Sommer, Sonne, Sonnenschein! Und doch: An heißen Tagen merkst du schnell, wie viel Unterschied ein bisschen Schatten machen kann. Beim Frühstück auf der Hotelterrasse, beim Büffeln im Seminarraum oder beim Mittagsschlaf auf der Couch: Angenehme Temperaturen und natürliches Licht entscheiden darüber, wie wohl wir uns fühlen. Gleichzeitig stehen wir alle vor der Herausforderung, Energie zu sparen. Hier kommt moderner Sonnenschutz ins Spiel.
Steigende Temperaturen, höhere Energiekosten und der Wunsch nach nachhaltigen Gebäuden verändern die Anforderungen an Architektur grundlegend. Intelligente Beschattungssysteme können das Aufheizen von Räumen reduzieren, den Kühlenergiebedarf senken und unser Wohlbefinden steigern – oft ohne zusätzliche aktive Kühlung. Kann Sonnenschutz in manchen Fällen die Alternative zur Klimaanlage sein? Und welche Rolle spielen regionale Produktion, intelligente Gebäudesteuerung und neue technologische Lösungen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich HELLA seit Jahrzehnten. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Osttirol zählt zu den führenden europäischen Herstellern von Sonnen-, Licht- und Wetterschutzsystemen. Mit Andreas Kraler, CEO und geschäftsführendem Gesellschafter der HELLA Gruppe, sprechen wir über die Gebäudehülle als entscheidenden Faktor für Energieeffizienz, wieso Schatten heute ein echter Komfortfaktor ist und warum guter Sonnenschutz mehr kann als nur die Sonne abzuhalten.
Warum wird Sonnenschutz heute zu einem so wichtigen Thema, nicht nur in Hotels?
Angenehmes Raumklima ist eine Grundvoraussetzung für unser Wohlbefinden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Energieeffizienz. Hotels und Gastronomiebetriebe arbeiten gerne mit großen Glasflächen, denn Menschen lieben den Blick nach draußen. Moderner Sonnenschutz kann das Aufheizen reduzieren und damit den Bedarf an aktiver Kühlung senken. Besonders effektiv ist die Außenbeschattung.
Sie meinen, die Gebäudehülle wird immer wichtiger?
Außenliegender Sonnenschutz wie Außenjalousien, Senkrechtmarkisen oder Rollläden setzt genau dort an, wo die Hitze entsteht: vor dem Gebäude. Panoramafenster und lichtdurchflutete Räume sind attraktiv, aber ohne Beschattung steigen die Temperaturen schnell an.
Kann moderner Sonnenschutz tatsächlich eine Alternative zur Klimaanlage sein?
Ja, er kann einen wesentlichen Beitrag leisten. Automatisierte Beschattung verhindert, dass sich Wohnung, Zimmer, Restaurant oder Terrasse derart aufheizen, dass sie nicht mehr vernünftig genutzt werden können. Technische Beschattung reduziert den Bedarf an energieintensiver Kühlung. Ein systemischer Sonnenschutz ist passive Klimatisierung: Im Sommer hält außenliegende Beschattung die Hitze schon vor dem Gebäude ab, im Winter nutzt man die Sonnenenergie gezielt zum Erwärmen.
Was macht einen Raum für Gäste angenehmer: die richtige Temperatur oder das richtige Licht?
Beides! Niemand möchte geblendet werden oder in einem überhitzten Raum sitzen. Gute Beschattung schafft genau das: die Balance zwischen Licht, Sichtschutz und angenehmen Temperaturen. Massive fixe Baukörper können Schatten spenden, nehmen aber auch Tageslicht. Damit kann man Gästen die Atmosphäre von lichtdurchfluteten, hellen und freundlichen Räumen nicht bieten. In Hotelzimmern spielt zudem die Verdunkelung eine wichtige Rolle für unsere Schlafqualität und Regeneration.
Gibt es Innovationen im Bereich intelligente Beschattung, die das schaffen?
Der eigentliche Mehrwert moderner Sonnenschutzsysteme entsteht durch Automatisierung. Das bedeutet: Die Beschattung reagiert mittels Sensorik selbstständig auf Wetter, Sonnenstand und Temperatur, ohne dass der Nutzer oder Betreiber selbst eingreifen muss. Mit ONYX bietet HELLA eine Lösung, die sich automatisiert oder ganz einfach per App steuern lässt. Sonnenschutz bringt nur dann den vollen Nutzen, wenn er sich laufend selbst und damit intelligent anpasst.
Das heißt, wir müssen uns nicht mehr selbst ums Beschatten kümmern?
Genau darum geht’s! Die Vernetzung wird weiter zunehmen. Sonnenschutzsysteme werden Teil eines ganzheitlichen Energiemanagements. Sie kommunizieren mit Smart-Home-Systemen, Gebäudeleittechnik oder Wettersensoren. Das Ziel ist eine Steuerung, die mit möglichst geringem Energieeinsatz maximalen Komfort schafft.
Welche Verantwortung haben Unternehmen wie HELLA, wenn es darum geht, nachhaltige Architektur mitzugestalten?
