Change Maker Hotel Steafeli Steffi und Gitti Birk
Karin Wasner
Lech

Stäfeli – Steffi und Gitti Birk im Interview

Interview • Locationtipps

Gibt es Hotels die glücklicher machen als andere? Ja, sagen wir, nachdem wir mit Steffi Birk und ihrer Mutter Gitti über das Hotel als Ort für Zeit und Raum philosophiert haben. Warum Strohhalme auf dem Kompost und Schlapfen aus Pet Flaschen nur kleine Schritte sind, die trotzdem ans Ziel führen, erzählen uns die beiden Chefinnen vom Hotel Stäfeli in Zug bei Lech.

Karin Wasner
1. Januar 2024

Wo ist eurer Lieblingsplatz im Stäfeli? 

Steffi: Das ist für mich die Rezeption. Dort ist man in Kontakt mit allen und es entstehen immer wieder Gespräche, die man sonst nicht führt.

Gitti: Ich liebe den Blick auf Berge oder Bücher hier im ZeitRaum.

 

Hier erfährst du aktuelle News aus dem Hotel Stäfeli.

Zeit ist für euch das wertvollste Gut, euer Anspruch lautet: Zeit Wert geben. Wie geht das?

Gitti: Wir wünschen uns, dass Menschen ihre Zeit gemeinsam verbringen und sie mit guten Momenten füllen. Bei uns ist Platz für Gespräche, für Gedanken, für Lachen aber auch fürs Ruhe finden.

Hotel Stäfeli – Ruhepol am Arlberg

Im Hotel Garni Stäfeli der Familie Birk geht man achtsam Richtung Zukunft. Was eine Gefühlsbibliothek ist, warum kleine Zettel beim Frühstück das Einzige sind, was übrig bleibt und warum Steffi Birk immer öfter das Licht abdreht, erfährst du hier. 

Auf die Raumgestaltung habt ihr großen Wert gelegt, was war euch da wichtig?

Steffi: Wir sind ein kleines Haus und haben dennoch viele verschiedene Räume, in denen man seine Zeit verbringen kann. Manchmal braucht man die Weite und manchmal etwas Kleines, Gemütliches. Es hängt davon ab, was man sucht, wo man sich gerade wohlfühlt. Darauf wollen wir eingehen und unterschiedliche Rückzugsräume aber auch Räume zum Zusammenkommen schaffen.

Gitti: Im FreiRaum kann man nach Herzenslust sporteln oder einen gemeinsamen Kinoabend erleben, im DenkRaum lernen manchmal Jugendliche gemeinsam. Unser KinderRaum ist nicht wie in vielen Häusern im Keller, weit weg von allem anderen. Er ist offen und Teil des ZeitRaums. Alles fließt harmonisch ineinander und mittendrin sind die Menschen, die ihren Urlaub genießen. Ob gemeinsam oder ganz für sich mit einem guten Buch.

Die Bücher im Stäfeli fallen sofort auf. Gehören die zum Konzept?

Steffi: Ja, denn Bücher sind Nahrung für Geist und Seele, die gehören für uns einfach dazu. Bücher sind für uns ein wertvolles Lebenselexier.

Gitti: Wir wollten nicht nur einen Raum, in dem alle Bücher sind, sondern sie im Haus integrieren. Die deutsche Designerin und Bloggerin stepanini* hat uns 2016 beim Entwickeln unseres Bücherkonzepts begleitet. Mit ihr ist auch unsere Gefühlsbibliothek entstanden.

Change Maker Hotel Staefeli Arlberg Wunschzettel
Karin Wasner
Change Maker Hotel Staefeli Arlberg Kinder Buch
Karin Wasner
Change Maker Hotel Staefeli Arlberg Bibliothek
Karin Wasner
Change Maker Hotel Staefeli Arlberg Buecherwand
Guenter Standl

Hier suchst du dein Buch nach einer Emotion aus?

Gitti: Neugierig, ruhig, glücklich, traurig – für jede Stimmung die richtigen Worte.

An der Rezeption liegen viele Bücher zu Klimawandel und Veränderung, ist das ein Thema für euch?

Steffi: Für uns persönlich ein sehr großes und seit die Bücher dort liegen, entstehen immer wieder spannende Gespräche mit den Gästen zu diesen Themen. Sie laden zum Austausch ein.

