Dominique de Marné beim Meditieren am Berg
© Arvid Uhlig

Mentale Gesundheit im Urlaub: Wie voll ist dein Akku? 

Interview

Dein Handy meldet sich, wenn der Akku leer ist. Dein Körper ist da manchmal höflicher – oder sturer. Mental-Health-Expertin Dominique de Marné erklärt im Interview, warum Ortswechsel guttun, was gute Hotels für Erholung tun können und weshalb ein Zettel am Spiegel und eine Liste mit 30 Mini-Veränderungen viel bewirken.

Kathi Saurwein

Dein Handy weiß ziemlich genau, wann es leer ist. Bei 20 Prozent wird es dramatisch, bei zehn Prozent fast panisch, bei einem Prozent verabschiedet es sich mit stillem Vorwurf. Und du? Bei uns Menschen blinkt selten ein rotes Symbol auf der Stirn. Wir funktionieren weiter, beantworten Nachrichten, packen Koffer, planen den nächsten Termin und merken manchmal erst sehr spät, dass der eigene Akku längst im Energiesparmodus läuft. 

Genau darüber haben wir mit Dominique de Marné gesprochen. Sie ist Mental-Health-Expertin, Gründerin der Mental Health Crowd, Speakerin und Autorin von „Dein Mental Health Guide“. Dominique macht mentale Gesundheit sichtbar, verständlich und alltagstauglich. So, dass man nach dem Lesen kurz innehält und denkt: Stimmt, vielleicht sollte ich mich selbst auch mal fragen, wie es mir eigentlich geht. 

Im Interview spricht sie darüber, warum Ortswechsel guttun, weshalb Urlaub kein Reparaturprogramm sein muss und was Hotels tun können, damit echte Erholung möglich wird. 

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© Arvid Uhlig

Welche Rolle spielen Orte für unser seelisches Gleichgewicht? 

Unsere Umgebung hat enormen Einfluss darauf, wie es uns geht. Natur, Weite, der Blick in den Horizont – das tut unserem inneren System richtig gut. Orte können entlasten, aber auch stressen. Im Urlaub können wir das bewusst nutzen. Wichtig ist nur, nicht mit der Erwartung anzureisen, dass zwei Wochen Hotelurlaub alles richten, was sich über Monate angesammelt hat. 

Es geht vielmehr um die Wahl des Ortes: Wie viel Freiheit erlaubt er? Wie nah bin ich an der Natur? Wie laut ist es? Fühle ich mich willkommen? Gibt es Rückzug, aber auch Begegnung? Unsere Welt ist oft sehr anonym. Umso schöner ist es, wenn ein Hotel Räume schafft, für Begegnungen schafft. So kann ich mich als Teil eines Größeren fühlen. 

Kann Urlaub also eine Mental-Health-Maßnahme sein?

Ja, definitiv. Aber bitte ohne Druck. Sobald ich denke: „Ich muss mich jetzt entspannen, ich muss meinen Akku aufladen, ich muss nach drei Tagen tiefenentspannt sein“, wird Erholung wieder zur Aufgabe. Und davon haben wir meistens schon genug. Ein Ortswechsel kann trotzdem wahnsinnig guttun. Raus aus dem Alltagstrott, neue Reize, andere Umgebung, Dinge erleben, die im normalen Leben keinen Platz haben. Das hilft, sich neu zu sortieren und Neues zuzulassen. 

Was passiert, wenn wir Neues ausprobieren?  

Alles, was uns aus dem Gewohnten holt, kann stärkend sein. Wir sind am Ende ja irgendwie auch eine Art Pflanze: Wir brauchen Licht, Wasser, gute Erde und ab und zu jemanden, der merkt, wenn wir schief wachsen. Es braucht keine große Lebensumstellung. Man kann sich vornehmen, einmal im Monat etwas Neues auszuprobieren oder einen anderen Ort zu erleben. Das kann auf Dauer einen großen Unterschied machen. 

