Zeitraum Möbel
© Nava Rapacchietta Photography

Was ist der Furniture Footprint, Birgit Gämmerler?

Interview

Seit mehr als 35 Jahren entwickelt Zeitraum langlebige Designmöbel aus Massivholz. Mitgründerin und CEO Birgit Gämmerler erklärt im Interview, wie der „Furniture Footprint“ die Umweltwirkung von Möbeln sichtbar macht und weshalb Langlebigkeit und Reparierbarkeit für sie der wichtigste Beitrag zu echter Nachhaltigkeit ist.

Kathi Saurwein

Was heute selbstverständlich klingt, war Ende der 1980er-Jahre eine ungewöhnliche Idee: hochwertiges Design und ökologische Verantwortung in einem Möbelstück zusammenzubringen. Damals gab es entweder klassische Designmarken oder Öko-Anbieter – Zeitraum verband beide Welten. 

Im Gespräch erzählt Zeitraum-Mitgründerin und CEO Birgit Gämmerler, wie aus einer Designpartnerschaft und einer Kindermöbel-Kollektion schließlich das bayerische Unternehmen Zeitraum in Wolfratshausen entstand. Sie spricht über den Mut, als Designerin selbst Herstellerin zu werden, über ressourcenschonende Produktion, den eigens entwickelten Furniture Footprint als Antwort auf Greenwashing und sie liefert gute Argumente, warum Holzmöbel ein Zukunftstrend sind.

Image
© Heinz von Heydenaber

Wie Zeitraum Design und Nachhaltigkeit verbindet

Zeitraum war einer der ersten Hersteller, der Design und Nachhaltigkeit konsequent verbunden hat. Wie revolutionär war dieser Ansatz damals?  

Als wir gestartet sind, gab es die klassischen Öko-Marken und die Design-Brands. Wir wollten diese beiden Welten zusammenbringen. Unser Herz schlug immer für gutes Design – und Massivholz mit seiner Sinnlichkeit war für uns der perfekte Werkstoff. 

Damals war das etwas völlig Neues. Wir haben das den Kund*innen als das „doppelte Glücksgefühl“ beschrieben: anspruchsvolles Design und ökologisches Denken in einem Produkt zu vereinen. Heute wirkt das selbstverständlich, damals war es einfach neu.

Wie wurden eure ersten Möbel vom Markt aufgenommen?  

Der Handel war zunächst sehr zurückhaltend – wie so oft, wenn etwas völlig neu ist. Große Unterstützung kam dagegen von der Presse. Das Thema nachhaltiges Design war damals außergewöhnlich und wurde entsprechend oft aufgegriffen. Wir haben das Unternehmen dann Schritt für Schritt aufgebaut. 

Der eigentliche Durchbruch kam mit unserem Bett "Balance". Es wurde auf der ersten Messe sehr gut aufgenommen und öffnete uns schließlich die Türen zum Handel. Das Bett mit seinem markanten Sprossenkopfteil wurde später vielfach kopiert – ein Zeichen dafür, wie prägend das Design war.  

Warum waren Architekt*innen und Planer*innen von Anfang an wichtigere Partner für euch als der klassische Möbelhandel?  

Der Handel muss in erster Linie verkaufen und setzt deshalb oft auf bekannte Marken und Bewährtes. Mit Architekt*innen und Planer*innen war das von Anfang an anders. Sie denken wie wir als Gestalter*innen. 

Es geht darum, Räume zu entwickeln, Neues auszuprobieren und gute Lösungen zu schaffen – der kreative Ansatz steht im Mittelpunkt. Vielleicht liegt das auch daran, wie Zeitraum entstanden ist. Es ist eher ungewöhnlich, dass Designer*innen selbst eine Marke gründen. Bei uns standen Gestaltung, Material und die Idee hinter den Produkten immer an erster Stelle.   

Welche Herausforderung hat dich wachsen lassen?

