Zwei Frauen, die am Arm in Arm am Seeufer stehen
c Sophie Kirchner

Gemeinsam Neues schaffen: Wie das Refugium Lunz verändert

Hotelnews

Ein Jahr Refugium Lunz. Ein Jahr, in dem sich das alte Jarosch-Haus am Kirchplatz zu einem kulinarischen Geheimtipp im Mostviertel verwandelt hat. Zu einem Ort, der Menschen verbindet und die Region zu mehr Nachhaltigkeit mobilisiert. Wie all das in so kurzer Zeit möglich war? Let’s dive in…

Franziska Riedl

Ein lauer Nachmittag im Frühsommer. Die Einheimischen sitzen neben den Hotelgästen im Schanigarten in der Sonne. Sie plaudern gemeinsam über die letzte Wanderung, die schöne Radtour durchs Erlauftal, das herrliche Wetter… Dass das Refugium Lunz gerade sein Einjähriges feiert, ist fast nicht zu glauben. Das Hotel gehört längst zum Ort wie das schnapsklare Wasser im Lunzer See. Und trotzdem hat dieses Jahr in Lunz ganz schön viel ins Rollen gebracht und die Region nachhaltig verändert.

Lunz mehr Aufmerksamkeit schenken

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Umgebung, in der sich ein visionäres Hotel wie das Refugium Lunz so schnell einnisten konnte: Lunz am See befindet sich seit Jahrzehnten zwischen Dornröschenschlaf und Geheimtipp. Massentourismus gibt es hier keinen. Viele kommen zur Sommerfrische an den See, genießen das kühle Wasser an heißen Tagen, die zahlreichen Wandermöglichkeiten in der Region. Alle genießen die Ruhe. „Und das soll auch so bleiben“, sagt Fanny Metzger, Gastgeberin im Refugium Lunz. Ihr und dem Rest der Truppe liege nichts daran, den Ort aus seiner sanften Siesta zu wecken. Vor allem Joachim Mayr, Hotel-Mitgründer und selbst gebürtiger Lunzer, will seiner Heimat mit dem Hotel nicht mehr Trubel, sondern vor allem mehr Aufmerksamkeit schenken. Er will die Gegend noch lebenswerter machen, Gäste hierher holen, die die Natur schätzen und auch die Locals am Projekt profitieren lassen.

Image
Change Maker Hotel Refugium Lunz Fanny Metzger Gastgeberin
© Gregor Hofbauer

Fanny Metzger

Image
Refugium Lunz von aussen: Pool mit Schirmen, bunte Häuser und ein Kirchturm im Hintergrund
c Gregor Hofbauer
Sanften Tourismus vorantreiben

Der Hotelier engagiert sich neben dem Daily Business im Refugium für den Ausbau eines sanften Tourismus in der Region. Aktuell ist Joachim unter anderem an einem Projekt zur Revitalisierung der alten Bahnstrecke zwischen Lunz und Kienberg beteiligt. Der „Ötscherland-Express“ ist eine Museumsbahnstrecke und soll für Radfahrer*innen attraktiver gestaltet werden. „Ursprünglich wollten wir die alte Bahntrasse komplett in eine Radstrecke umfunktionieren“, sagt Joachim. Jetzt sei es das Ziel der Gemeinde und des Tourismusverbandes Lunz den Zug bestmöglich zu positionieren, die Bahnstrecke zu erhalten und für Radlfahrer*innen auszubauen - unter anderem mit einem eigenen Waggon nur für die Räder.