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Change Maker Hotel Bergergut Muehlviertel Brot backen mit Gaesten
Foto: Bergergut

Im Urlaub öfter mal was Neues ausprobieren: Wie wär's mit einem Brotbackkurs wie hier im Bergergut?

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Change Maker Hotel Petrus Südtirol Vegi Table
© Florian Andergassen

Schonmal am Chefstable Platz genommen? Das Hotel Petrus serviert zur Erntezeit am Vegi Table Gemüse vom eigenen Hof!

Also Mut zur Abwechslung statt Routinen?  

Routinen, Rituale und Struktur sind wichtig für unser Gehirn. Aber manchmal hilft es, sie bewusst zu durchbrechen. Das kann ganz simpel sein: das Mittagessen auf die Terrasse verlegen, eine Zeitschrift kaufen, die man sonst nie lesen würde, einen neuen Weg nach Hause nehmen, ein Spaziergang ohne Handy oder mit jemandem ins Gespräch kommen, den man noch nicht kennt. Ich empfehle gerne eine Liste mit 30 Mini-Dingen, die man ausprobieren möchte. Das klingt banal, kann aber richtig viel bewegen. Unser Gehirn liebt kleine neue Impulse. 

Hast du so eine Liste?  

Bei mir sind es eher Orte, die ich mit meiner Familie besuchen möchte. Ich sammle Ideen für Ausflüge, Ausstellungen und besondere Plätze, damit ich im richtigen Moment nicht erst lange recherchieren muss. Aber ehrlich gesagt: Meine zwei kleinen Kinder sorgen sowieso oft genug dafür, dass ich aus dem Alltagstrott gerissen werde. Zum Beispiel mit der dringenden Einladung, eine Nacktschnecke zu bestaunen, obwohl wir eigentlich zum Bus müssten. Kinder sind da ziemlich gute Coaches für Perspektivenwechsel. Nicht immer pünktlich, aber effektiv. 

Was kann ein Hotel tun, damit echte Entspannung möglich wird?  

Ein Hotel kann sehr viel tun. Es beginnt schon vor der Anreise: Gute Kommunikation nimmt Gästen, die noch nie da waren, die Unsicherheit. Was erwartet mich? Wie komme ich an? Was muss ich wissen? Je klarer das ist, desto entspannter startet der Urlaub. Vor Ort zählt das Gesamterlebnis: Duft, Licht, Lautstärke, Rückzugsorte, gute Gestaltung, achtsame Angebote wie stille Wanderungen, Breathwork, Yoga. 

Aber das Herzstück ist das Team. Wenn dort ein gutes Miteinander herrscht, spüren das auch die Gäste. Ein völlig gestresstes Team kann schwer eine entspannte Stimmung vermitteln. Deshalb beginnt mentale Gesundheit im Hotel nicht erst im Spa, sondern hinter den Kulissen. Wenn es den Mitarbeitenden gut geht, entsteht ein Ort, der auch Gästen wirklich guttut. 

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c Hotel Hochschober

Das passt sehr gut zu den Change Maker Hotels. Viele Häuser denken Erholung nicht nur für Gäste, sondern auch für das Team – vom Spa bis zum Tennisplatz und Mitarbeiterhäusern, die den Gästezimmern in nichts nachstehen.   

Genau das ist so wichtig. Es ist bei mentaler Gesundheit ähnlich wie bei Nachhaltigkeit: Oft denken wir, wenn wir es nicht perfekt machen können, lassen wir es lieber ganz. Aber jeder Schritt zählt. Auch wenn nicht alles sofort 100 Prozent bio ist, 80 Prozent sind auch schon super und man kann transparent sagen: Wir sind dran. Wir lernen. Wir verbessern uns. Das gilt für Nachhaltigkeit genauso wie für Mental Health. Wenn ein Hotel zeigt, dass es Mitarbeitende ernst nimmt, Wertschätzung lebt und ein gesundes Miteinander fördert, dann ist das ein starkes Zeichen. Nach innen und nach außen. 

