Durch viele Ideen, beständiges Tüfteln und mutige Entscheidungen ist der Kronenhof in Oberstaufen über 18 Jahre zu einem reinen Fastenhotel gewachsen. Auf Wunsch probierst du die eigene Aigner-Methode und Rezepturen, die es nur hier im Allgäu gibt. Wir sprechen mit Monika und Christian über Gesundheit, die umgekehrte Pyramide und warum Veränderung nicht immer mit einem großen Knall beginnt.
Monika und Christian lernten sich während ihres Studiums in München/Weihenstephan kennen – sie studierte Ernährungswissenschaften, er Agrarwissenschaften. Nach einem Auslandsjahr in England stieg Monika als Nachfolgerin in den Betrieb ihrer Eltern ein. Christian begleitete sie ins Allgäu und entdeckte seine Liebe fürs Hotelgewerbe. Gemeinsam entwickelten sie den Kronenhof Schritt für Schritt weiter und machten ihn zu einem zukunftsfitten Fastenhotel.
Während Agraringenieur Christian sich um Architektur, Energie und das 10.000 Quadratmeter große Hotelareal kümmert, ist Monika im Haus die kreative Ader und die erste Ansprechperson, wenn‘s ums Fasten geht. Die Ökotrophologin und Gesundes-Bayern-Expertin mit über 30 Jahren Fastenerfahrung gibt ihr Wissen im Kronenhof an ihre Gäste weiter.
Als Sohn Johannes 2021 ins Unternehmen einstieg, wurde auch das Marketingkonzept neu ausgerichtet und der Kronenhof als reines Fastenhotel positioniert. „Es war ein schleichender Prozess, aber wir wollten uns spezialisieren und nicht auf Buchungsplattformen angewiesen sein“, erklärt Christian. Learnings aus diesem Weg , warum du Fasten einmal ausprobieren solltest und welche Entscheidungen den Kronenhof bis heute prägen, erzählen Monika und Christian im Change Maker Interview.
Was es für ein modernes Fastenhotel braucht
Gab es einen spezifischen Moment, in dem ihr gespürt habt, dass ihr es als Gastgeber des Kronenhof anders machen wollt?
Christian: Es war ein schleichender Prozess. Über viele Jahre haben wir Hotels angeschaut, Ideen gesammelt und uns gefragt: Was gefällt uns? Was wollen wir anders machen? Parallel haben wir uns immer intensiver mit Ernährung und Gesundheit beschäftigt. Monika hat eine Ausbildung als Schrothpackerin und als Ernährungsberaterin gemacht und angefangen, Vorträge zu halten. Irgendwann war einfach klar: Jetzt sind wir so weit. Jetzt machen wir es auf unsere Art.
Monika: Christian war von jeher Bio-Lebensmitteln und der Frage, wie alles in der Landwirtschaft sinnvoll ineinandergreift, zugewandt. Sein großes Interesse galt auch der Architektur und Energie, also hat er sich in diese Richtung sehr viel informiert.
Was genau ist der Change im Haus, der das Haus ganz besonders macht?
Monika: Die Entscheidung, uns ganz auf das Fasten zu spezialisieren. Wir sind das einzige reine Fastenhotel in Oberstaufen – das ist schon etwas Besonderes.
Christian: Und genau das macht das Fasten für unsere Gäste leichter. Wenn du deine Heilfastensuppe vor dir hast und am Nebentisch jemand ein Schnitzel isst, wird es schwierig. Bei uns fasten alle.
Wie habt ihr eure Leidenschaft für das Thema Fasten entdeckt?
Monika: Die Schrothkur kannte ich durch meine Familie von klein auf, da Oberstaufen das weltweit einzige anerkannte Schroth-Heilbad ist und diese Art des Fastens seit den 1960ern bei uns im Haus angeboten wird. Während meines Studiums habe ich dann in einer Klinik für ernährungsabhängige Krankheiten und in einer Fastenklinik gearbeitet. Auch meine wissenschaftliche Arbeit habe ich der Schrothkur und Diabetes gewidmet.
Christian: Fasten war für uns nie nur beruflich ein Thema: Auch als wir nach dem Studium in München gelebt und gearbeitet haben, haben wir gemeinsam gefastet.
