Gemeinwohlbilanz, neue Speisekarte, Halbpension und Familienzuwachs: Im Ellgass Allgäu Hotel hat sich in den vergangenen Monaten einiges getan. Wir haben mit Gastgeber Sepp Ellgass darüber gesprochen, warum Transparenz für ihn so wichtig ist, was gutes Essen ausmacht und warum der Blick in die Zukunft ihn zum Lächeln bringt.
Seit Herbst 2025 sorgt Ben am Hof für gute Stimmung. Der Sohn von Vera und Felix bringt frischen Wind in den Familienbetrieb. „Wenn er ums Eck kommt, ist sofort gute Stimmung“, sagt Opa Sepp und lacht. Seine fröhliche Art und die vielen kleinen gemeinsamen Momente geben der ganzen Familie Kraft.
Zwischen Hotelbetrieb, Landwirtschaft und neuen Projekten erinnert der jüngste Familienspross immer wieder daran, worum es letztlich geht: um die Menschen, die diesen Ort prägen – heute und in Zukunft.
Gemeinwohlökonomie im Familienbetrieb
„Wir haben im Juni 2026 die Gemeinwohlbilanz abgeschlossen“, erzählt Sepp. Seit April erfassten Studierende gemeinsam mit dem Hotelier die Daten für die Bilanz. Die Fakultät für Tourismus-Management der Hochschule Kempten rund um Dekan Prof. Dr. Guido Sommer begleitete das Projekt. „Es war sehr umfangreich. Ich habe rund fünf Tage für die Bilanz aufgewendet“, sagt Sepp. „Aber es hat sich gelohnt. Die Ergebnisse sind spannend.“
Im Rahmen der Bilanzierung können zwischen 1.000 und minus 2.000 Punkten erreicht werden. Das Ellgass Allgäu Hotel erreichte bei seiner ersten Bilanzierung 259 Punkte. Beim Thema Lieferkettennachweise und der Dokumentation sieht Sepp Verbesserungspotenzial. Auch beim vegetarischen und veganen Angebot möchte er nachschärfen. Die nächste GWÖ-Bilanzierung steht 2028 an. Nun sucht er nach der richtigen Nachhaltigkeitszertifizierung für seinen Betrieb: „Die GWÖ reicht mir nicht aus.“
Woher die Lebensmittel im Ellgass kommen
Bei den Zutaten macht Sepp ungern Kompromisse. Statt möglichst viel über wenige Großhändler zu beziehen, fährt er lieber selbst zu Produzent*innen und kauft viele Lebensmittel direkt dort ein, wo sie entstehen. „Wir sind ziemlich wählerisch“, sagt er. „Für einen guten Emmentaler oder Bergkäse fahre ich gerne nach Vorarlberg.“
Die Gemeinwohlbilanz zeigt ihm, dass bei den Lieferketten vereinzelt noch Luft nach oben ist. Deshalb möchte er künftig noch intensiver mit Lieferant*innen das Gespräch suchen, prüft Herkunftsnachweise und fragt genauer nach, wie Produkte entstehen und transportiert werden. „Es ist aufwendig“, sagt er. „Aber wir möchten wissen, woher die Produkte kommen, die wir unseren Gästen servieren.“
Fleisch vom eigenen Rind
Sepp und sein Sohn Felix sind Gastgeber und Landwirte aus Leidenschaft. Für die beiden gehört die Tierhaltung seit der Kindheit ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Gerade im Alpenraum ist Viehwirtschaft über Generationen hinweg die Grundlage der Ernährung gewesen. „Früher vor dem Klimawandel hatten wir bis zu sieben Monate Winter. Gemüseanbau war oft gar nicht möglich. Der Stall gehörte zum Hof und damit auch zur Versorgung der Familie“, erzählt Sepp.
Die Rinder gehören bei Familie Ellgass zur Familie. Der Frischluftstall mit viel Weidefläche liegt nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt. Bei einem Spaziergang kannst du die Tiere besuchen – vorausgesetzt, sie sind nicht gerade zur Sommerfrische auf der Alm. Dass Gäste den Hof erleben und hinter die Kulissen blicken können, schaffe vor allem eines: Vertrauen.
Gleichzeitig plädiert Sepp für mehr gegenseitige Toleranz in der Ernährungsdebatte. Ob Fleischesser*in oder Veganer*in: Jede/r soll seinen eigenen Weg gehen dürfen, ohne belehrt zu werden. Kritisch sieht er hingegen hochverarbeitete Lebensmittel mit langen Transportwegen und zahlreichen Zusatzstoffen. Sein Ansatz ist ein anderer: ehrliche Produkte, möglichst kurze Wege und ein respektvoller Umgang mit Tier, Natur und den Traditionen des Alpenraums.
Transparenz am Bauernhof
Wer Lebensmittel produziert, muss Verantwortung übernehmen und offen zeigen, wie sie entstehen, ist der Landwirt überzeugt. Natürlich diskutiert Sepp immer wieder über Fleischkonsum und Tierhaltung. „Neulich wollte mir jemand erklären, dass Avocados klimafreundlicher seien als Rinder“, erzählt er. Für ihn greift diese Debatte oft zu kurz. Er schaut nicht nur auf einzelne Produkte, sondern auf das gesamte System dahinter: Herkunft, Landschaftspflege, Klimawandel, soziale Aspekte der Bewirtschaftung, die Frage, wie Tiere leben – und nicht zuletzt der Transportweg.