Welche Botschaft würdest du auf jede Hotelzimmertür der Welt schreiben?  

Schöne Frage! Ich glaube, es wäre eine Frage, die zum Innehalten einlädt – ein kleiner Check-in bei sich selbst. Oder einfach ein Satz, den wir viel zu selten hören – etwas Bestärkendes: „Schön, dass du da bist. Du bist genau richtig, so wie du bist.“  

Hast du eine einfache Mental-Health-Übung für den Alltag?   

Meine Lieblingsübung ist die Akku-Metapher. Frag dich regelmäßig: Wie voll ist mein Akku gerade? Wir haben einen Akku wie unsere Handys. Nur kümmern sich viele Menschen besser um den Handyakku als um den eigenen. Wenn ich mir diese Frage regelmäßig stelle, bekomme ich ein besseres Gespür für mich. Was brauche ich gerade? Warum reagiere ich heute gereizter als sonst? Was zieht mir Energie? Was gibt mir Energie? 

Manche „Apps“ im Alltag ziehen besonders viel Energie: Steuererklärung, Haushalt, Pendeln, Nachrichten, To-do-Listen. Andere laden uns auf: Schlaf, Freundschaften, Natur, Hobbys, gutes Essen, Bewegung. Leider melden sich diese Dinge oft nicht so laut wie der Wäscheberg. 

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Du sitzt an einem der schönsten Orte der Welt – und merkst es kaum, weil du gerade den perfekten Sonnenuntergang filterst. Kommt dir bekannt vor? Echte Urlaubserinnerungen entstehen nicht auf dem Display, sondern im Kopf. Drei Digital-Detox-Expertinnen zeigen, wie du im Urlaub wirklich ankommst.

Wie kriegen wir ein besseres Gleichgewicht hin?

Es geht nicht darum, alle Energiefresser aus dem Leben zu streichen. Es geht darum, bewusster hinzuschauen. Die Akku-Frage macht sichtbar, wie es mir geht. Auch für andere. Wenn mir eine Freundin sagt, sie hat heute nur 18 Prozent Akku, gehe ich anders mit ihr um. Das funktioniert im Team, in der Familie oder in der WG. Erschöpfung sieht man nicht immer. Deshalb hilft es, Sprache dafür zu finden. Mein Tipp: ein Post-it an den Badezimmerspiegel. Und beim Zähneputzen kurz fragen: Hey, wie geht’s mir eigentlich gerade? Wie voll ist mein Akku? 

Gibt es Frühwarnzeichen, auf die wir achten können? 

Ja, aber sie sind bei jedem Menschen etwas anders. Genau deshalb ist es so wichtig, die eigenen Signale kennenzulernen. Häufige Hinweise können schlechter Schlaf, Gereiztheit, Antriebslosigkeit oder Veränderungen im Verhalten sein. Oft sagen wir dann: „Ach, ich schlafe halt gerade schlecht“ oder „Es ist nur viel los.“ Das kann stimmen. Aber wenn es sich summiert, lohnt es sich hinzuhören. Der Körper ist oft ziemlich direkt, wenn wir lange nicht auf uns achten und funkt irgendwann mit Migräne, Magenproblemen oder Bandscheibenvorfall. Deshalb ist es gut, nicht erst dann zu reagieren, wenn gar nichts mehr geht. 

Wie kann sich unser Blick auf mentale Gesundheit verändern?  

Durch kleine Schritte im Alltag. Es muss nicht jede und jeder gleich die Welt retten. Aber wir können ehrlicher nachfragen, genauer zuhören und das Thema sichtbarer machen. Die Frage „Wie geht’s dir?“ sollte mehr sein dürfen als Smalltalk. Bei anderen. Und bei uns selbst. 

Urlaub mit Sinn in den Change Maker Hotels

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