Ganz eindeutig die Aufgabe, ein Unternehmen zu führen, ohne eine betriebswirtschaftliche Ausbildung zu haben. Ich komme zwar aus einer Unternehmerfamilie und habe dieses Denken von klein auf mitbekommen, aber alles andere musste ich mir selbst aneignen. Wir haben Zeitraum mit viel gesundem Menschenverstand, Bauchgefühl und der Unterstützung eines guten Teams aufgebaut.   

Image
Zeitraum Bett in der Natur
© Mierswa Kluska
Image
Zeitraum Stühle in der Natur
© Mierswa Kluska

Warum Massivholz für langlebige Möbel besonders geeignet ist

Holz lebt, arbeitet, altert. Was fasziniert dich persönlich an diesem Werkstoff am meisten?  

Holz ist warm, lebendig und jedes Stück ist einzigartig. Gleichzeitig gibt das Material Regeln vor. Wer damit arbeitet, braucht viel Know-how und Einfühlungsvermögen – genau das fasziniert mich bis heute. 

Außerdem ist Holz zeitlos. Seit Menschengedenken bauen Menschen damit, und trotzdem wirkt es nie altmodisch. Es altert mit Würde und bringt eine Natürlichkeit mit, die kaum ein anderes Material erreicht.

Ich erlebe das jeden Tag selbst. Wir wohnen seit über 20 Jahren in einem modernen Holzhaus, und die Atmosphäre ist einfach besonders. Holz schafft ein warmes, angenehmes Raumklima und ist ein Material, das im wahrsten Sinne des Wortes lebt und atmet.

Zeitraum behandelt Möbel wie gute Freunde. Was bedeutet das?

Gute Freunde begleiten dich durchs Leben. Du begegnest ihnen mit Respekt, Wertschätzung und Zuwendung – und genauso solltest du auch Möbel behandeln. 

Unsere Massivholzmöbel sind dafür gemacht, Menschen über viele Jahre oder sogar Generationen zu begleiten. Du pflegst sie, kümmerst dich um sie und gibst ihnen die Zeit, die sie verdienen. Ein alter Holztisch kann nach einer Überarbeitung oft sogar noch schöner aussehen als am ersten Tag.  

Dieses Verständnis hört für uns nicht beim Möbelstück auf. Es gilt genauso für die Menschen, die daran beteiligt sind – unsere Lieferant*innen, unsere Partnerfirmen und alle, die an der Entstehung eines Möbelstücks mitwirken. Auch diese Beziehungen leben von Respekt und Wertschätzung. Deshalb passt das Bild der Freundschaft für uns so gut. 

Image
© Zeitraum Möbel

Was nachhaltige Unternehmensführung für Zeitraum bedeutet

Wie führst du in einer Welt voller Tempo und Reizüberflutung ein Unternehmen, das für Reduktion und Zeitlosigkeit steht?  

Das war für uns nie eine Strategie, sondern immer eine persönliche Überzeugung. Wir haben das Unternehmen so aufgebaut, wie wir selbst leben und denken. Als Designerin beobachte ich natürlich, wie sich die Gesellschaft entwickelt und frage mich, was den Menschen guttut. Am Ende geht es immer um Werte und darum, welchen Fußabdruck du hinterlässt. 

Diese Haltung prägt auch unseren Umgang mit dem Team. Wir arbeiten auf Augenhöhe und versuchen, die Dinge einfach gut zu machen. Irgendwann sind wir auf den Satz gestoßen: „Wir machen es gerne gut.“ Der beschreibt unseren Anspruch bis heute eigentlich am besten.  

Wie lebt ihr Nachhaltigkeit bei Zeitraum?  

Für uns beginnt Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen. Wir versuchen, im Rahmen unserer Möglichkeiten gute Bedingungen für unser Team zu schaffen und langfristig zu denken. 

