Hotel & Gasthof zum Hirschen – echte Weiberwirtschaft
Im Hotel & Gasthof Zum Hirschen spürst du sofort: Dieses Haus ist über Generationen gewachsen. Schon viele Jahrzehnte liegt die Wirtshaustradition hier stark in weiblicher Hand. Heute schreiben Petra und Maria Oberkofler mit ihrer ehrlichen, respektvollen Philosophie die Geschichte vom Unterwirt weiter: als Gasthof, in dem Ortsansässige und Hotelgäste an einem Tisch zusammenkommen.
Gemeinwohlökonomie in Südtirol
Vormittags, wenn die Hotelgäste draußen am Salten – dem größten Lärchenhochplateau Europas – wandern, buchen sich die Nachbarinnen aus Jenesien Termine bei der Kosmetikerin. Später kommen Handwerker zum Mittagstisch. Es gibt Kuchen und Eis für Kinder und nach der Messe oder Gemeinderatssitzung trifft man sich hier auf ein Bier. Der Gasthof Hirschen ist ein echtes Open House, in dem du als Reisender ständig in Kontakt mit Dorfbewohner*Innen kommst.
Für Maria und Petra Oberkofler sind solche Orte extrem wichtig für den Tourismus in Südtirol. „Beim persönlichen Austausch sieht man nicht einen Gast oder einen Einheimischen, sondern nur den Menschen im anderen. Das ist für die Tourismusgesinnung enorm wichtig.“
Teilhabe und Vernetzung gehören zur Gemeinwohlökonomie, nach der die Schwestern seit ein paar Jahren handeln. Vor allem gehört es aber zu ihrem inneren Antrieb. Da werden Bäuerinnen zum Kochkurs eingeladen und Gäste zu Produzenten*innen und Bauernhöfen geführt. Das macht den Hirschen bei der Kirche zum Fixpunkt im Dorfleben von Jenesien.
Spürst du die Frau im Haus?
Der Gasthof zum Hirschen ist seit vier Generationen in Frauenhand. „Ein umsorgtes Gefühl wie früher bei der Mama“, beschreibt Maria Urlaub in einer Weiberwirtschaft. „Ist eine Frau im Haus, werden die Fühler in alle Richtungen ausgestreckt, um zu spüren, ob alles passt im Raum.“ Die Südtiroler sagen verpoppele dazu. Verwöhnt werden.
Weiberwirtschaft! Darf man das heute eigentlich noch sagen? Als Antwort auf die Frage drückt Maria Oberkofler mir ein Buch in die Hand: Südtiroler Weiberwirtschaften – Refugien für Leib und Seele. Zu den 30 Wirtinnen zählen auch sie und ihrer Schwester Petra. Die zwei fest in Jenesien verwurzelten Chefinnen führen das Hotel & Gasthof zum Hirschen, das das Dorfleben mitbestimmt.
Die Gästeverwöhnerinnen
Für alle, die es genau wissen wollen, gibt es zuerst einmal einen Blick auf den Stammbaum der Familie Oberkofler: Hilda heißt die dritte Tochter von Maria. Hilda ist der jüngste Sproß in der Weiberwirtschaft. Maria und Petra haben den Gasthof von Seniorchefin Maria-Luise bekommen, die den Hirschen wiederum viele Jahre lang mit ihrer Schwester Erika und ihrer Mutter Maria geführt hat.
Und die Männer? „Es ist ja nicht so, dass wir Männer nicht mögen!”, erklären die Schwestern. Aber es habe sich irgendwie so ergeben, dass die Frauen – und dazu zählen auch die Masseurin, die Kosmetikerin und alle Damen im Service – ein geschicktes Händchen im Gästeverwöhnen haben. Und die Männer in der Landwirtschaft. Das ist bis heute noch so. Bruder Georg hat das Haflingergestüt vom Vater übernommen und Petras Sohn arbeitet bereits bei ihm.
Die kurvige Straße nach Bozen
Gebaut wurde beim Hirschenwirt gefühlt immer. In den 70ern starteten die Seniorchefs einen Totalumbau. Alle im Ort meinten, es sei verrückt, das werde nicht gutgehen. Es gab ja nicht einmal eine gescheite Straße nach Jenesien. Nur eine kleine Seilbahn bewegte Menschen hinauf auf den Tschögglberg. Doch der Vater war nicht nur Bauer, sondern ein ziemlich schlauer Geschäftsmann. Er vermietete Zimmer an Postler und Förster, dann eröffnete 1985 die kurvige Straße und rückte Jenesien näher an Bozen. Und die Oberkoflers hatten einen der ersten Gasthöfe mit einer Nasszelle pro Zimmer.