Die Pinzgauer Rinder der Familie Ellgass beweiden rund um Eglofs Flächen, die sich für Ackerbau kaum eignen. „Die Landwirtschaft erhält Wiesen und Hänge, die sonst verwildern würden“, sagt Sepp. Das hält er für einen wichtigen Beitrag fürs Ökosystem.
Sepps Familie bewirtschaftet rund 30 Hektar Land – das entspricht einer Fläche von etwa 42 Fußballfeldern. Ein Teil davon besteht aus sensiblen Flächen und steilen Hanglagen, die viel Handarbeit verlangen. „Das muss alles gepflegt werden und erfordert viel Leidenschaft. Es ist eine wichtige Arbeit“, sagt Sepp und erzählt davon, wie kürzlich bereits der Großteil der diesjährigen Heuernte in den Stadel eingefahren wurde.
Warum Gäste wegen der Landwirtschaft kommen
Vielleicht gehörst auch du zu den Menschen, die heute bewusster Fleisch essen als noch vor einigen Jahren. Genau solche Gäste erlebt Sepp immer häufiger. Sie möchten wissen, woher ihr Essen kommt und entscheiden sich bewusst für Qualität statt für Masse. „Viele unserer Gäste sind Flexitarier – sie kommen gezielt zu uns wegen unseres Rindfleischs vom eigenen Hof“, erzählt Sepp. Vom Rindfleischsugo über das Schnitzel bis zur hausgemachten Salami spielt das Pinzgauer Rind in seiner Küche eine zentrale Rolle – alles wird vom Team Nose-to-tail verarbeitet, versichert er.
„Manche sagen danach, so etwas hätten sie noch nie gegessen.“ Solche Rückmeldungen bestärken Sepp darin, seinen Weg weiterzugehen. „Gutes Fleisch ist heute erklärungsbedürftiger denn je.“ Gleichzeitig beobachtet er, dass viele Gäste ihren Konsum überdenken. Einige essen Fleisch nur noch im Urlaub, andere kaufen es zu Hause gezielt bei Bio-Landwirt*innen ihres Vertrauens. Nicht der Verzicht steht dabei im Vordergrund, sondern die bewusste Entscheidung für Qualität.
Wie Sepps Pinzgauer Rinder leben
Für Sepp und seine Familie beginnt verantwortbarer Fleischkonsum bei den Lebensbedingungen der Tiere. Bei Familie Ellgass ist Mutterkuhhaltung der Maßstab: Tiere, die langsam wachsen dürfen, ausreichend Platz haben und sich frei zwischen Stall und Weide bewegen können. Entscheidend sei ein Alltag, der sich an den Bedürfnissen der Tiere orientiert.
Moderne Laufställe, frische Luft, Bewegung und Fütterung mit Gras und Heu gehören für ihn selbstverständlich dazu. „Wenn du die Tiere auf der Weide siehst und weißt, wie sie leben und woher dein Essen kommt, entwickelst du ein anderes Verständnis für Lebensmittel“, sagt Sepp, dessen Gäste regelmäßig den Stall besuchen.
Neue Speisekarte und Halbpension in der Hofwirtschaft
Stolz präsentiert Sepp Ellgass sein neuestes Projekt – die druckfrische, neue Speisekarte. „Die Tischsets, die wir bislang hatten, sind während Corona entstanden. Jetzt haben wir eine hochwertige Karte zum Blättern mit vielen Informationen. Damit wollten wir gezielt noch wertiger werden und die Qualität unserer Speisen unterstreichen.“
Neben den Klassikern vom eigenen Pinzgauer Rind serviert Sepp täglich wechselnde Gerichte. Dich zwischen einem Hüftsteak, einem Risotto oder Gemüse im Tempuramantel zu entscheiden, wird dir vermutlich nicht leichtfallen. Weil immer mehr Gäste danach fragten, führte die Familie inzwischen auch eine optionale Halbpension ein. Buchst du sie dazu, nimmst du abends in der Hofwirtschaft Platz und erlebst hautnah, wie Landwirtschaft, Familienbetrieb und Gastfreundschaft zusammengehören.
Events im Ellgass Allgäu Hotel
Sepps Leidenschaft für gute Lebensmittel zeigt sich auch bei Veranstaltungen wie „Allgäu trifft Südtirol und Gardasee“. Gemeinsam mit ausgewählten Produzent*innen bringt Familie Ellgass dabei drei Genussregionen an einen Tisch. Weine aus Italien treffen auf Tapas-Spezialitäten und ein Fünf-Gänge-Menü mit regionalen Klassikern. Du lernst die Menschen hinter den Produkten kennen, verkostest besondere Raritäten und erfährst aus erster Hand, wie viel Arbeit, Wissen und Zeit in einem guten Lebensmittel steckt.
Im Herbst finden auch zum ersten Mal die Pinzgauer Freundschaftstage in Eglofs statt. Pinzgauer Züchter*innen aus Österreich, Deutschland und Südtirol treffen sich dort zwei Tage lang, um sich auszutauschen und die persönliche Freundschaft zu pflegen. Geplant sind unter anderem ein Besuch bei einer Kräuterexpertin, ein Vortrag über Osteopathie und eine Stadtführung durch Wangen. „Wer Pinzgauer züchtet, sind eh besondere Menschen“, sagt Sepp und zwinkert.
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Ellgass Allgäu Hotel
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