Dazu gehören zum Beispiel  

  • eine private Zusatzversicherung für alternative Heilmethoden,  
  • eine Beteiligung der Mitarbeitenden am Unternehmenserfolg,  
  • transparente Entscheidungen und regelmäßige Team-Updates  
  • Wir fördern das Job-Rad und den Wellpass, stellen frisches Obst, Blumen und gefiltertes Trinkwasser zur Verfügung und schaffen Raum für Begegnungen.  
  • Gleichzeitig versuchen wir, Reisen und Flüge auf das notwendige Maß zu reduzieren – auch wenn wir überzeugt sind, dass persönliche Begegnungen nach wie vor wichtig sind. 
Insiderei-Black_ChangeMaker-Smile Copy

Das Badezimmer ist Wohlfühlort. Dort wartet die heiße Dusche, der Moment zum Durchatmen, das Gefühl, angekommen zu sein. Im Hotel genauso wie im eigenen Zuhause. Wie ist aus einem funktionalen Raum eine private Wellnesszone geworden? 

Von den UN-Nachhaltigkeitszielen zur überprüfbaren Wirkung

Ihr habt eure Firmenvision früh an den 17 SDGs – den Zielen für nachhaltige Entwicklung – der Vereinten Nationen und den zehn Prinzipien des UN Global Compact ausgerichtet. Warum ist euch das besonders wichtig?   

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung waren für uns lange ein wichtiger Orientierungspunkt. Der Ansatz dahinter ist nach wie vor richtig und sinnvoll. 

Mit der Zeit haben wir gemerkt, dass wir viele dieser Anforderungen in unserem Unternehmen ohnehin erfüllen. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass solche Systeme teilweise auch für Greenwashing genutzt werden. Deshalb fühlen wir uns dort heute nicht mehr so zu Hause. 

Uns interessieren inzwischen stärkere Zertifizierungen wie B-Corp. Dort werden Unternehmen transparent geprüft und müssen ihre Leistungen regelmäßig nachweisen. Dieser Ansatz entspricht unserem Verständnis von glaubwürdiger Nachhaltigkeit deutlich mehr. Für ein Unternehmen unserer Größe haben wir schon unglaublich viel umgesetzt und dafür auch schon zweimal den deutschen Nachhaltigkeitspreis erhalten. 

Welche drei SDGs haben deiner Meinung nach den größten Hebel – und warum?  

Für mich steht SDG 4 – Hochwertige Bildung mit Abstand an erster Stelle. Wenn wir Menschen befähigen, selbst zu denken, Zusammenhänge zu verstehen und bewusst zu handeln, schaffen wir die Grundlage für alles Weitere. Dann entstehen Veränderungen aus Überzeugung und nicht aus Zwang.  

An zweiter Stelle steht für mich SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen. Gesundheit ist die Voraussetzung für Lebensqualität und dafür, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können.  

Und schließlich SDG 12 – Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion. Wie wir produzieren und konsumieren, entscheidet maßgeblich darüber, welche Auswirkungen wir auf Umwelt und Gesellschaft hinterlassen.

Image
© Nava Rapacchietta Photography

Was ist der Furniture Footprint von Zeitraum?

Warum habt ihr mit dem „Furniture Footprint“ ein eigenes Nachhaltigkeitslabel entwickelt?  

Wir haben schnell gemerkt, dass es für kleine, international tätige Hersteller kaum möglich ist, die vielen unterschiedlichen Zertifizierungssysteme in den einzelnen Ländern zu erfüllen. Deshalb haben wir gemeinsam mit einem Nachhaltigkeitsexperten den Furniture Footprint entwickelt und als Marke schützen lassen. Die Idee dahinter war maximale Transparenz. 

Unser System des Furniture Footprint basiert auf den Daten der deutschen ÖKOBAUDAT – der Plattform des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen – und bewertet jedes Möbelstück anhand verschiedener Kriterien: 

  • verwendete Materialien
  • Herkunft und Transport
  • Langlebigkeit
  • Recyclingfähigkeit und Reparierbarkeit
  • sowie soziale Verantwortung in der Herstellung

Das Besondere ist: Die Bewertung verändert sich je nach Produkt und je nach Material. Amerikanischer Nussbaum hat beispielsweise andere Auswirkungen als Eiche aus Deutschland. Kund*innen, Händler*innen sowie Architekt*innen können dadurch nachvollziehen, wie ein Möbelstück ökologisch einzuordnen ist.