Null Kilometer in Südtirol
Der Gasthof befindet sich gleich unterhalb der Kirche, deshalb wird er hier stur Unterwirt genannt (und ja, es gibt auch einen Oberwirt). Petra und Maria bleiben jedoch beim Namen Zum Hirschen, denn auch ihre Mutter und Oma wollten das so. Die Schwestern orientieren sich gern an ihren Vorfahren, vor allem beim Wirtschaften. „Denen ging es nicht um Nachhaltigkeit, um null Kilometer oder veganes Essen“, sagt Petra. Es ging darum, den kleinen Dingen Wertigkeit zu geben, anstatt dem Konsum zu verfallen. Es ging ihnen um die Art von Tourismus, die die Schwestern ruhig schlafen lässt.
Natürlichkeit in allen Dingen
Nichts ist aufdringlich bei deinem Urlaub im Hirschen. Warmes Holz in den Zimmern, angenehme Farben, verschiedene Stile, die sich bei der Einrichtung vermischen. „Wir wollen mit den Dingen alt werden.“ Die vielen Kunstwerke an den Wänden fügen sich perfekt in den Gasthof ein. Menschen sollen im Haus die Hauptrolle spielen – darauf legen die Schwestern wert. Das ungeschriebene Motto lautet: Weniger ist mehr. „Wer braucht bitte 20 Pölster im Zimmer?“, fragt Petra lachend. Beim Weglassen helfen auch die Gäste mit. Du kannst das Besteck zurücklegen und nicht für jeden Gang neues anfordern. Oder länger in derselben Bettwäsche schlafen. Gewechselt wird nur, wenn du das große Herz auf den Polster legst.
5 Sinne Check
Familienanschluss
Frühstückskaffee
Hausmannskost
Wiehern am Unterwirt-Gestüt
Kunst an den Wänden
Reiten beim Unterwirt
Petra und Maria investieren Jahr für Jahr. Sie renovierten alle Zimmer, bauten Pool und einen Spa mit Saunen, Heubad und einem Kosmetikstudio dazu und erneuerten Veranda und Balkone. „Ich hätte nicht für möglich gehalten, was das Schwimmbad für die Auslastung ausmacht“, sagt Petra. 2018 siedelte dann ihr Bruder Georg mit dem Pferdehof weg und nahm den Namen Unterwirt mit. Unterwirt, das ist jetzt die Haflingerzucht, 15 Gehminuten vom Hotel entfernt. Dort kannst du reiten, Urlaub mit deinem eigenen Pferd machen oder eine Kutschenfahrt durch das Haflingerparadies buchen.
Nächstes Projekt: Kreislaufwirtschaft
Nach den vielen Bauphasen steht auch schon das nächste Projekt: eine Kreislaufwirtschaft mit Bruder Georg und Schwester Gabriela, einer Künstlerin, die auch einen Kunsthof mit Gartenarchiv führt. Gasthaus, Hotel, Haflingergestüt und Kunst – „gemeinsam möchten wir daraus gern ein Ganzes machen“, erklärt Petra. So, dass jeder Betrieb vom anderen das bekommt, was er braucht. Wie dafür alle ins Boot geholt werden, liest du hier.
Der Gasthof zum Hirschen ist ein change maker Hotel, weil...
sich bei Petra und Maria Oberkofler Gemeinwohlökonomie, Nose-to-tail-Philosophie, Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität unter einem Dach vereinen. Das Konzept dafür schreibt ihre bäuerliche Herkunft und das Denken der Oma, zu dem man heute Nachhaltigkeit sagt. Noch dazu ist der Hirschenwirt ein echtes Open House, das Gäste mit Einheimischen und Produzent*innen verbindet und dadurch einen wichtigen Beitrag zur positiven Tourismusgesinnung leistet.
Nose-to-tail beim Gasthof zum Hirschen
Eine Weiberwirtschaft direkt mit guter Küche zu verbinden wäre nun wirklich nicht mehr zeitgemäß. Beim Hirschen trifft es dennoch zu. Die Einheimischen lieben das Wirtshaus unter der Kirche, wo noch so gekocht wird wie früher. Und das ist das beste Zeichen, denn es gibt viel ambitionierte Gastronomie in Jenesien. Nose-to-tail-Küche wie hier findest du aber nicht sehr oft. Schweine, Rind und Kitz kommen von Bauern und Jägern in großen Teilen. In der Küche bereitet man daraus Spezialitäten zu, von Fleischkrapferl bis Nierndln, von Ragout bis Leberkäse. Auch Fohlen stehen im Hirschen regelmäßig auf der Karte. Die kommen aus der Landwirtschaft des Bruders und sind typisch für das Hochplateau Tschögglberg, wo die Haflinger ihren Ursprung haben. Kleiner geht der Kreislauf schon jetzt nicht.
Das sind die Stärken des Gasthof Zum Hirschen
Kontakt &
Buchungsanfragen
Piazza Schrann 9c
39050 Jenesien
Südtirol/Italien
Gasthof zum Hirschen
27 Zimmer & Suiten
ab 145 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Frühstück
herrlicher Dolomitenblick vom Hochplateau des Salten
Pocket-Guides mit Wander- und Bozen-Tipps
Gasthof mit Michelin Bib Gourmand
Pool, kleines, feines Spa
eigene Haflingerzucht mit Reitstall
junge Kunst im Haus