Change Maker Hotel Krone Hittisau Dietmar Nussbaumer c Adolf Bereuter.
Krone Hittisau / Adolf Bereuter
Hittisau

Hotel Gasthof Krone Hittisau – 
Dietmar Nußbaumer
im Interview

Interview • Locationtipps

Vom über den Tellerrand schauen, g‘scheiten Gesprächen mit Gästen und der Erkenntnis, was den Jungen fehlt. Dietmar Nußbaumer über das sonderbare Leben im Bregenzerwald.

Petra Percher

Die Kronenfamilie, das sind ganz viele. Den Kern des gleichsam visionären wie geschichtsträchtigen Hauses bilden seit 2005 Dietmar und Helene Nußbaumer. Kennengelernt haben sie sich als Helene 15 Jahre alt war. Ein paar Jahre später hat Dietmar im Hotel ihrer Eltern im Service begonnen und ist nach und nach in die Familie, den Betrieb Krone und den Ort Hittisau hineingewachsen.

Dietmar ist der Kreative der beiden und ein Gastgeber mit Leib und Seele. Du triffst ihn häufig in der Rolle des Vermittlers. Er fördert die Kultur des Bregenzerwaldes, weist dich auf Lesungen, Konzerte und Ausstellungen in der Region hin. Genauso will er die Beziehungen zwischen Gast- und Handwerkskultur stärken.

 

Wo ist Dein Lieblingsplatz im Hotel?

Wenn Du meine Frau fragst, wird sie sagen, im Büro, weil da sitz ich meistens. Nein, im Ernst, sicherlich in der Stuben bei den Gästen. Ich finde, wir haben tolle Gäste, da gibt es viel Feedback, g‘scheite Gespräche, manchmal auch Kritik – das mag ich alles und es ist wichtig für uns.

Erzähle uns bitte kurz die 200jährige Geschichte des Hauses!

Die Krone wurde 1838 von Johann Conrad Bechter erbaut. Sie war als Gerichtsgebäude geplant, der Plan ging nicht auf, daher wurden seit Anbeginn Gerichte serviert. Neben Ritter von Köchel (Köchelverzeichnis Mozart), König Max von Bayern, Bundespräsident Alexander Van der Bellen, kommen viele Menschen in die Krone, um eine gute Zeit zu verbringen.

Hotel Gasthof Krone Hittisau - Haus der Verbindungen

Ein Haus mitten in der eigensinnigen Welt des Bregenzerwaldes. Die Gastgeber Helene und Dietmar Nußbaumer lassen alles beim Alten, und machen doch alles komplett neu.

Wenn‘s um Nachhaltigkeit geht, sprechen wir ja oft über die Basis, die Erde, den Boden. Wo liegen Deine ganz persönlichen Wurzeln? 

In der Familie, wo sonst. Ich komme aus einer Gastronomie-Familie, von einem kleinen Gasthof in der Nähe von Bregenz. Was auch bedeutet, dass ich kein Bregenzerwälder bin, und das ist durchaus gut. Man kann vielleicht leichter über den Tellerrand schauen. Beruflich habe ich andere Dinge auch ausprobiert, zum Beispiel die Arbeit in einer Werbeagentur, aber da hat mir der Kontakt zu Menschen gefehlt. Und es war zu wenig handgreiflich.

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Alfred Bereuter

Was hat in der Krone den Wunsch nach einem „Change“ ausgelöst? 

Das war vermutlich schon vor Jahren, gleich zu Beginn, als wir das Haus von den Schwiegereltern übernommen haben. Wir wollten Neues, aber wir wollen in die Tiefe gehen, nicht an der Oberfläche bleiben. Das war uns von Anfang an wichtig.

Was sind die größten Herausforderungen bei einer so alten Substanz?  

Maßvolle Eingriffe und Respekt vor der Vergangenheit. 

Wo geht‘s da genau hin, was ist die Vision für die Zukunft?

Für den Betrieb, dass wir ein Ort der Begegnung für Menschen bleiben. Ein Ort, an dem man den Alltag kurz vergisst. Und dass wir Dinge im ländlichen Umfeld umsetzen können, wie man sie sonst vielleicht nur in Großstädten findet. Ich wünsche mir grundsätzlich mehr Wertschätzung gegenüber anderen. Und sich des Glücks, das man hat, auch einmal bewusst zu sein. Es ist tatsächlich wenig im Leben, was wir selbst entscheiden.

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Adolf Bereuter

Worauf schaust du privat beim Nachhaltig leben am meisten, was gelingt dir da gut?

Ich achte darauf, so wenig als möglich zu verbrauchen.

Welche Veränderungen spürst du in der Region Bregenzerwald?

Was unsere Region betrifft, denke ich, dass wir uns auf Ganzjahrestourismus konzentrieren sollten. Ich würde mir wünschen, dass wir unsere Verantwortung als Vorbilder weiter gut ausfüllen können. Zum Bespiel, wenn es um regionale Wertschöpfung geht, das zahlt sich langfristig enorm aus. Oder um Arbeitsplätze, die es eben nicht nur in der Saison gibt. Oder um Fairness – fairer Umgang mit anderen beginnt immer im eigenen Haus.

 

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Was erwarten die Gäste? 

Die individuellen Wünsche der Gäste werden konkreter und anspruchsvoller. Wir nehmen diese Herausforderung gerne an. Wir haben viele junge Gäste und das treibt einen immer an. Aber andererseits müssen gerade die Jungen auch noch ein bissl was lernen. Wenn man zum Beispiel von einer Küche spricht, in der Lebensmittel verwendet und nicht verschwendet werden, dann sollte ich als Gast auch wissen, wie gut ein Beuschel schmecken kann. Da fehlt vielleicht ein bisschen die Erfahrung. Ich spreche gerne vom Vanillegeschmack der Großmutter, von den Erinnerungen an ein warmes, gutes, einfaches Essen. Die ist bei der jungen Generation oft nicht mehr da.

Apropos Essen: bio oder regional? Was kommt für dich zuerst?

Regional.

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Change Maker Hotel Krone Hittisau Sauna
Hotel Gasthof Krone Hittisau
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Change Maker Hotel Krone Hittisau Restaurant
Hotel Gasthof Krone Hittisau

Was bedeutet Achtsamkeit für dich? Hast du dich da verändert oder möchtest du dich verändern?

Es ist eine unentwegte Übung.

 

Wie werden wir in 50 Jahren reisen, was meinst du?

Ich denke, es hängt sehr viel von den kommenden fünf Jahren ab. Am Boden werden wir jedenfalls ohne fossile Brennstoffe mobil sein. Ob es in der Luft auch schon geht, bin ich mir nicht sicher. Es wird weiterhin viel gereist werden.

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