Spielen Kreislaufwirtschaft und Cradle to Cradle bei euren Möbeln eine wichtige Rolle?  

Unsere Möbel sind so konstruiert, dass sie zerlegt und die Materialien getrennt werden können. Holz, Metall und andere Bestandteile lassen sich am Ende ihres Lebenszyklus wieder in den Kreislauf zurückführen. 

Noch wichtiger ist für uns aber die Langlebigkeit. Unser Ziel ist nicht, dass ein Möbel möglichst schnell recycelt wird, sondern dass es über Generationen genutzt wird. Wenn ein Produkt formal und qualitativ so gut ist, dass es Jahrzehnte überdauert, ist das aus unserer Sicht die nachhaltigste Lösung.  

Zeitraum Möbel
Insiderei-Black_ChangeMaker-Smile Copy

Was ist das Besondere an Massivholzmöbeln?

  • Für Generationen gemacht: Hochwertige Massivholzmöbel sind besonders langlebig. Sie lassen sich reparieren, abschleifen und aufarbeiten – und begleiten ihre Besitzer*innen oft über Generationen hinweg.  
     
  • Zeitlos statt kurzlebig: Gutes Design überdauert Trends. Wer Möbel kauft, die auch nach Jahrzehnten noch gefallen, muss sie seltener ersetzen – ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit. 
     
  • Natürliches Raumklima: Offenporig geöltes Massivholz kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben. Außerdem ist Holz antistatisch und sorgt für ein angenehmes Wohngefühl.
     
  • Kreislauffähig: Viele Massivholzmöbel sind so konstruiert, dass sie sich zerlegen, reparieren und ihre Materialien am Ende des Lebenszyklus wiederverwerten lassen – ganz im Sinne des Cradle-to-Cradle-Prinzips.
     
  • Mit handwerklicher Präzision gefertigt: Massivholz ist ein lebendiger Werkstoff. Seine Verarbeitung erfordert Erfahrung und Sorgfalt – die Grundlage für Möbel, die über viele Jahre Bestand haben.

Welche Verantwortung trägt Zeitraum Möbel?

Welche Verantwortung tragen Design- und Möbelunternehmen in Zeiten von Klimakrise und Ressourcenknappheit – und wie setzt ihr das bei Zeitraum um?  

Möbeldesigner*innen und Hersteller*innen entscheiden mit darüber, 

  • welche Produkte überhaupt auf den Markt kommen, 
  • welche Rohstoffe dafür eingesetzt werden, 
  • wie viel Material benötigt wird, 
  • wie gut sich ein Produkt reparieren lässt, 
  • und wie lange es verwendet werden kann. 

Für Zeitraum bedeutet das einen verantwortungsvollen Umgang mit Holz, eine ressourcenschonende Produktion und die Förderung des Handwerks. Denn nur hochwertig gefertigte Möbel können über viele Jahre erhalten werden. 

Wir berücksichtigen auch den Transport. Deshalb entwickeln wir unsere Möbel möglichst platzsparend und zerlegbar. Jede Entscheidung – vom Entwurf bis zur Verpackung – beeinflusst den Ressourcenverbrauch.

Wo bezieht ihr eure Werkstoffe und worauf legt ihr in puncto Transparenz besonderen Wert?  

Rund 70 Prozent unseres Holzes ist Eiche und stammt aus Deutschland – möglichst aus Wäldern und Betrieben in unserer Region. Den amerikanischen Nussbaum beziehen wir über einen langjährigen Partner. Wir kennen auch die Herkunft vor Ort. Wir waren selbst in den Wäldern in Pennsylvania und Missouri und haben gesehen, wie dort gearbeitet wird. 