Unsere Verantwortung geht da weit über das einzelne Produkt hinaus. Nachhaltige Architektur entsteht im Zusammenspiel vieler Beteiligter. Unsere Produkte können dazu beitragen, den Kühlenergiebedarf von Gebäuden zu reduzieren. Wir unterstützen Architekt*innen und Planer*innen frühzeitig mit Know-how und Lösungen, die langfristig funktionieren – ökologisch, wirtschaftlich und im täglichen Betrieb. Bei den Produkten selbst setzen wir auf langlebige Materialien, Recyclingfähigkeit und wir achten in der Fertigung auf einen möglichst effizienten Materialeinsatz.
HELLA ist ein Familienunternehmen. Welche Werte prägen das Unternehmen bis heute?
Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Handschlagqualität. Ich führe HELLA in dritter Generation und trete da in große Fußstapfen. Seit unserem Start im Jahr 1959 verfolgen wir den Anspruch, hochwertige und langlebige Produkte zu entwickeln. Dieser Qualitätsgedanke zieht sich durch alle Bereiche – von der Entwicklung bis zum Service.
Nachhaltigkeit ist bei euch ein zentrales Thema. Wie zeigt sich das konkret?
An unserem Stammsitz in Abfaltersbach in Osttirol erzeugen wir zum Beispiel durch Wasserkraft, Photovoltaik und Biomasse bereits mehr Energie, als wir verbrauchen. Auch an weiteren Standorten setzen wir schrittweise Maßnahmen zur eigenen Energieerzeugung um.
Wie sieht es bei der Produktion aus?
HELLA produziert weiterhin in Österreich und Deutschland. Wir setzen auf langlebige, reparaturfreundliche Systeme. Denn Produkte, die über viele Jahre zuverlässig funktionieren, schonen Ressourcen.
Wo setzt HELLA konkret recycelte Materialien ein?
Die Lamellenbänder unserer Raffstores bestehen zu 80 Prozent aus recyceltem Aluminium.
Welche Rolle spielt Regionalität für eure Strategie?
Wir arbeiten überwiegend mit europäischen Lieferanten, das erhöht die Transparenz und sichert unsere hohen Qualitätsstandards. Kürzere Transportwege können dabei auch transportbedingte Emissionen reduzieren. Wir schaffen Arbeitsplätze und stärken die regionale Wertschöpfung. Davon profitieren auch unsere Kunden: Vor allem Hotels und tourismusnahe Betriebe setzen verstärkt auf transparente Lieferketten und Qualitätsprodukte.
Warum werden auch für Hotels Terrassen und Gastgärten immer wichtiger?
Außenbereiche sind zu einem wesentlichen Teil des Gästeerlebnisses geworden. Gleichzeitig bieten sie zusätzliche wirtschaftliche Potenziale. Wir sind gerne draußen – aber natürlich nur dann, wenn die Bedingungen angenehm sind.
Wie kann das Potenzial genutzt werden?
Ein gut geplantes Terrassendach erweitert die Architektur nach draußen. Wir haben VENTUR entwickelt, um Außenbereiche möglichst flexibel nutzbar zu machen. Das System mit beweglichen Aluminiumlamellen schützt vor Sonne und Regen und schafft durch natürliche Luftzirkulation ein angenehmes Mikroklima. Dadurch lassen sich Terrassen fast das ganze Jahr über nutzen.
Und schaut auch gut aus…
Gutes Design ist uns wichtig. Das System wurde gemeinsam mit Studio F. A. Porsche entwickelt und verbindet hochwertige Gestaltung mit innovativer Technik. Es ist modular aufgebaut und kann flexibel erweitert werden – von kleinen Terrassen bis zu großflächigen Outdoor-Konzepten.
Seit mehr als 35 Jahren entwickelt Zeitraum langlebige Designmöbel aus Massivholz. Mitgründerin und CEO Birgit Gämmerler erklärt im Interview, wie der „Furniture Footprint“ die Umweltwirkung von Möbeln sichtbar macht und weshalb Langlebigkeit und Reparierbarkeit für sie der wichtigste Beitrag zu echter Nachhaltigkeit ist.
Kann ein Terrassendach auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?
Ja. Beschattung und natürliche Luftzirkulation können Außenbereiche angenehm nutzbar machen, ohne dass dafür eine aktive Kühlung nötig ist. VENTUR kann außerdem mit integrierter Photovoltaik ausgestattet werden und dann selbst Strom erzeugen.
Wenn du zehn Jahre vorausblickst: Wie werden wir in Zukunft mit Hitze und Wetterextremen umgehen?
Deutlich intelligenter, hoffentlich! Damit meine ich: Gebäude werden immer intelligenter auf klimatische Bedingungen reagieren. Die Gebäudehülle wird dabei eine zentrale Rolle spielen und Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Komfort werden nicht mehr getrennt gedacht, sondern als Gesamtsystem verstanden.
Und ganz persönlich: Wo genießt du an einem heißen Sommertag am liebsten Schatten?
Am liebsten auf einer schönen Terrasse mit Blick in die Berge – gut beschattet, mit einer leichten Brise und genügend Zeit, den Moment zu genießen.