Gitti: Bei „ImpactLech“ gab es dieses Jahr unter dem Motto „Fakten schaffen, Meinung bilden“ spannende Vorträge und tolle Diskussionen zum Thema Energie. Wir waren von dieser Veranstaltung tief berührt und beeindruckt und wollten das mit unseren Gästen teilen. Daher haben wir dort viele Bücher gekauft und bereitgelegt.

Apropos Worte. Ob berührende Sprüche oder Humorvolles – bei euch stolpert man ständig über Worte, die inspirieren und zum Nachdenken anregen.

Steffi: Wir wollen einen Ort der Begegnung, des Glücks und der Wertschätzung schaffen. Da hilft manchmal der eine oder andere Denkanstoß.

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Seid ihr und euer Hotel auch im Wandel?

Steffi: Auf jeden Fall. So wie bisher kann es auf der Welt nicht weitergehen. Vieles muss neu gedacht werden. Darauf wollen wir auch im Stäfeli reagieren.

Bei euch arbeiten zwei Paare aus zwei Generationen zusammen, kann das gut gehen?

Steffi: Natürlich! Mama und ich haben ohnehin oft dieselben Ideen, wir ticken in vielem gleich. Wir tun uns leicht, Zukunftsvisionen zu entwickeln.

Gitti: Bei uns hat jeder seinen Schwerpunkt. Heinz und Thomas sind z.B. hauptsächlich für das Achtele WeinRestaurant, die Weinhandlung und das „Allerlei – Krämerei, Genussraum“ zuständig und arbeiten da sehr gut zusammen.

Gibt es auch Schwierigkeiten?

Steffi: Zusammenarbeit ist immer ein Prozess, der achtsam passieren muss. Für die Übergabe werden wir uns einen Berater oder eine Mediatorin suchen. Jemand, der uns auf diesem Weg gut begleitet und bei dem sich alle gleichermaßen wohl und verstanden fühlen.

Gitti: Ganz reibungslos kann es nicht gehen. Reibung kann aber auch sehr bereichernd sein und Raum für neue Ideen schaffen. Wichtig ist, dass wir offen und wertschätzend miteinander umgehen. Die großen Fragen, die uns alle vier gleichermaßen beflügeln sind: Wohin entwickeln wir uns, wie geht die Jugend in die Zukunft?

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Change Maker Hotel Staefeli Arlberg Pool Ansicht
Guenter Standl
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Change Maker Hotel Staefeli Arlberg Kinder Tafel
Marcel A. Mayer

Und, wohin geht die Jugend?

Steffi: Auf alle Fälle Richtung Nachhaltigkeit! Ich brenne für das Thema und es gibt so viele Alternativen zu klassischen Produkten. Es macht viel Spaß, sich Gedanken zu machen, zu tüfteln, zu suchen und Dinge auszuprobieren. Ich liebe es, gute und nachhaltige Lösungen zu finden!

Wonach hast du lange gesucht?

Steffi: Hochwertige Filz-Schlapfen aus recycelten PET-Flaschen. Die funktionieren aber nicht bei nassen Flächen. Fürs Schwimmbad suche ich also noch immer eine Lösung.

Gibt es etwas, das du in punkto Nachhaltigkeit uneingeschränkt empfehlen würdest?

Steffi: Seit drei Jahren setzen wir auf GreenCleaning, Reinigung mit reinem Wasserdampf ganz ohne Chemie. Die nachweislich gründlichste und gesündeste Art. Seitdem macht sogar mir Bad putzen Spaß!

 

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Marcel A. Mayer

Dein Anspruch ist hoch, wie lebst du damit privat?

Steffi: Fleisch essen war irgendwann nicht mehr mit dem vereinbar, was ich immer predige, daher bin ich Vegetarierin geworden. Ich finde Inspiration überall und bin schnell von Ideen begeistert. Dann lese ich beispielsweise alles über Wasserstoff als Energie der Zukunft und bin Feuer und Flamme und das Thema lässt mich nicht mehr los. Irgendwann hatte ich mir einmal vorgenommen, das Badezimmer plastikfrei zu gestalten. Ist gar nicht leicht, aber möglich. Einiges hat mich nicht auf Dauer überzeugt, aber geblieben sind zum Beispiel die Zahnpasta zum Anrühren und das Abschminken mit wiederverwendbaren Pads.

Und worauf bist du besonders stolz?