Wichtig ist uns neben der Transparenz, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten, privaten Waldbeständen stammt und nicht aus Plantagen. Gleichzeitig möchten wir Transportwege reduzieren. Deshalb setzen wir zunehmend auch auf amerikanischen Nussbaum, der inzwischen in Europa angebaut wird. Noch sind die verfügbaren Mengen begrenzt, aber wir sehen darin einen wichtigen Schritt für die Zukunft.  

Welche Auswirkungen haben Massivholzmöbel auf das Raumklima?  

Massivholz hat einen positiven Einfluss auf das Raumklima. Wir behandeln die Oberflächen unserer Möbel zweifach mit Ölen. Dadurch kann die offenporige Holzoberfläche atmen – Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben – und ist dabei bestmöglich geschützt. Es bleibt ein lebendiger Werkstoff. 

Außerdem ist Holz antistatisch und daher auch bei Allergiker*innen beliebt. Für uns ist Holz ein Material, das seit Jahrhunderten für ein natürliches Wohngefühl steht. Es arbeitet mit den Jahreszeiten und reagiert auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Image
Morph-Stuhl
© Nava Rapacchietta Photography
Image
Bett von Zeitraum
© Mierswa Kluska

Was Zeitraum zu einem Change Maker der Möbelbranche macht

Was macht Zeitraum zu einem Change Maker in der Möbelbranche? 

Es ist die Verbindung mehrerer Dinge: Erstens haben wir Design und ökologische Verantwortung von Anfang an zusammengedacht. Zweitens unser Anspruch, mit dem Furniture Footprint Nachhaltigkeit transparent und nachvollziehbar zu machen. Drittens besitzen unsere Produkte eine klare Designsprache. 

Wir entwickeln nicht einzelne Produkte, sondern eine zusammenhängende Kollektion. Einige Möbel sind über die Jahre zu echten Ikonen geworden – etwa der Turntable, der Morph-Stuhl, der Curtain-Tisch oder der Friday-Sessel. Sie stehen bis heute für das, wofür Zeitraum als Marke bekannt ist: zeitloses Design, Qualität und Originalität.

Wie entstehen neue Möbel bei Zeitraum? Folgt ihr Trends oder eher eurem Bauchgefühl?  

Es ist eine Mischung. Wir überlegen zunächst, was unserer Kollektion noch fehlt. Wenn wir merken, dass wir einen bestimmten Produkttyp benötigen, entwickeln wir dafür eine Lösung. Gleichzeitig spielt das Bauchgefühl eine große Rolle. 

Wir haben über die Jahre ein Gespür dafür entwickelt, was zu Zeitraum passt. Dieses Gefühl geben wir auch unseren Designer*innen mit – durch Storyboards oder einer klares gestalterisches Briefing. Innerhalb dieses Rahmens entstehen dann neue Möbel, die sich ganz selbstverständlich in unsere Kollektion einfügen. 

Wie viel Designarbeit machst du heute selbst noch? 

Ich entwerfe heute nicht mehr besonders viele Möbel selbst. Bei wichtigen Entwicklungen arbeite ich aber weiterhin mit. Wenn ich einen Entwurf oder den ersten Prototyp sehe, erkenne ich meist sofort, was noch nicht stimmt – ob etwas formal nicht funktioniert, etwas fehlt oder manchmal sogar etwas zu viel ist.  

Genau dieses Gespür sorgt dafür, dass unsere Kollektion trotz unterschiedlicher Designer*innen eine klare Handschrift trägt. Einen Zeitraum-Messestand erkennt man an der durchgängigen Designsprache sofort.

Welches Zeitraum-Möbelstück ist dein liebstes – und warum genau dieses?  

Wenn ich eines auswählen müsste, wäre es der Turntable. Das ist ein runder oder ovaler Tisch mit einem Mittelfuß. Sein Fuß wirkt leicht und weich, muss aber enorme Kräfte aufnehmen. Im Inneren steckt deshalb ein Stahlkern, während die Holzform von einem kleinen Drechselbetrieb hier in der Region gefertigt wird.  

