SilviaSchneider in einem Bad von Geberit
© Geberit / Marcel Gonzalez-Ortiz

Warum beginnt Wellness heute im Badezimmer, Reinhard Riedl?

Interview

Nach einem langen Tag in den Bergen, einer ausgedehnten Radtour, dem Skitag oder einem Plantsch im See führt der erste Weg ins Badezimmer. Dort wartet die heiße Dusche, der Moment zum Durchatmen, das Gefühl, angekommen zu sein. Im Hotel genauso wie im eigenen Zuhause. Wie ist aus einem funktionalen Raum eine private Wellnesszone geworden? 

Karin Wasner

Infinity Pools, Saunawelt und Spa sind beeindruckend. Viel häufiger aber schätzen wir einen anderen Raum als privaten Wellnessbereich: das Badezimmer. Moderne Hotelbäder verbinden Design, Komfort, Hygiene und Nachhaltigkeit und sind Inspirationsquelle für das eigene Zuhause. Im Gespräch mit Reinhard Riedl, Leiter Marketing und Produktmanagement bei Geberit Österreich, sprechen wir über aktuelle Badtrends, nachhaltige Lösungen – und darüber, wie auch dein Badezimmer zum persönlichen Wellnessbereich wird.

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Reinhard Riedl, Leiter Marketing und Produktmanagement bei Geberit Österreich
© Geberit / Marius Hoefinger Fotografie

Reinhard Riedl ist Leiter Marketing und Produktmanagement bei Geberit Österreich

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Badezimmer von Geberit mit Bett
© Geberit

Wenn wir heute über Badezimmer sprechen: Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Reinhard Riedl:
 Das Badezimmer hat sich vom Funktionsraum zum Lebensraum entwickelt. Früher ging es primär um Hygiene, heute stehen Wohlbefinden, Design und Individualität im Mittelpunkt. Gleichzeitig ist der Anspruch an technische Qualität massiv gestiegen. Produkte müssen effizient, langlebig und intuitiv nutzbar sein. Parallel dazu beobachten wir einen klaren Wandel hin zu nachhaltigem Denken. Kund:innen fragen gezielt nach Lebensdauer, Ersatzteilverfügbarkeit und Ressourcenschonung. Nachhaltigkeit ist kein Add-on mehr, sondern Teil der Qualitätserwartung.

Das Badezimmer ist für viele heute ein Rückzugsort. Was sagt dieser Wandel über unsere Zeit aus?

Reinhard Riedl:
 Der Wandel des Badezimmers spiegelt sehr gut wider, wie sich unsere Gesellschaft verändert hat. Wir leben in einer zunehmend digitalen und schnelllebigen Welt. Da wächst das Bedürfnis nach analogen, ruhigen Rückzugsorten. Das eigene Bad wird zu einem Raum, in dem man entschleunigen, abschalten und Energie tanken kann.

Wie wirken sich diese Trends auf die Gestaltung von Badezimmern aus?

Reinhard Riedl:
 Wir beobachten eine klare Sehnsucht nach Authentizität. Materialien wie Holz, Stein oder warme, matte Oberflächen vermitteln Ruhe und Erdung, Beständigkeit und Natürlichkeit – Werte, die in einer komplexen Welt an Bedeutung gewinnen. Das Badezimmer wird zum Rückzugsort – und natürliche Materialien sind dabei ein zentrales Gestaltungselement. Sie spiegeln auch das Bedürfnis nach langlebigem, zeitlosem Design wider, das nicht nach wenigen Jahren überholt ist.

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© Geberit/Marcel Gonzalez-Ortiz

Perfektion ist kein Zufall: Silvia Schneider präsentiert in der aktuellen Kampagne als Botschafterin neue Produkte

Beobachtest du eine Abkehr von kurzlebigen Trends hin zu langlebigen Lösungen?

Reinhard Riedl: 
Ja, absolut. Die Menschen investieren bewusster. Statt kurzfristiger Trends geht es um zeitlose Gestaltung und Produkte, die über Jahrzehnte funktionieren – technisch ebenso wie ästhetisch. Langlebigkeit wird zunehmend als Qualitätsmerkmal wahrgenommen.

Welche Rolle spielen nachhaltige Materialien und Materialkreisläufe in eurem Unternehmen?

Reinhard Riedl:
 Für uns steht Nachhaltigkeit vor allem für Langlebigkeit und Ressourceneffizienz. Keramik ist hier ein gutes Beispiel: extrem robust, hygienisch und über viele Jahre nutzbar. Bei Geberit hat die Wahl von Materialien mit hoher Langlebigkeit den höchsten Stellenwert – egal ob es sich um Keramik, Kunststoffe oder Metalle handelt. Gleichzeitig gewinnen Materialkreisläufe an Bedeutung. Wir arbeiten laufend daran, den Anteil an recycelten Rohstoffen zu erhöhen und Produktionsprozesse zu optimieren.  
 

Hättest du da ein konkretes Beispiel für recycelte Rohstoffe im Bad? 