Fasten im Kronenhof: vegetarisch und möglichst bio & regional
2020 habt ihr auf vegetarische Küche umgestellt, mit möglichst regionalen und biologischen Produkten. Warum diese Entscheidung?
Christian: Die Gesundheit und den ökologischen Gedanken wollten wir noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Wir ernähren uns selbst sehr gesund. Wir sind zwar privat nicht komplett vegetarisch, aber gerade als Hotel kann man ganz andere Impulse setzen, wenn man sich klar positioniert.
Monika: Wir wollten nicht die eierlegende Wollmilchsau sein, bei der es alles gibt. Diese Klarheit spüren nicht nur die Gäste, sondern auch unsere Mitarbeitenden. Die einzige Ausnahme, ist die Forelle, die seit jeher Teil des Abschlusses einer klassischen zwei- bis dreiwöchigen Schrothkur ist.
Was bedeutet regional bei euch konkret?
Christian: Die Frage: Wo bekommen wir Gemüse und Obst her, das wir brauchen? In Oberstaufen auf rund 800 Metern wächst natürlich nicht alles, deshalb gehört für uns auch der Bodensee zur Region.
Monika: Wir kaufen vorwiegend Bio-Lebensmittel – egal von welchem Bio-Anbauverband: Ob Bioland, Naturland oder Demeter ist für uns zweitrangig. Wichtig ist die Bio-Qualität. Wir liegen aktuell bei rund 90 Prozent Bio-Anteil. Auch alle Weine sind Bio-zertifiziert und von Deutschen Winzer*innen.
Tipps für den Fastenurlaub
Was sind die besonderen Herausforderungen in einem Fastenhotel?
Monika: Gerade die ersten zwei Tage können beim Fasten anstrengend sein. Deshalb bekommen unsere Gäste schon eine Woche vor der Anreise Tipps, wie sie sich zu Hause vorbereiten können. Je mehr sie davon umsetzen, desto leichter fällt der Einstieg.
Welche Tipps bekommen Gäste vor der Fastenkur?
Monika: Zum Beispiel schon einige Tage vorher auf Kaffee zu verzichten, sich die Woche zuvor möglichst vegetarisch zu ernähren und bestimmte Lebensmittel wegzulassen. Viele kleine Faktoren, die sich am Ende summieren. Wer bis zum Schluss aus dem Vollen schöpft und hektisch oder genervt ankommt, für den ist der Schritt natürlich größer. Ganz entscheidend ist die Einstellung: Freue ich mich auf die Fastenzeit und darauf, mir etwas Gutes zu tun? Oder denke ich: Um Gottes Willen, wie soll ich das schaffen? Das Mentale ist das A und O. Deshalb haben wir auch ein Wochenprogramm, das die Gäste systematisch durch ihre Fastenzeit begleitet.
Wir starten ganz sanft mit Atem- und Bewegungskursen und unserem Morgenritual. Dabei geht es auch um die Frage: Was kann ich jeden Morgen für mich tun? Wir entwickeln unser Programm immer weiter und überlegen, was wir den Gästen hier Gutes tun, aber auch ihnen für ihren Alltag mitgeben können. Das Schöne ist, dass sie diese Impulse wirklich aufsaugen und schauen: Was davon kann ich für mich umsetzen? Sehr individualisiert. Erst kürzlich hat ein Arzt, der gerade wieder zu Gast ist, erzählt, dass er jetzt auch zu Hause Brot backt.
Warum sollte jeder einmal Fasten ausprobieren?
Monika: Um diese Leichtigkeit zu erleben. Und um zu merken, wie viel Einfluss man selbst auf die eigene Gesundheit nehmen kann. Es gibt viele Bereiche, in denen die positiven Effekte des Fastens untersucht werden – etwa bei Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkbeschwerden oder der Darmgesundheit. Das finde ich immer wieder faszinierend. Außerdem hilft Fasten auch dabei, aus der Spirale, in der man im Alltag oft steckt, heraus- und den Kopf freizubekommen.
Ihr habt ein eigenes Fastenprogramm entwickelt. Was geht Aigner-Fasten?
