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Naturresort Puradies
Leogang

"Es geht um Bodenständigkeit" – Michael Madreiter vom Naturresort Puradies

Interview • Locationtipps

Er ist kein Hotel-Oberlehrer mit erhobenem Zeigefinger. Er hat so seine Probleme mit dem Begriff Nachhaltigkeit. Warum es gerade deswegen für Menschen wichtig ist, Entscheidungen zu treffen, erklärt Puradies-Chef Michael Madreiter im Interview. 

Nicole Spilker

Im 19. Jahrhundert von Uropa Madreiter als Bauernhof auf einem sonnigen Hochplateau in Leogang gegründet, ist der Familienbetrieb mittlerweile einer der inspirierendsten Urlaubsplätze im Salzburger Land. 2016 eröffnete das Puradies so, wie du es heute erlebst. Michael Madreiter und sein Bruder Philipp stehen heute an der Spitze des Unternehmens. Michael selbst sieht sich als "der Hausmeister" im Hotel, der das Erlebnis Puradies kuratiert und dafür Sorge trägt, dass Visionen nicht nur authentisch gestaltet sondern von allen gelebt werden. Der dreifache Familienvater war in seinem früheren Leben Unternehmensberater in Wien. Warum es ihn wieder zurück in seine Heimat verschlagen hat? Das und vieles mehr erfährst du im Interview.

Michael, bis vor einigen Jahren warst du noch erfolgreicher, international tätiger Unternehmensberater. Was war denn dein persönlicher Change-Moment?

Das Thema Selbständigkeit war sicher eine treibende Kraft. Und natürlich auch der Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukommen. Das Stadtleben ist schön, aber am Land gibt es noch ein interessanteres Angebot. Durch den touristischen Zugang gibt es hier ja eine brillante Infrastruktur. Außerdem war die heranwachsende Familie ein triftiger Grund. Wir dachten uns, wenn wir uns hier eine Existenz schaffen können, ist das sicher mal ein guter naturnaher Nährboden.

Was hast du aus deinem alten Job mitgenommen?

Ich habe früh gesehen, dass es viele gibt, die reden – und wenige, die wirklich anpacken. Für mich war immer klar: Ideen sind nur dann etwas wert, wenn man sie auch umsetzt – schnell, konsequent und mit Leidenschaft. So ist 2007 auf meine Initiative hin das erste Chaletdorf entstanden, 2011 kam die Erweiterung. 2015 wussten wir: Wer in Leogang langfristig erfolgreich sein will, muss bereit sein, vorauszugehen – mit Mut, mit Investitionen und mit einem klaren Blick für das Wesentliche. Wenn man ländlich-bäuerlich aufwächst, weiß man, dass das nur in Einklang mit der Natur geht. Als Bauer lebt man schließlich von ihr, da wird man es tunlichst vermeiden, etwas zu unternehmen, was ihre Nachhaltigkeit in irgendeiner Art und Weise gefährdet. Im Grunde besitzt man ja auch nichts, sondern erhält alles nur für die nächste Generation. Es ist dieses tiefe landwirtschaftliche Denken, mit dem man anders an Dinge herangeht.

Puradies – ein Paradies in der Natur

Vom Konzern-Consulter zum Naturresort-Betreiber, vom Weltreisenden zum Erdigkeitshausmeister in Leogang: Michael Madreiter führt gemeinsam mit seiner Familie das Puradies: ein 280 Jahre alter Bauernhof samt Designhotel und neuem Heaven Spa in Leogang. Traditionell – und doch ganz neu, Öko-Zertifizierungen inklusive.

Ist man im Vorteil, wenn man aus der Gegend kommt?

Am Ende geht’s um Bodenständigkeit – und um eine Haltung, die den Tourismus als gemeinsame Chance versteht. Wir sitzen hier alle im selben Boot, deshalb ist es wichtig, dass auch die Menschen aus der Region mit an Bord sind. Wenn Freizeitangebote und Bergbahnen für Einheimische leistbar bleiben, entsteht echtes Miteinander. Natürlich gibt es Stimmen, die sagen: „Das brauchen wir alles nicht.“ Dabei wird oft vergessen, wie stark der Tourismus den Wert und die Lebensqualität unserer Region geprägt hat. Für mich zählt, dass wir die Menschen hier einbeziehen – ob durch lokale Handwerker* innen oder regionale Materialien. Ja, das kostet mehr. Aber genau das spüren und schätzen am Ende auch unsere Gäste.

Wo ist deine Schwachstelle?

Vielleicht, dass ich manchmal zu ehrlich bin. Ich kann mit leeren Versprechen oder Greenwashing nichts anfangen. Wir versuchen, Dinge wirklich richtig zu machen – nicht nur so, dass sie gut aussehen. Natürlich tragen wir das Österreichische Umweltzeichen und das EU-Ecolabel mit Stolz, aber für mich zählt mehr: Fairness, Hausverstand und echtes Verantwortungsgefühl. Ich weiß, dass sich Ehrlichkeit manchmal schlechter verkauft. Aber das Risiko gehe ich lieber ein, als etwas zu vertreten, das sich nur gut anhört.

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Change Maker Hotel Puradies Leogang Philipp und Michael Madreiter
Naturresort Puradies
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Change Maker Hotel Puradies Pool
© Lukas Reschreiter

Wie lebst du Nachhaltigkeit im Hotel?