Image
c Sophie Kirchner
Energiegemeinschaft im Ort ausbauen

Seit seinem Bestehen stupst das Refugium außerdem den Ort beim Stromsparen an. Das Hotel ist Teil einer Energiegemeinschaft, bei der die Tischlerei von Joachim das Refugium Lunz und das Mitarbeiter*innenhaus mit Strom versorgt. Wie das funktioniert? Auf dem Dach der Tischlerei tankt eine große Photovoltaik-Anlage täglich eine gewisse Menge Sonnenenergie. Diese wird entweder gleich selbst genutzt, gespeichert oder mit den anderen Mitgliedern geteilt. Ist die Tischler-Crew also beispielsweise auf Mittagspause außer Haus, darf das Refugium Lunz in dieser Zeit den Strom von der Werkstatt zapfen. „Das Projekt hat großes Potenzial“, sagt Fanny. „Viele im Ort zeigen Interesse daran mitzumachen“. Bald schon wird das Seebad Lunz Teil der Gemeinschaft sein.

Refugium Lunz – Hideaway im Mostviertel

Joachim Mayr und Heinz Glatzl schreiben die Geschichte des Haus Jarosch in Lunz am See fort und verändern damit ein stückweit die ganze Region. Im Refugium Lunz erlebst du ihr Gespür für das Schöne, ihre Vision von Handwerkskunst, ihren Sinn für regionale Produkte und den Respekt vor der Natur.

Mit den Bauern Neues für Foodies entwickeln

Das Refugium hat sich außerdem in Windeseile zu einem kulinarischen Geheimtipp im Mostviertel gemausert. „Pures Soulfood“, beschreibt Fanny die Kösteleien, die ihr Mann Christian in der Salonküche aus dem Ärmel schüttelt. „Alles entsteht im Austausch mit den Bauern und Produzenten aus der Region“, sagt Fanny, den Großteil der Zutaten beziehe das Hotel aus dem direkten Umfeld, etwa den Saibling aus dem zehn Kilometer entfernten Lessing. Oder auch vom Biohof Orth, der die Gastgeber schon in ihrem Wiener Restaurant „Metzgerei“ mit dem herrlichen Schafskäse beliefert hat. „Jetzt vertiefen wir diese Partnerschaft“, sagt die Gastgeberin. Lammfleisch, das Schafsmilchjoghurt, der Most – all das kommt vom Biohof direkt in die Salonküche. Christian ist ein Grenzgänger und Spinner – im positiven Sinn, meint Fanny. „Er überlegt, was er aus den Zutaten machen kann, im Gespräch mit den Bauern entsteht dann gemeinsam Großartiges“. So wie die Zabaione, der der Most vom Biohof Charakter gibt. Oder der Schaffrischkäse, den Christian seit kurzem frisch räuchern lässt und dessen besonderes Aroma viele Gerichte im Hotel verfeinert.

Image
Ein Mann im blauen Shirt, der neben einer Schafsherde steht und eins der Schafe streichelt
c Sophie Kirchner
Image
Brotteller und Wein auf einem Tisch
c Gregor Hofbauer
Nachhaltiges Design zum Angreifen

Das Refugium Lunz entstand in einem historischen Haus und ist nicht nur Genuss-Destination, sondern auch ein Dorado für Designaffine. Von der Türklinke bis zum Holztisch begegnet dir im gesamten Haus ausschließlich Handwerksqualität, in einer Fülle, die es so kein zweites Mal gibt. Möbel aus der eigenen Tischlerei, Treppen, Türen, Fenster, Böden, sogar beim Geschirr griff man auf die Member und Partner*innen des Formdepot-Kollektivs zurück. „Die Gäste nehmen diese hohe Qualität wahr und wertschätzen sie“, sagt Fanny. Design soll in einem Hotel gespürt, angegriffen und nicht nur angeschaut werden. „Deshalb verwenden wir im Refugium auch keine Tischtücher. Die Leute sollen die Tische fühlen können“.
Auch Expert*innen aus aller Welt sind auf die außergewöhnlich hohe Handwerkskunst im Refugium aufmerksam geworden. Für die "interessante Mischung aus neu und alt, die in der historischen Architektur eine besondere Wirkung entfaltet", wurde das Projekt Refugium Lunz Anfang des Jahres mit dem German Design Award 2024 ausgezeichnet.

Image
c Gregor Hofbauer

Visionär*innen