Monika: Das Aigner-Fasten ist eine Alternative für alle, denen die Schrothkur ein bisschen zu asketisch ist. Wer morgens Eiweiß und einen bewussten Start in den Tag braucht, bekommt bei uns ein spezielles Frühstück – auf Wunsch auch mit einer Tasse Kaffee oder einem Espresso. Beim Thema Kaffee beim Fasten gehen die Meinungen mittlerweile etwas auseinander, aber wir finden, dass es jeder selbst merken sollte, was ihm guttut. Wenn jemand während des Fastens Kaffee und ab und zu ein Glas Wein nicht missen möchte, ist das Aigner Fasten eine Möglichkeit dafür. So kann man die Vorteile der Schrothkur trotzdem nutzen.
Fasten fürs eigene Wohlbefinden
Gibt es drei Dinge für ein gesünderes Leben, die ihr für den Alltag empfehlen würdet?
Monika: Das ist sehr individuell. Jede/r steht an einem anderen Punkt. Deshalb muss man schauen: Was ist für mich gerade wichtig – und wo kann ich etwas verändern?
Christian: Ich würde empfehlen, sich dafür professionelle Unterstützung zu holen – zum Beispiel in einem professionellen Fastenhaus. Das ist sicherlich der richtige Einstieg.
Monika: Zuhause ist es oft schwierig, denn man sollte mindestens eine Woche lang fasten. Wenn man Kinder hat und für sie etwas Anderes kochen muss, ist es schwer – das habe ich auch schon gemacht.
Christian: Und vor allem: nicht zu viel auf einmal erwarten. Oft reicht es, einen Kreislauf zu durchbrechen und eine kleine Gewohnheit zu verändern.
Die Macht der Gewohnheiten. Gibt es beim Fasten auch Wiederholungstäter*innen?
Monika: Wenn du einmal erlebt hast, wie gut du dich nach dem Fasten fühlst, bleibt das. Deshalb kommen viele jedes Jahr wieder. Du merkst, wie viel leichter Bewegung fällt, wie sich die Haut verändert oder wie lange du von dieser Zeit profitierst.
Christian: Und mit jedem Fasten nimmt man etwas anderes mit. Dabei spielt auch der Austausch mit Gleichgesinnten eine wichtige Rolle. Deshalb gestalten wir unser Haus bewusst so, dass beides möglich ist: Begegnung und Gemeinschaft, aber auch Rückzug und Ruhe.
Trinken ist beim Fasten das A und O. Dafür habt ihr im Kronenhof auch eigene Signature-Produkte entwickelt. Was ist bei euren Getränken besonders?
Monika: Es sind zum Beispiel drei Sirupe, die man so sonst kaum bekommt. Einen Goldrausch-Sirup habe ich noch nirgendwo gesehen. Dazu verschiedene Oxymel, die wir immer stärker einbauen.
Christian: Ein echtes Highlight ist unser Sauerkrautsaft. Viele Gäste kommen und sagen: „Ich freue mich schon auf euren Sauerkrautsaft.“ Den verkaufen wir ganz bewusst nicht für zu Hause – den gibt es nur hier.
Monika: Und natürlich haben wir sehr hochwertige Kräutertees, für die ich selbst Kräuter sammle und trockne. Getränke haben beim Fasten eine enorme Bedeutung, weil man darüber sehr viel bewirken kann.
„Wo kann ich noch etwas verbessern?“
Wie definiert ihr Nachhaltigkeit für euch?
Christian: Nachhaltigkeit ist ein sehr weit gefasster Begriff. Für mich bedeutet sie zum Beispiel, mit Handwerksbetrieben aus der Umgebung zusammenzuarbeiten, Lebensmittel möglichst aus der Region zu beziehen oder auf Fleisch zu verzichten. Beim Gebäude ist mein Ziel: Ich möchte nicht möglichst viel Energie selbst erzeugen, sondern möglichst wenig Energie verbrauchen. Wir sind beim Stromverbrauch von 138.000 Kilowattstunden im Jahr 2015 auf 82.000 im Jahr 2025 gekommen und beim Heizöl von 50.000 Litern jährlich auf null durch den Umstieg auf Fernwärme.
