Hotel Tyrol Dolomites Slow Living Birgit Senoner Michael Eisendle
© Karin Wasner
Santa Magdalena/Villnöss

"Langsam kommt man weit" – Birgit und Michael vom Hotel Tyrol Dolomites Slow Living

Interview • Locationtipps

„Piano, piano si va lontano“: Birgit Senoner und Michael Eisendle erklären ihre Philosophie im Hotel Tyrol Slow Living in den Südtiroler Dolomiten mit einem italienischen Sprichwort. Es bedeutet: Langsam kommt man weit. Vier Worte, die zu Geduld, Ruhe und Entschleunigung ermutigen, um Ziele zu erreichen. Wie das geht? Wir haben die beiden zum Zauber der Langsamkeit befragt. 

Karin Wasner

Die Geschichte des Hotel Tyrol beginnt in den 70er Jahren, als Birgits Vater Oswald Senoner am Sonnenhang in St. Magdalena Villnöss ein Hotel baut. Der Künstler will damit seine Familie ernähren. Von Langsamkeit hat der Bildhauer die Nase voll, mit dem „Sporthotel Tyrol“ setzt er auf den damaligen Ski-Boom – der das Villnössertal dann doch nie erreichen sollte. Was den Vater wurmt, ist der Tochter nur recht.

Birgit und ihr Mann Michael übernehmen 2011 und kämpfen in ihrem Tal für Sternenhimmel statt Flutlicht, Almwiese statt Parkplatz und Heustadl statt Hotelburg. Deshalb findest du im Tyrol Dolomites Slow Living ein Lebensgefühl, das statt schneller, weiter, mehr unsere Sehnsucht nach Naturnähe und Ursprünglichkeit erfüllt. Nur eines ist im Hotel Tyrol noch eindrucksvoller, als die vielen Kunstwerke, die Senior Oswald Senoner geschaffen hat: der Blick aus dem Fenster. Die steinernen Zacken der berühmten Geislergruppe sind ein Kunstwerk, das die Zeit aus Fels gemeißelt hat.

Oswald Senoners Skulpturen und Arbeiten verleihen eurem Hotel bis heute Charakter. Wie haben Birgits Eltern das Hotel geprägt?

Michael: Als ihr Vater noch gelebt hat, war das Haus mehr Galerie als Hotel. Wo heute eine Skulptur und fünf Bilder die Stockwerke zieren, waren es damals 25.

Birgit: Beide waren sehr naturverbunden, besonders meiner Mutter war die Qualität der Lebensmittel sehr wichtig. Sie ist in einem Gasthaus groß geworden. Mein Vater hat sich erst in sie und dann in dieses Grundstück verliebt und hier auf eine goldene Zukunft von Villnöss als Skisportzentrum gehofft.

Als ihr 2011 übernommen habt, war Villnöss noch immer der ruhige Bruder des ski-trubeligen Grödnertals – Fluch oder Segen?

Birgit: Für manche so, für andere so. Zu dem Zeitpunkt gab es eine Bewegung, die unbedingt den Anschluss an das Skigebiet wollte. 

Michael: Wir haben uns damals für den Erhalt unseres naturnahen Tals eingesetzt. Dafür, auf unsere Vorzüge zu bauen – unberührte Natur, Ruhe, Ursprünglichkeit – statt dem goldenen Kalb Skitourismus hinterherzulaufen.

Was ist passiert?

Birgit: Wir waren plötzlich die „Grünen“, die gegen alles sind und gegen die Wirtschaft arbeiten. Aber uns war klar: Wir müssen einen anderen Weg gehen. 40 Jahre Skitourismus holen wir mit einer Gondelbahn auf den Berg nicht mehr auf. 

Michael: Es war der Moment, als wir unser Konzept „Dolomites Slow Living“ entwickelt haben.

Hotel Tyrol Dolomites Slow Living – Zeit für Urlaub

Sternenhimmel statt Flutlicht, Almwiese statt Parkplatz, Stille statt Après-Ski. Im Hotel Tyrol Dolomites Slow Living im Villnösstal machen Birgit Senoner und Michael Eisendle Urlaub zu dem, was er einmal war: Zeit für Natur, für gutes Essen und füreinander. Das Hotel mit einem der großartigsten Ausblicke Südtirols ist Slow Food Partner, baut auf Holz und hat ein Herz für Schafe mit Brille.

Slow Living, was bedeutet das für euch?

Birgit: Sich auf Wichtiges zu besinnen. Mal innezuhalten und sich zu fragen: Was macht mich glücklich? Sich Zeit nehmen für Dinge, die einem gut tun. Für Menschen, für Natur, gemeinsame Erlebnisse.

Michael: Zum Beispiel: Jeden Tag mittags mit der ganzen Familie zu essen, zu plaudern, eine kleine Tischkegel-Competition. Im besten Fall mit allen sieben: unsere vier Kinder und Oma Paula.

Seit Oktober 2025 trägt der Tourismus-Zusammenschluss Villnöss-Lüsen den Namen „Odles Slow Dolomites“ – so falsch scheint also eure Vision vom sanften Tourismus nicht gewesen zu sein?