Nachhaltigkeit beginnt für mich bei der Haltung, nicht beim Etikett. Es geht um Bewusstsein und Wertschätzung – für Produkte, Menschen und Natur. Unser Frühstücksei ist natürlich bio, aber ich muss das nicht ständig betonen. Wir machen Dinge nicht für den schnellen Effekt oder eine schöne Story, sondern weil sie sich richtig anfühlen. Am Ende zählt, dass der Gesamteindruck stimmt – ehrlich, verantwortungsvoll und stimmig mit unserer Überzeugung.

Wo wird's manchmal eng?

Regionalität ist uns wichtig – aber sie hat natürlich ihre Grenzen. Im Winter nur auf Knödel, fermentiertes Gemüse und Sauerkraut zu setzen, wäre irgendwann wenig spannend. Da braucht’s schon ein bisschen Spielraum, um den Gästen Abwechslung zu bieten, ohne den eigenen Anspruch zu verlieren.

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Was sind deine Wünsche für die Zukunft?

Noch mehr Regionalität wäre super. Was aber auch bedeutet, dass die Preise dafür mitgetragen werden müssen. Automatisch bewegt man sich dann auf ein sehr exklusives Niveau zu. Wenn man nur bio/regional einkauft, muss man auch vom Öl bis zum Salz Konsequenzen ziehen. Dann ist es aber auch um ein Viertel oder mehr teurer. Jeder Konsument und Gast übernimmt mit seiner Wahl, in welcher Qualität er schlussendlich isst, die Verantwortung dafür, welche Rahmenbedingungen für Herstellung und Produktion geschaffen wurden. Wer ein Schnitzel für elf Euro isst, darf sich nicht über Massentierhaltung beklagen, und wer zwei Avocados und Quinoaporridge zum Frühstück bestellt, darf auch nicht mit dem Finger zeigen. Mein Wunsch an Gott: Mehr Hirn für alle. Wir haben in der Hotellerie das Problem, dass wir meist Halbpension anbieten. Da wird nicht ganz klar ersichtlich, welchen Wert Frühstück, Nachmittagsjause und mehrgängiges Dinner am Abend wirklich haben. Der Preis ist eingerechnet. Ich glaube jeder sollte den „Preis“ und auch den „Wert“ seiner Konsumation kennen und selbst entscheiden, was man möchte. Wir werden uns von der Halbpension irgendwann verabschieden.

Kalkulieren könntest du mit der Halbpension aber besser … 

Das ist richtig. Aber es geht ja um Zufriedenheit. Jeder will glücklich sein. Und wenn ich Urlaub mache, möchte ich mich erholen, gut essen und trinken, vielleicht auch eine Art von nachhaltigen Erlebnissen haben, die irgendetwas besser machen, die sogenannten meaningful moments. Aber meaningful, also bedeutsam oder sinnvoll, kann ja nur etwas sein, zu dem man sich bekennt und was man sich aktiv aussucht. 

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Puradies / Creating Click

Ihr habt 16 Millionen Euro in die Erweiterung investiert – wie viele schlaflose Nächte stecken dahinter?

Keine einzige. Am Ende des Tages geht es ja nicht um Geld, sondern um das, was du damit gemacht hast. Und ob es ein Return-on-investment einbringt. Das ist ein Thema, mit dem viele Menschen nicht umgehen können. Wir sind im normalen Leben nicht gewohnt, einen Leistungsdruck zu erleben. Für mich bedeutet Change Maker auch, dass ich viel als Holschuld sehe. Aktiv werden und nicht darauf warten, dass es jemand anderes für dich macht. Wenn du selber nicht die Veränderung anstößt, dann ist es, als wartest du am Bahnhof auf ein Schiff. Das wird halt nie kommen. Man muss sich selbst und andere motivieren, etwas zu tun.

Im Puradies steckt so viel Know-how und Liebe. Was denkst du dir bei Gästen, die das nicht wertschätzen?

Das ärgert mich nicht, in bin nicht der Oberlehrer mit dem erhobenen Zeigefinger. Es gibt wird immer Menschen geben, die nach dem Motto leben: Zuviel ist nicht genug und weniger ist Selbstbetrug. Man kann Menschen nicht ändern, die anders zivilisiert wurden als man selbst. Es gibt immer eine typische Familie Störenfried, die mit allem und vor allem mit sich selbst unzufrieden ist. Echte Energievampire! Das merkt man bereits bei der Anreise, wir vermerken dann direkt in der internen Hauspost: Achtung, hier wird’s kompliziert. 

Wie schaffst du es, dass Menschen das Puradies tiefenentspannt verlassen?

Wir können nur ein Impuls sein – mehr nicht. Wir möchten Menschen ansprechen, die ähnlich denken und fühlen wie wir. In einer Welt, in der alles ständig verfügbar ist, geht manchmal das Maß verloren. Dabei ist es oft die Einfachheit, die wirklich berührt. Als Gastgeber muss man aber aufpassen, nicht zu belehren oder sich selbst zu wichtig zu nehmen. Entscheidend ist, dass man echt bleibt. Wenn man anfängt, sich oder das eigene Haus zu sehr zu inszenieren, verliert es an Glaubwürdigkeit – dann wird’s bloß noch Marketing. Und das zieht am Ende jene Menschen an, die man eigentlich gar nicht sucht.

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