Es geht darum, immer wieder nachzujustieren und zu fragen: Wo kann ich noch etwas verbessern? Bei jeder Pumpe, jeder Heizung, jeder Anlage schauen wir: Was wird tatsächlich gebraucht? Ich möchte den Verbrauch von Anfang an möglichst geringhalten. Es gibt unglaublich viele Stellschrauben. Selbst unseren Fuhrpark haben wir weitgehend auf Elektro umgestellt.
Wann wusstet ihr: Wenn wir bauen, dann so energieeffizient wie möglich?
Christian: Wir haben Fakten gesammelt und irgendwann einen Strich darunter gemacht und entschieden: Es gibt für uns nur diesen Weg. Wenn wir Hotels besucht haben, war einer meiner ersten Kontakte der Hausmeister, um mir die Anlage anzuschauen.
Heute sehe ich auch wirtschaftlich, dass unser Weg richtig war. Meine Energiekosten sind nicht gestiegen, sondern gesunken. Dafür muss man aber konsequent bleiben – auch wenn eine zugesagte Förderung plötzlich gestrichen wird. Wenn man von seinem Weg überzeugt ist, muss man so etwas aushalten.
Monika: Und es geht nicht nur um Energie, sondern auch um die Atmosphäre. Wenn man dieses Gebäude oder die Zimmer betritt, fühlt man sich sofort wohl. Das merken wir auch an den Reaktionen unserer Gäste, wenn wir sie beim Check-in aufs Zimmer begleiten. Das wirkt am Ende selbstverständlich, aber es braucht im Hintergrund sehr viel Planung und Überlegung.
Kann ein Gebäude heilsam sein?
Christian: Absolut. Gerade bei uns muss ein Gebäude auch das Ruhebedürfnis der Gäste erfüllen. Für viele schließt sich dadurch der Kreis: möglichst biologische Lebensmittel, kein Fleisch und ein ökologisch sinnvolles Gebäude. Und wenn ich einem Gast bei der Hausführung erkläre, warum wir es so gemacht haben, trägt er das auch mit.
Monika: Dazu gehören für mich viele Dinge: der Blick nach draußen, der Geruch, die Materialien, das Raumklima und die Ruhe. Christian und Johannes haben sehr genau überlegt, wo die Betten stehen und wie die großen Fensterfronten und die Holzfassade gestaltet werden. Die Gäste sollen viel Aussicht haben und gleichzeitig vor zu viel Sonne geschützt sein. All diese Faktoren sorgen dafür, dass ein Gebäude eine beruhigende Wirkung haben kann.
Christian: Ich nenne das die umgekehrte Pyramide. Der Zubau wurde bewusst in die Höhe gebaut, um unnötige Bodenversiegelung zu vermeiden. Die oberen Geschosse ragen weiter heraus als die darunterliegenden und sorgen so ganz natürlich für Verschattung. So nutzen wir die Architektur selbst, um das Haus vor zu viel Hitze zu schützen. Dazu kommen 60 Zentimeter Dachisolierung, Perlit-Ziegel und leicht getönte Fenster.
Welche Rolle spielt dabei die Natur rund um das Haus?
Monika: Eine sehr große – es ist ein Wohlfühlort. Wenn du morgens aufstehst und auf deinem Balkon von allen Seiten die Vögel hörst, macht das etwas mit dir. Hier ist kein Lärm, obwohl wir eigentlich mitten im Ort sind. Gerade für Gäste aus der Großstadt ist das ganz besonders.
Christian: Auch bei der Gestaltung des Gartens haben wir sehr bewusst darauf geachtet, welche Bäume bleiben und welche wir nachpflanzen. Bäume können Schutz und ein angenehmes Klima schaffen – aber es kommt darauf an, wie sie angeordnet sind. Der Wald spendet außerdem Schatten und verbessert dadurch das Mikroklima. Gerade bei zunehmender Hitze ist das für uns ein wichtiger Punkt. Aktuell wird Hoteliers empfohlen, Klimaanlagen einzubauen, um die Hitzeproblematik in den Griff zu bekommen. Das ist genau kontraproduktiv zu dem, was wir haben wollen. Es ist nicht stimmig, nicht gut, nicht durchdacht.
Hotel mit KfW-40-Standard
Welche architektonische Entscheidung macht heute im Alltag den größten Unterschied, obwohl die Gäste sie kaum bemerken?