Michael (lacht): Besser langsam als nie. Das Tal wäre ein anderes. Diese Bergbahn zu bauen hätte bedeutet, ein Loch in eine Staumauer zu bohren.

Birgit: Wir sind glücklich, dass Südtirol die Richtung erkennt, in die es gehen muss. Viele Initiativen, die Nachhaltigkeitslabels, der Südtirol Mobil Pass oder die Alpine Pearls, die sich für sanfte Mobilität und den Schutz des Ökosystems Alpen einsetzen, das alles verändert unsere Region zum Besseren.

Wandel passiert also. Wann war euer persönlicher Change Moment?

Birgit: Als wir 2014 eine Gemeinwohlbilanz erstellt haben. Plötzlich schaust du nicht nur auf Einnahmen-Ausgaben, sondern machst deinen Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt messbar.  

Michael: Das war für mich ein Augenöffner. Plötzlich denkst du: Mist, die Fliesen 2005 für den Wellnessbereich waren aus China. Und auf einmal sitzt du nicht mehr gern auf einem Sessel, über den du zehn Jahre nicht nachgedacht hast.

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© Annelies Kompatscher

Die Gemeinwohlbilanz ist ein Instrument, um Werte in der Unternehmensführung zu verankern – was hat sie bei euch ausgelöst?

Birgit: Uns wurde bewusst, dass jede Entscheidung ökologische und soziale Folgen hat. Seitdem schauen wir bei allen Bereichen noch genauer hin, überlegen länger und binden unser Team mehr ein. 

Michael: Der große Umbau 2017 komplett in Holz war dann die bauliche Konsequenz daraus. Wenn man Investitionen tätigt, kann man bewusst Richtungen einschlagen. Da haben wir gesagt: wenn schon, dann langlebig, regional und so ressourcenschonend wie möglich.

Ihr habt den Bestand bewahrt und mit modernem Holzbau erweitert, mit natürlichen Materialien gedämmt. Woher kam das Knowhow?

Birgit: Da haben wir unserem Architekten Thomas Fischnaller viel zu verdanken. Er stammt aus dem Ort und hat als Student bei meinen Eltern in der Küche gearbeitet. Heute führt er erfolgreich ein Architekturbüro in Berlin. Als er zu Besuch war, hat er zufällig von unseren Plänen erfahren.

Michael: Und hat gefragt: „Darf ich da mitmachen?“ 

Ihr habt bewusst auf einheimisches Holz gesetzt – obwohl es deutlich teurer ist als z.B. aus Sibirien importierte Ware. Warum war euch das wichtig?

Birgit: Uns war wichtig, dass wir nicht Material um die halbe Welt transportieren, wenn wir es vor der Haustür haben. Selbst wenn die Materialkosten dann rund 10.000 Euro teurer waren.
 

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Zusätzlich habt ihr fast beton-frei gebaut, mit Altpapier und Holzplatten gedämmt und sogar bei der Bodenschüttung experimentiert? Wie weit kann man beim nachhaltigen Bauen gehen?

Birgit: Wir haben versucht, Zement – den CO₂-Verursacher schlechthin – zu minimieren. Die Bodenschüttung wollten wir ursprünglich nur mit Marmorsplitt machen.

Michael: Das Problem: der Maurer hätte dafür keine Verantwortung übernommen, also haben wir minimal Beton beigemischt. Nachhaltiges Bauen ist oft ein Kompromiss zwischen Idealismus und technischer Realität.

Slow Living heißt bei euch auch: nicht alles neu machen. Wie konsequent lebt ihr das?

Birgit: Für mich ist das Langlebige das Nachhaltigste. Unser Vollholz bei der Verkleidung, den Dielen oder den Betten von der Grünen Erde sind da ein gutes Beispiel. Es gilt, Lebenszyklen zu verlängern. Und statt alles rauszureißen, versuchen wir Dinge upzucyclen.

Michael: Ich erinnere mich noch an eine Gästerezension, die einen „Renovierungsstau“ bei uns diagnostiziert hat. Im Gegenteil! Das sind ganz bewusste Entscheidungen, die wir treffen. Einige Stühle stammen noch aus den 70ern. Wir haben sie neu gepolstert. Tischplatten wurden erneuert, manche Lampen durften bleiben. Auch hier verfolgen wir unsere Philosophie: Schritt für Schritt. 

Ihr seid Teil der ersten Slow Food Travel Destination Südtirols. Was bedeutet das konkret in eurer Küche?

Birgit: Wir arbeiten konsequent mit regionalen und saisonalen Produkten. Fleisch kommt vom Villnösser Brillenschaf oder vom Grauen Geisler Rind, das nur von rund 15 Bauern in unserem Tal gehalten wird – zwei besondere „Presidi“, also Slow-Food-Schutzprojekte.

Michael: Das Brillenschaf war fast ausgestorben – es gab nur noch etwa 300 Tiere. Durch garantierte Abnahme konnten Züchter ihren Bestand wieder aufstocken.

