Felix Neureuther
© Servus TV | Alexander Gruber

Wie bringen wir Kinder zurück zur Natur, Felix Neureuther?

Interview

„Kinder zurück zur Natur“ heißt eine Kategorie der Change Maker Hotels. Skistar und Vierfachpapa Felix Neureuther weiß: Dafür müssen Eltern und Politik handeln. Wir sprechen über Naturheld*innen, Vertrauen und Purzelbäume. 

Petra Percher

Felix Neureuther sehen wir meist von hinten. Sein graues T-Shirt flattert. Er reißt die Hände vom Lenker, streckt sie in die Luft. Freihändig radeln, das ist typisch etwas, das man als Kind übt und nie verlernt. Und genau darum geht es dem Vierfach-Papa, Weltcup-Sieger, TV-Experten: den Grundstein für Bewegung zu legen und zu zeigen, wie stark sie Umwelt und Gesundheit beeinflusst.

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© Petra Percher

Das Handy als Spielplatz?

Für die Niederösterreich Werbung fährt er an diesem Tag mit einer Gruppe Journalist*innen durchs Helenental. Eine Aktion, die sinnbildlich für das steht, wofür er sich engagiert: Spaß an Bewegung, Naturerlebnisse mit Kindern, Freude statt Zwang. Der Sohn der Skiasse Rosi Mittermaier und Christian Neureuther wuchs in einer Familie auf, in der Bewegung selbstverständlich war – und merkt heute, wie sehr das verloren geht. „Das Handy ist der neue Spielplatz geworden“, sagt er. 

Mit seiner 2020 gegründeten Felix-Neureuther-Stiftung will er dagegenhalten – und Kindern helfen, eine emotionale Bindung zur Natur aufzubauen. Mehr als 200.000 Kinder haben bisher teilgenommen. „Es geht nicht darum, Leistung zu messen, sondern Begeisterung zu wecken“, sagt er. Seit 2024 zeigt er zudem als Mitinitiator von „Gesunde Erde. Gesunde Kinder.“, dass Kindergesundheit und Planetengesundheit untrennbar verbunden sind. Was es dafür braucht, beantwortet Felix in einer Radlpause bei der Jausenstation am Schwechatfluss. 

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Felix Neureuther beim Spielen mit Kindern
© Jonas Melcher
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Felix Neureuther
© Jonas Melcher

Was ist dir von deiner Kindheit am meisten in Erinnerung geblieben? 

Die Ausflüge als Familie. Der erste Berggipfel, die Dreitorspitze. Oben übernachten, zusammen mit den Eltern, das weiß ich jetzt erst richtig zu schätzen.  

Wenn du heute auf Kinder schaust, wie sehr ist die Natur noch Teil von ihnen? 

Es wird den Kindern sehr einfach gemacht, Zeit totzuschlagen – vor dem Computer, Fernseher oder Smartphone. Dass das mittlerweile der Spielplatz geworden ist, finde ich erschreckend. Spielplatz sollte draußen sein. Nur dort baust du eine emotionale Bindung zur Natur auf und lernst sie zu schätzen. Wenn du sie nur am Handy siehst, bringt dir das nichts. 

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Vorfreude ist die schönste Freude. Hol dir hier Inspiration für deinen nächsten nachhaltigen Urlaub in Österreich, Deutschland und Südtirol. In der Sommer-Bucketlist findest du übersichtlich zusammengefasst 46 Sommer-Specials und Goodies in Change Maker Hotels!

Bezug zur Natur passiert also in der Kindheit? 

Hundertprozentig. Kinder lernen nur übers Sehen, fast nicht übers Hören. Du kannst einem Kind zehnmal sagen, mach das – und nichts passiert. Aber wenn es sieht, dass du etwas machst, dann will es das nachmachen. Deswegen ist es so wichtig, mit Kindern rauszugehen, ihnen Freude an der Natur zu vermitteln. Die Vorbildfunktion der Eltern ist entscheidend? Natürlich. Die Eltern sind die Erziehungsberechtigten – und die Erziehungsverantwortlichen. Sie sind die Vorbilder. Gleichzeitig ist auch das Bildungssystem nicht mehr zeitgemäß. In Zeiten von Digitalisierung, Klimawandel und Bewegungsarmut müssten genau diese Dinge viel stärker gefördert werden. Es ist zehn nach, nicht zehn vor. 

Welche Länder machen das besser? 

Skandinavien ist da Vorreiter. In Norwegen wird viel draußen unterrichtet. Sogar Kindergartenkinder sind bis zu minus 25 Grad im Freien. In Kanada machen Kinder jeden Tag zwei Stunden Sport in der Schule. Wir hinken da komplett hinterher. Auch die rechtliche Lage müsste entschärft werden, damit Pädagog*innen wieder Ausflüge machen können ohne Angst vor Konsequenzen, wenn eine Kleinigkeit passiert. Es braucht Vertrauen statt Überregulierung. 

Buck Felix Neureuther
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Das Erbe der Alpen – was unsere Bergwelt bedroht und warum wir sie retten müssen

Felix Neureuther nimmt uns in seinem Buch mit auf eine Reise in die Alpen – dorthin, wo beeindruckende Natur, gelebte Traditionen und die Herausforderungen des Klimawandels aufeinandertreffen. Gemeinsam mit Expert*innen geht er der Frage nach, wie wir die Bergwelt und ihre kulturelle Vielfalt für kommende Generationen bewahren können. Die eindrucksvollen Bilder von Peter Neusser machen diese Spurensuche durch die Alpen auch visuell erlebbar.

368 Seiten, GU Verlag 

Du bist ja selbst Papa, wie machst du das privat? 

Wir haben vier Kinder, die müssen raus. Wenn du die den ganzen Tag drinnen hast, wirst du wahnsinnig. Viel gemeinsam unternehmen ist wichtig. Und auch Teil eines Vereins zu sein – nicht nur wegen Sport, auch für das Gemeinschaftsgefühl und den Spaß. Zeit, in der das Handy keine Rolle spielt. Ich habe großen Respekt davor, wenn sie älter werden. Wie lange schaffen wir es, das Smartphone von ihnen fernzuhalten? Ich versuche, sehr strikt zu sein.  

Was wünschst du dir für die nächste Generation? 

Dass das Leuchten in den Augen bleibt, wenn Kinder Sport machen oder draußen sind. Dass ihr Bewegungsdrang nie verloren geht. Wenn du von klein auf nicht lernst, wie ein Purzelbaum geht, wie willst du dich als Rentner vernünftig abrollen? Was du als Kind lernst, kannst du ein Leben lang brauchen.

Visionär*innen