Steffi: Auf unsere kompostierbaren Bio-Strohhalme. Damit waren wir sicher die ersten in ganz Lech! Und auf unsere Seifen von Arlberg Artisan. Unsere Naturkosmetik ist top. Wir leisten uns das, einfach weil es gut für die Umwelt ist. Und für unsere Gäste. Wir bieten dazu kleine Dosen an, in denen die Gäste die Seifen mit nach Hause nehmen und weiter verwenden können.

Weiterverwenden statt verschwenden?

Steffi: Genau. Und das soll noch weitergehen: Seifen, die dagelassen werden, möchte ich wieder verarbeiten und spenden.

Spenden, ist das etwas, das ihr regelmäßig macht?

Gitti: Ja, das ist für uns sehr wichtig und ein fester Bestandteil. Mit jeder erworbenen Flasche Schiwago Wein oder SCA-Schnaps wird die Lecher Bergrettung oder der Ski-Club Arlberg unterstützt.

Steffi: Ab der Wintersaison wollen wir etwas Neues umsetzen: Wir würden gerne bewusst machen, wie wertvoll Trinkwasser ist. Die Soulbottels verwenden wir ja schon lange, aber jetzt gehen wir einen Schritt weiter und verlangen einen kleinen Beitrag für Leitungswasser. Den spenden wir dann an eine gemeinnützige Organisation aus der Region.

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Karin Wasner

Wurde schon mal protestiert bei einer Maßnahme, die ihr ausgetüftelt habt?

Steffi: Wir haben im Winter auf die Beeren beim Frühstück verzichtet, weil es die nicht mehr regional gab. Da haben sich einige Gäste beschwert. Darauf wollten manche einfach nicht verzichten.

Gitti: Und sie wollten die Wattepads und Ohrstäbchen zurück. Die hatte Steffi wegen dem ganzen Plastikmüll verbannt.

Wattepads und Ohrstäbchen sucht man bei euch auf den Zimmern aber noch immer vergebens?

Steffi: Jetzt haben wir Kosmetikbars aufgestellt. Nach Lust und Laune und völlig plastikfrei kann man sich dort bedienen. Das funktioniert wunderbar – alle sind glücklich!

Glücklich wirken auch jeden Abend die Menschen, die bei euch im Achtele zu Gast sind. Wie sieht es mit dem Restaurant aus, habt ihr da Ideen für die Zukunft?

Gitti: Da reden alle vier mit und wir haben viele Ideen – auch unterschiedliche. Regionale Küche wird aber sicherlich weiterhin eine Rolle spielen.

Steffi: Im ganzen Haus gibt es nur Weine aus Österreich! Da findest du keinen Italiener oder Franzosen. Wozu denn - die Qualität der heimischen Winzer ist top!

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Hotel Stäfeli

Woher kommen sonst eure Produkte?

Steffi: Wo es möglich ist aus der Region. Das ist im alpinen Raum und in einem Tal oft schwieriger, als man denkt. Und immer mehr aus Papas Garten! Kräuter zieht er sowieso schon lange, aber seit neuestem hat er auch ein Gewächshaus mit Tomaten, die waren letzten Sommer beim Frühstück der absolute Renner!

Euer Frühstücksbuffet ist legendär, worauf seid ihr besonders stolz?

Steffi: Wir verwenden ausschließlich Eier von Freilandhühnern, ob am Buffet oder in der Küche. Frischer Joghurt und Käse kommen natürlich von einer Vorarlberger Sennerei und Honig aus der Nachbarschaft. Und wir haben jede Art der Verpackung beim Frühstück verbannt.

Und was sagen eure Gäste? Wer kommt gerne zu euch?

Steffi: Viele verschiedene Menschen, aber hauptsächlich solche, die ähnlich ticken wie wird. Die im Alltag sehr viel arbeiten und Zeit für sich oder mit ihren Lieben zum Runterkommen suchen. Bei uns finden sie einen Ort zum Abschalten. Das macht jeder anders. Der eine will den Urlaub voll auskosten und unternimmt viel, der andere kommt, um Ruhe zu finden, gut zu essen oder gemütlich zusammenzusitzen.

Gitti: Viele unserer Gäste begleiten uns schon viele Jahre. Eine Familie mit drei Kindern feiert jedes Jahr mit uns Weihnachten. Unsere Kinder sind quasi miteinander groß geworden.

 

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