu denken müssen. Wie können wir den Gast in unseren Entwicklungsprozess einbinden? „Wir lernen aus der Dokumentation, wie wir reagiert haben. So können auch die neuen Teammitglieder stets davon lernen“, sagt Sabine.
Aus dem Team kam auch der „Nachhaltigkeitskreis“, den Empfangsleiter Andi leitet, und der sich mittlerweile vierteljährlich trifft. Einen wichtigen Anstoß gab ein dual Studierender im Haus: Er hat sich angeschaut, welche Nachhaltigkeitszertifizierungen tatsächlich Substanz haben und zum Haus passen. 2023 wurde entschieden, das Hotel Victoria auch von außen prüfen zu lassen. Für Katharina ging es dabei darum, das Bestehende sichtbar zu machen – Lieferant*innen, Wege, Zahlen zu sammeln und auszuwerten. „Die GreenSign-Zertifizierung ist für uns eine gute Grundlage, um über das, was wir ohnehin tun, auch sprechen zu können – vom Strom- und Wasserverbrauch bis zur Mülltrennung.“
Die Menschen hinter dem Hotel Victoria
Nicht jede Idee aus dem Kreis wird umgesetzt, aber jede wird geprüft, kalkuliert und dann bewusst umgesetzt oder verworfen. Diese Mischung aus Beharrlichkeit und Selbstkritik prägt das Haus. Zwischen Foyer und Frühstücksraum begegnest du den Menschen hinter dem Hotel auf der „Wall of Positive Energy“.
Warum dort jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine eigene Wabe hat, und weshalb inzwischen sogar KI-Assistent Theo dazugehört, erzählen Sabine und Katharina im Change Maker Interview. Viele der Gesichter an der Wall sind übrigens schon lange Teil des Hotel Victoria. Manche arbeiten seit Jahrzehnten im Haus; Stammgäste treffen dadurch immer wieder auf bekannte Gesichter. Gleichzeitig bildet das Hotel Nachwuchs aus und ist Mitglied bei Fair Job Hotels.
Ein Haus sammelt seine eigene Geschichte
Geschichte findest du im Victoria nicht nur an der Fassade. Auf modern gestalteten Tafeln in den Gängen liest du, was das Hotel und die Stadt in 130 Jahren erlebt haben. 1945 wurde das Haus bei Bombenangriffen fast vollständig zerstört; zwischen 1945 und 1948 ließ Joseph Schuler, Sabines Uropa, es wieder aufbauen.
Andere Zeitzeugen sind kleiner: altes Geschirr, Reservierungsbücher, eine Portiersjacke, Tafelsilber. Im Keller wächst daraus beinahe nebenbei ein Gedächtnis des Hauses. Und neben den alten Dingen liegen längst die zukünftigen Fundstücke.
Frühstückstapas im Hotel Victoria
Am Morgen wartet die nächste Victoria-Idee. Beim Frühstück heißt es „Let’s go for gold“. Auf deinem Tisch liegt ein Taler. Beim Gehen entscheidest du damit, wie dir Frühstücksbuffet und Service gefallen haben, indem du ihn ins Bronze-, Silber- oder Goldglas wirfst. Ein Highlight sind die wechselnden Frühstückstapas. Heute gibt’s Dinkelreissalat mit Gemüse und Kräuter-Eiersalat mit Frühlingszwiebeln und Koriander. Klein sind die Frühstückstapas übrigens ganz bewusst. Statt große Mengen aufzutischen, die am Ende womöglich im Müll landen, wird lieber nachgelegt. Entstanden ist das Format während der Pandemie. Die Lösung war aufwendig – kam aber so gut an, dass die Tapas blieben.
Dazu wartet viel Selbstgemachtes: Granola, Birchermüsli, Chia-Quark mit Ofenzwetschgen oder Aufstriche wie Obatzter, Süßkartoffel-Dip, Zucchini-Hummus und vegane Tomatenbutter. Hotelchefin Sabine ergänzt das Buffet mit ausgewählten Bio-Produkten, etwa Schokocrème oder Erdnussmus von Rapunzel oder dem Tee von Eilles.
„Der Großteil unserer Lieferant*innen sitzt im Umkreis von maximal 100 Kilometern, viele davon deutlich näher“, freut sich Katharina. Im Victoria genießt du Kaffee aus der Nürnberger Kaffeerösterei, Eier aus der Region rund um Nürnberg, Wasser von Frankenbrunnen sowie Bio-Biere und Limonaden der Neumarkter Lammsbräu, die du auch in deiner Minibar am Zimmer und abends in der WandelBar auf Vertrauensbasis findest.
Die Frauentormauer zieht sich an den Fenstern entlang. Du blickst auf jahrhundertealte Zeitzeugen der Stadtgeschichte. Das Ehepaar am Nachbartisch genießt das frisch zubereitete Rührei mit Speck und klassische Nürnberger Rostbratwürste mit Spiegelei, während das Mädchen am Buffet sich nur schwer zwischen hausgemachtem Kuchen und French Toast mit frischen Beeren entscheiden kann.
Urlaub in Mittelfranken
Während der Geschäftsmann sich vor seinem Meeting noch schnell ein Bügeleisen an der Rezeption organisiert, machst du dich auf, die Stadt zu erkunden. Kaum verlässt du das Haus, befindest du dich direkt in der Fußgängerzone. In wenigen Minuten spazierst du zur Lorenzkirche, der Museumsbrücke, der gotischen Frauenkirche aus dem 14. Jahrhundert und dem Hauptmarkt in der Altstadt. Ein gemütlicher Spaziergang führt dich zur Kaiserburg oder dem Albrecht-Dürer-Haus, das zum Museum umgebaut wurde. Damit ist es neben dem Spielzeugmuseum und dem Germanischen Nationalmuseum eins von über 25 Museen in der Stadt.
Während das Museum der Zukunft vorausblickt, steht die Stadt sinnbildhaft auch für die Aufarbeitung der NS-Zeit. „Viele kommen wegen der Geschichte zu uns, besuchen das Reichsparteitagsgelände oder den historischen Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse“, erzählt die Hoteldirektorin. „Natürlich ist auch unser Christkindlesmarkt über die Landesgrenzen hinaus bekannt.“
Wohin deine Stadttour dich auch verschlägt – Nürnberg lässt sich kaum an einem Tag entdecken. Wenn du länger bleibst, kannst du übrigens auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten und dabei ein lokales Projekt unterstützen: Das eingesparte Geld geht an den Bund Naturschutz Bayern, der Kindern in der Region Natur und Artenvielfalt näherbringt. Auch eine von vielen Ideen, die Sabine und Katharina angelehnt an die SDGs der Vereinten Nationen im Hotel Victoria eingeführt haben.
Kontakt &
Buchungsanfragen
Hotel VICTORIA
Königstraße 80
90402-Nürnberg
Deutschland
Hotel VICTORIA
65 Zimmer und Suiten
ab 128 Euro pro DZ/Nacht inkl. Frühstück
zentrale Lage – ideal für Kunst-, Kultur- und Geschichtsinteressierte
sieben Zimmerkategorien, jede mit eigenem Kunstkonzept
Frühstückstapas und viel Selbstgemachtes
Cafè La Terrazza am Klarissenplatz
Wintergarten und WandelBar
Nürnberg-Tipps vom Team