Reinhard Riedl:
 2023 wurden bereits 792 Tonnen ABS-Regranulat für verschiedene Komponenten in unseren Auf- und Unterputzspülkästen eingesetzt. Das ist recycelter Kunststoff, der durch das Zerkleinern und Einschmelzen von beispielsweise ausgedienten Elektrogeräten gewonnen wird.

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Mann in Badezimmer Geberit
@ Geberit
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Geberit Waschbecken und Dusche Cleanline30
© Geberit

Technik verschwindet zunehmend im Hintergrund, warum ist „unsichtbarer Komfort“ heute so gefragt?

Reinhard Riedl:
 Der größte Luxus unserer Zeit ist Einfachheit. Technologie soll das Leben erleichtern, aber nicht dominieren. Lösungen wie spülrandlose WCs oder verdeckte Spülsysteme sorgen für Hygiene, Effizienz und Ruhe, ohne visuelle oder technische Komplexität zu erzeugen.

Walk-in-Duschen gelten heute als Standard. Welche Rolle spielt dabei Barrierefreiheit?

Reinhard Riedl:
 Barrierefreiheit ist längst kein Nischenthema, sondern ein Ausstattungsstandard. Walk-in-Duschen stehen für offene Raumgestaltung, Komfort und schwellenlose Zugänglichkeit. Ein gutes Bad sollte in allen Lebensphasen funktionieren – im Hotel genauso wie zuhause.

Wo liegen die größten Hebel für nachhaltige Badezimmer?

Reinhard Riedl:
 Der größte Hebel ist oft die Nutzungsdauer von Produkten. Je langlebiger ein Produkt, ein System oder ein gesamtes Bad sind, desto kleiner wird sein ökologischer Fußabdruck. Dafür müssen Qualität, Technologie und Design langfristig überzeugen. Auch Wasserverbrauch ist ein zentraler Parameter in unserer Produktentwicklung. Wasser sparen, ohne Komfortverlust – das ist heute die Grundbedingung.

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© Geberit

Viele Menschen verbinden Nachhaltigkeit noch immer mit Verzicht. Wie gelingt der Spagat zwischen Komfort und ökologischer Verantwortung? 

Reinhard Riedl:
 Gute Lösungen verbinden Effizienz, Komfort und Design. Wenn ein Produkt weniger Wasser verbraucht, leiser ist und besser funktioniert, wird Nachhaltigkeit zum Mehrwert - und nicht zum Verzicht. Genau darin liegt die Zukunft. Bestes Beispiel dafür sind unsere AquaClean Dusch-WCs. Sie benötigen für die Intimreinigung zwar Wasser, dafür spart man beim Toilettenpapier, das in der Herstellung ressourcenintensiv ist.

Hotels gelten oft als Vorreiter für neue Badezimmertrends. Welche Verantwortung tragen sie? 

Reinhard Riedl:
 Hotels haben eine enorme Vorbildfunktion, sie sind sogenannte First Mover. Gäste erleben dort neue Standards oft zum ersten Mal. 

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Dusche Geberit
© Geberit
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Geberit AquaClean Toilette
© Geberit

Gibt es konkrete Beispiele für Change Maker Hotels, die eure Produkte nutzen?

Reinhard Riedl: Ja zum Beispiel das Refugium Lunz im Mostviertel oder das Klosterbräu in Seefeld. In beiden finden sich zahlreiche Geberit Produkte. Geberit Spülkästen – unser traditionsreichstes und meistverkauftes Produkt, sozusagen die DNA von Geberit – sind in vielen Hotels zu finden, und oft wissen wir davon nicht, weil viele Installateure ganz selbstverständlich auf unsere Qualitätsprodukte setzen. 

Was können wir im Refugium Lunz entdecken? 

Reinhard Riedl:
 Das Refugium Lunz zeigt sehr schön, wie Design, Komfort und Nachhaltigkeit zusammenfinden können. Dort wurde jedes Bad anders gestaltet. Das Geberit VariForm Waschbecken sitzt auf einem Möbel aus Holz, Stein oder Stahl, das für jedes Badezimmer eigens maßgeschneidert wurde. Die großzügigen bodenebenen Duschen werden mit CleanLine Duschrinnen entwässert. Zusätzlich sorgt in jedem der Gästezimmer ein Geberit AquaClean für die modernste persönliche Hygiene.

Werden Hotels so zu Impulsgebern für private Badezimmer?

Reinhard Riedl:
 Absolut. Hotels sind Experimentierfelder für neue Standards. Was dort funktioniert, findet oft seinen Weg ins private Zuhause. Bodengleiche Duschen oder Dusch-WCs sind dafür gute Beispiele. Hotels setzen Trends – nicht nur beim Design, sondern auch bei Komfort und Nachhaltigkeit.

Was macht für dich persönlich ein wirklich gutes Badezimmer aus? 

Reinhard Riedl:
 Für mich darf ein Dusch-WC nicht fehlen. Die Reinigung mit Wasser ist einfach die angenehmste und schonendste Form der Intimhygiene. Auf eine Badewanne könnte ich hingegen gut verzichten – ich bevorzuge eine großzügige Dusche.

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