Christian: Die Energieeffizienz. Die bemerkt der Gast zunächst gar nicht – er merkt nur, dass das Raumklima angenehm ist. Unser Neubau hat den KfW-40-Standard und benötigt damit rund 40 Prozent der Energie eines vergleichbaren Gebäudes. Auch den Bestand haben wir nachgebessert, unter anderem mit gedämmten Fassaden und Dreifachverglasung.
Monika: Wichtig war uns auch die Art, wie gebaut wurde. Wir wollten nicht hektisch und möglichst schnell bauen, sondern dem Gebäude Zeit geben. Schon während des Rohbaus haben uns Arbeiter*innen gesagt, dass sie noch nie auf einer Baustelle ein so angenehmes Raumklima erlebt hätten.
Christian: Dazu kommen die tiefen Balkone mit acht auf drei Meter. Sie schützen die Zimmer vor direkter Hitze und ermöglichen gleichzeitig, dass sich die Gäste viel draußen aufhalten. Selbst im Januar kann man dort mit einer Wolldecke liegen.
Selbst die Lüftung im Zubau ist ausgeklügelt …
Christian: Mir war wichtig, nicht überall Motoren zu haben, die permanent laufen. Deshalb haben wir ein System, bei dem sich ein sehr leicht gelagerter Propeller durch die natürliche Luftbewegung dreht und so für Luftaustausch sorgt. Im Bad und WC ist es etwas anders. Dort brauchen wir eine Zwangsbelüftung, damit die Feuchtigkeit zuverlässig abgeführt wird. Und ganz wichtig: Man hört davon möglichst nichts. Gerade in einem Fastenhotel brauchen die Gäste Ruhe. Bei uns kommt die Schrothpackerin teilweise schon um vier Uhr morgens. Deshalb haben wir zum Beispiel in den Fluren Teppich. Die Türen schließen langsam und leise. Die Gäste sollen davon möglichst wenig mitbekommen.
Monika: Auch bei den Teppichen haben wir uns bewusst für Sisal und damit für ein Naturmaterial entschieden.
Kronenhof als Multiplikator
Was ist eure Superpower?
Monika: Unsere Stärke liegt in der Vervielfachung. Wir geben sehr vielen Gästen etwas mit – im Bereich Gesundheit und Ernährung, aber auch Wissen über Architektur und Energie.
Christian: Nach meinen Hausführungen kommen oft direkt Fragen. Da sagt dann auch mal jemand: „Christian, darf ich meinen Mann anrufen? Den interessiert das auch.“ Es geht dabei oft um die kleinen Schritte. Es ist nicht die eine große Sache, sondern es sind viele kleine Schritte.
Gib uns einen konkreten Einblick, wie ihr es schafft, den Energieverbrauch im Haus so gering zu halten.
Christian: Zum Beispiel das Hallenbad. Zwischen Raum- und Wassertemperatur soll der Unterschied maximal etwa 1,5 Grad betragen. Dadurch reichen beispielsweise 31 Grad Wassertemperatur, damit es sich trotzdem angenehm anfühlt. Bei 150.000 Litern Wasser macht es natürlich einen Unterschied, ob ich sie auf 31 oder 35 Grad erwärme. Dazu kommt jetzt die große Photovoltaikanlage auf dem Dach. Weil wir drei Seiten nutzen können – Ost, Süd und West –, erzeugt sie sogar mehr Strom als ursprünglich geplant.
Monika: Der Stromverbrauch hat sich deutlich reduziert, obwohl ein neues Gebäude und eine Etage mehr dazu gekommen sind: Wir haben uns deutlich vergrößert, haben mehr Fläche, mehr Zimmer, mehr Übernachtungen.
Was ist beim Thema Energie der nächste Schritt?
Christian: Der nächste Schritt ist die Speicherung. Wir haben noch weitere Dachflächen, die wir mit Photovoltaik belegen könnten. Dazu kommen Batteriespeicher und ein modernes Energiemanagement, damit wir den Strom speichern und später selbst verbrauchen können. Unser Ziel ist, möglichst viel des selbst produzierten Stroms auch selbst zu nutzen. Wir lassen gerade berechnen, welche Investitionen sich rechnen und wie lange die Amortisationszeit wäre.