Für mich ist dieser Tisch ein handwerkliches Meisterstück. Der Turntable ist inzwischen ein Klassiker und wurde vielfach kopiert. Umso mehr freut es mich, dass Unternehmen wie Apple ihn weltweit in ihre Büroausstattung aufgenommen haben. Das zeigt, dass zeitloses Design, Qualität und handwerkliche Präzision verstanden werden.

Image
© Zeitraum Möbel

Design und Handwerk bei Zeitraum

Was inspiriert dich zu euren Designs?  

Inspiration finde ich überall, wenn ich offen durch die Welt gehe. Menschen, Freunde, Reisen und andere Kulturen spielen dabei genauso eine Rolle wie Architektur oder gutes Handwerk. Besonders geprägt haben mich die Möbel des Mid-Century-Designs. Diese klare, reduzierte Formensprache mit ihrer Selbstverständlichkeit und Eleganz fasziniert mich bis heute. 

Massivholz braucht keine übertriebene Gestaltung. Das Material selbst bringt schon so viel Charakter mit, dass das Design Ruhe, Klarheit und Sinnlichkeit ausstrahlen sollte. Der skandinavische Ansatz mit seiner Schlichtheit und Funktionalität entspricht unserer eigenen Designsprache wahrscheinlich am stärksten. Aber auch italienisches Design inspiriert mich. 

Was denkst du: Wie werden Menschen in 50 Jahren wohnen?  

Ich glaube, Naturmaterialien werden immer Bestand haben. Holz wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, weil es den Menschen guttut.  Ich wünsche mir, dass wir wieder dezentraler leben und den ländlichen Raum neu entdecken. Städte haben ihre Berechtigung, aber viele Menschen sehnen sich nach mehr Platz und danach, selbst wieder etwas zu gestalten.

Gerade in einer immer digitaleren Welt wird das Selbermachen wichtiger: Dinge pflegen, reparieren oder sogar selbst bauen. Ich hoffe auch, dass regionales Handwerk wieder mehr Wertschätzung erfährt. In einem handwerklich gefertigten Möbelstück steckt mehr als Material und Funktion. Es trägt die Erfahrung, die Leidenschaft und das Können der Menschen in sich, die es geschaffen haben. Diese Seele spürt man – diese spürbare Herkunft und menschliche Qualität werden in Zukunft eine neue Form von Luxus sein. 

Zeitraum Möbel
Insiderei-Black_ChangeMaker-Smile Copy

Häufige Fragen zu Zeitraum und nachhaltigen Designmöbeln

Was ist Zeitraum? 

Zeitraum ist ein deutscher Hersteller von Designmöbeln aus Massivholz mit Sitz in Wolfratshausen bei München. Das Unternehmen verbindet seit Ende der 1980er-Jahre zeitloses Möbeldesign mit langlebigen Materialien und ressourcenschonender Herstellung. 

Was ist der Furniture Footprint? 

Der Furniture Footprint ist ein von Zeitraum entwickeltes Bewertungssystem für Möbel. Es berücksichtigt unter anderem Materialien, Herkunft, Transport, Lebensdauer, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit und soziale Kriterien. 

Warum gelten Massivholzmöbel als langlebig? 

Massivholzmöbel können bei guter Konstruktion gepflegt, abgeschliffen, repariert und neu geölt werden. Gebrauchsspuren lassen sich dadurch häufig beheben, sodass die Möbel über Jahrzehnte oder Generationen genutzt werden können. 

Sind alle Möbel von Zeitraum recycelbar? 

Die Möbel werden nach Angaben des Unternehmens so konstruiert, dass sie zerlegt und wesentliche Materialien getrennt werden können. Vorrangiges Ziel ist jedoch eine möglichst lange Nutzungsdauer vor dem Recycling. 

Visionär*innen