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Hotel Tyrol Dolomites Slow Living Restaurant
© Karin Wasner
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Hotel Tyrol Dolomites Slow Living Frühstück
© Karin Wasner

Ihr habt seit Jahren keinen Meeresfisch mehr auf der Karte. Warum dieser radikale Schritt?

Birgit: Ich habe einmal gesehen, dass der Fisch aus Afrika in die Berge transportiert wurde. Das kann es doch nicht sein!

Michael: Seit fast fünf Jahren verzichten wir komplett – mit wenigen Ausnahmen wie Vitello tonnato. Es ist widersprüchlich, alles für Regionalität zu tun und dann Fisch über tausende Kilometer in die Dolomiten zu holen.

Regionale Küche schreiben sich viele auf die Fahnen – aber was bedeutet das konkret, wenn man es so ernst meint, wie ihr?

Birgit: Letztes Jahr ist zum Beispiel der komplette Buchweizen aus Villnöss erfroren und ausgefallen.

Michael: Unser Küchenchef ist immer neu gefordert: fermentieren, auf Sauerkraut aus dem Vinschgau zurückgreifen oder mit Wintergemüse arbeiten. Regional heißt nicht immer bequem.

Beim Frühstück ist es besonders schwierig, nicht alles anzubieten. Wie geht ihr mit Mango, Avocado oder Erdbeeren im Winter um?

Birgit: Es ist eine Gratwanderung: Man möchte Vielfalt bieten, aber nicht alles zu jeder Zeit.

Michael: Wir versuchen zu reduzieren, ohne Verzicht zu predigen. Gäste verstehen das, wenn man erklärt, warum etwas nicht ins Konzept passt.

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© Thomas Rötting

Ihr seid außerdem Mitgesellschafter von „Furchetta Dolomites“. Was steckt dahinter?
 

Birgit: Furchetta entstand aus einem IFS-Projekt zur Erhaltung des ländlichen Raums. Ziel war es, lokale Produkte sichtbar zu machen. 

Michael: Wir engagieren uns für das „Villnösser Brillenschaf“, organisieren Märkte oder betreiben eine Slow-Food-Ecke auf die Terra Madre Salone del Gusto, am Käse- und Weinfestival oder dem Meraner Flower Festival. Es geht um Wertschöpfung im ganzen Tal – nicht nur im Hotel.

Regionale Wertschöpfung hört nicht bei Lebensmitteln auf. Wie weit geht ihr da?

Birgit: Leinen und Loden kommen aus regionaler Produktion, etwa von Mössmer. Seit 1894 produziert das älteste Industrieunternehmen des Pustertals in Bruneck – in vollstufiger Produktion von der Wolle bis zum hochwertigen Stoff. 

Michael: Wolle – in der heutigen Zeit ein „Abfallprodukt“ – wird zu Polstern oder Serviettenringen, auch unsere Kuschel-Felle stammen vom Brillenschaf. Unsere Türschilder haben wir selbst gestrickt – gemeinsam mit Oma und der ganzen Familie. 

Was kann ein Hotel aus eurer Sicht gesellschaftlich beitragen?

Birgit: Ein Hotel kann vorleben, dass Wirtschaften auch anders geht. Dass regionale Kreisläufe, faire Partnerschaften und ökologische Verantwortung keine Marketingbegriffe sind, sondern tägliche Entscheidungen.

Michael: Alle Umbauten haben wir nur mit lokalen Betrieben gemacht. Das hat neben dem Effekt, dass das Geld in der Region bleibt auch den Vorteil: Man kennt sich und weiß, wie der andere tickt. 

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CMH Hotel Tyrol Dolomites Slow Living Winter Whirlpool
© Thomas Rötting
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Hotel Tyrol Dolomites Slow Living Detail Zimmer
© Karin Wasner

Und was habt ihr persönlich auf eurem Weg gelernt? Was könnt ihr anderen mitgeben?

Birgit: Immer langsam mit den jungen Pferden. Projekte darf man ruhig ein oder zwei Jahre verschieben. Oft entstehen in dieser Zeit bessere Lösungen – oder neue Technologien.

Michael: Nicht alles sofort umsetzen zu müssen, ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis. Vor ein paar Jahren wollten wir unseren Wellnessbereich erweitern, die Pläne gab es schon, wurden aber wegen anderer Investitionen mal in die Lade gelegt. Inzwischen gibt es Innovationen, die deutlich ökologischer und effizienter sind. Langsam, aber konsequent – das passt zu uns und unserem Tal.

Das bringt uns zur letzten Frage: Wie könnte Tourismus in 50 Jahren aussehen? Werden wir zur Langsamkeit zurückfinden? 
 

Michael: Ich hoffe, dass es wieder Richtung „Urlaub“ geht. Statt immer öfter, immer kürzer lieber intensiver eintauchen und sich für das Lebensgefühl, die Kultur, die Menschen interessieren.

Birgit: Statt drei Foto-Points an einem Tag abzuklappern, einfach mal verweilen und genießen. Also ja, Langsamkeit, aber vor allem mehr Achtsamkeit, eben: Piano, piano si va lontano.
 

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