Der Kronenhof hat einen großen Hotelgarten. Wie schaut’s beim Thema Wasser für die Bewässerung aus?
Christian: Auch da haben wir investiert. Unter der Terrasse befindet sich eine große Zisterne mit 15.000 Litern Fassungsvermögen. Dort sammeln wir das Regenwasser vom Dach und nutzen es für die Bewässerung des Gartens.
Gemeinschaft im Hotel Kronenhof
Was sind die wichtigsten Werte in eurem Haus?
Christian: Ehrlichkeit und Authentizität. Wir verkaufen hier kein künstliches Produkt und keinen Marketinggag. Hier steht unsere Familie und arbeitet sieben Tage die Woche an diesem Haus.
Monika: Für mich gehört auch die Gemeinschaft dazu. Wer alleine zu uns kommt, muss keine Angst haben, hier auch alleine zu bleiben. Wir haben große Tische, an denen man andere Menschen kennenlernen und Freundschaften schließen kann. Viele kommen mit ähnlichen Themen hierher und merken: Ich bin damit nicht allein und muss mich für nichts schämen.
Welche Rolle spielen eure Mitarbeitenden dabei?
Christian: Wir legen großen Wert darauf, unsere Mitarbeitenden möglichst lange zu halten. Dafür gehen wir auch Kompromisse ein und nehmen große Rücksicht auf familiäre Bedürfnisse.
Monika: Wenn Gäste wiederkommen, treffen sie bekannte Gesichter. Und die Mitarbeitenden kennen die Abläufe und unsere Gäste. Sie wissen schon, wer etwas Bestimmtes nicht essen darf oder ein zweites Kopfkissen möchte.
Was tut ihr konkret für den Zusammenhalt im Team?
Christian: Einmal im Jahr machen wir einen größeren Betriebsausflug über zwei Tage. Dabei schauen wir uns bewusst andere Hotels an. Im Idealfall entstehen daraus auch Ideen für unseren eigenen Betrieb.
Monika: Einmal im Monat organisiert eine Abteilung eine gemeinsame Aktivität für alle, die wir bezahlen. Wie beim Karaoke-Abend. Am Anfang hat sich kaum jemand getraut – und am Ende haben alle mitgesungen. Dabei wächst das Team zusammen.
„Dinge authentisch vorleben“
Was tut ihr heute, damit eure Kinder und Enkel später einmal sagen: Sie haben viel richtig gemacht?
Monika: Indem wir es tagtäglich vorleben. Authentisch. Nicht irgendetwas tun, um eine große Show daraus zu machen.
Wo entwickelt sich der Tourismus hin? Wie werden wir 2050 Urlaub machen?
Christian: Die jüngere Generation legt wesentlich mehr Augenmerk auf Nachhaltigkeit. Kurzflüge für zwei Tage werden weniger selbstverständlich und es findet ein Umdenken statt. Genauso wie bei vegetarischer und veganer Ernährung. Und ich glaube, der Tourismus wird noch digitaler werden, zum Beispiel beim Check-in.
Monika: Jüngere Menschen schauen stärker darauf, was sie für sich und ihre Gesundheit tun können. Gleichzeitig gewinnen gerade durch die Digitalisierung die echten menschlichen Kontakte wieder mehr an Wert. Heute ruft man irgendwo an und hört: „Drücken Sie die Eins, drücken Sie die Zwei“, oder eine KI-Stimme antwortet. Deshalb wollen Menschen echtes Leben und echte Herzlichkeit.
Kontakt &
Buchungsanfragen
Hotel Kronenhof
Bgm.-Hertlein-Str. 12
87534 Oberstaufen
Deutschland
Hotel Kronenhof
reines Fastenhotel
Schrothkur, Intervall-, Heil-, Basen- und Aigners Fasten
fachkundiges Team aus Ärzt*innen und Therapeut*innen
10.000 qm großes Hotelareal mit großem Garten
Spa mit Sauna, Whirlpool, Pool mit Gegenstromanlage
selbstgemachte Getränke: Tee, Sirup, Oxymel, Sauerkrautsaft
abwechslungsreiches Aktiv- und Kreativprogramm