Nicola Grabner von Sonnentor
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Wie gestaltest du die Bio-Branche mit, Nicola Grabner?

Interview

Als Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann in den 80ern im niederösterreichischen Sprögnitz damit begann, regionale Bio-Produkte zu vermarkten, wurde der Nachhaltigkeitspionier von vielen belächelt. Heute sind die Gewürze und Tees mit den lustigen Namen und dem kreativen Design ein Landmark weit über die österreichische Bio-Szene hinaus. Dafür, dass immer wieder neue Produkte und Verpackungen auf den Markt kommen, sorgt Produkt-Artistin Nicola Grabner.

Elisabeth Kranabetter

Back to the 80s: Als Sonnentor unter dem lachenden Sonnenlogo damit anfing, Bio-Produkte aus Österreich auf den Markt zu bringen, war die Nachhaltigkeitsrevolution noch ein zartes Pflänzchen und Bio alles andere als hip. Was viele als blauäugig abtaten, hat sich mittlerweile als goldrichtig erwiesen. Kurzum: Gründer Johannes Gutmann, der Mann mit den Hosenträgern und der runden, roten Brille, hatte den richtigen Riecher und allem Gegenwind zum Trotz durchgehalten.     

Heute exportiert Sonnentor seine Produkte aus Niederösterreich in über 50 Länder – sogar in Kuwait, Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist der Sonnentor-Hype angekommen. In vielen Hotels gehören die Tees zur Standard-Ausstattung am Zimmer und in Restaurants. Sonnentor ist ein Qualitätsmerkmal und aus dem Ein-Mann-Projekt ein Global Player mit über 900 Produkten geworden, tief verwurzelt im Waldviertel.    

Im Change Maker Interview mit Nicola Grabner aus dem Produkt-Artist*innen Team von Sonnentor spricht die Entwicklerin über die neuen Kannenbeutel, den typischen Sonnentor-Schmäh und sie erklärt, warum Bio nie stillsteht, man auch einmal Nein sagen muss und wie Sonnentor die österreichische Bio-Landschaft verändert hat.    

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Nicola Grabner (hinten mittig) ist Teil des Produkt-Artist*innen-Teams von Sonnentor.

Nicola, „Produktartist*in“ klingt ziemlich kreativ. Was machst du anders als klassische Produktentwickler:innen?

Fachlich gesehen gibt es da keinen Unterschied, bei uns geht der typische Sonnentor-Schmäh einfach schon in der Abteilung los und bei den Produkttexten, der Verpackung und Bewerbung weiter. Sich selbst nicht so ernst zu nehmen, ist eines unserer Charakteristika. Wenn man vor dem Regal steht und lachen muss, weil auf der Verpackung lustige Witze stehen – das unterscheidet uns von anderen Firmen.

Wie beeinflusst dieser lustige Sonnentor-Vibe eure alltägliche Arbeit?  

Es ist ein Spirit und hilft dabei, nicht so schwarz-weiß zu denken, sondern das Lustige weiterzuspinnen.     

Welche Trends beobachtest du aktuell im Bio-Bereich, wenn es um Produktentwicklung und Verpackung geht?  

Auf der Biofach in Nürnberg haben wir nicht nur selber ausgestellt, sondern uns auch die Messe angeschaut. Der Fokus auf Gesundheit und Functional Food ist extrem. Essen soll nicht nur Genuss sein, sondern auch einen Mehrwert für die Gesundheit liefern, also ballaststoff- und proteinreich sein. Frauen- und Darmgesundheit sind ebenfalls riesige Themen.  

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Sonnentor-Landwirt am Feld
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Händisches Abfüllen von Kräutern bei Sonnentor
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Wie reagiert Sonnentor auf diese Food-Trends?  

Wir betreiben eigene Trendrecherche, besuchen Messen und erhalten viel Feedback aus unserer Community. Auf dieser Basis prüfen wir, ob die Idee zur Marke, zur Zielgruppe und zum Kernsortiment passt. Das kann der tollste Trend sein, aber: Wenn er nicht zu uns passt, lassen wir es. Da bleiben wir uns selber treu und überlassen das Feld bewusst anderen.    

Wo habt ihr denn kürzlich gesagt: Das geht für uns nicht? 

Es gibt viele Gewürzmischungen, die sehr interessant sind, etwa solche mit Sesam. Wir haben außer Senf aber keine Allergene in unserem Programm und möchten auch, dass das so bleibt. Viele unserer Kund*innen sind ernährungssensibel und -bewusst.    

Wo beeinflusst Nachhaltigkeit bei Sonnentor konkret Rezeptur, Produktdesign und Verpackung?  

Das fängt bei unseren Rohstoffen an. Wir bekommen sie in Bio-Qualität geliefert und testen sie auf 600 Parameter. Bio hat nachweislich einen positiven Effekt auf die Biodiversität und den Schutz von Boden und Wasser.     

Wir fördern Nachhaltigkeit, weil wir – wo möglich – direkt mit den Bauern und Bäuerinnen arbeiten. Dort wo es nicht geht, achten wir darauf, langfristige Partnerschaften einzugehen, bei denen die sozialen Standards eingehalten werden. Wir haben einen eigenen Verhaltenskodex, den jeder unterzeichnen muss. Darin verständigen wir uns auf eine gemeinsame Wertebasis, die definiert, wie mit der Umwelt und den Mitarbeiter*innen umgegangen wird.    

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Vorfreude ist die schönste Freude. Hol dir Inspiration für deinen nächsten nachhaltigen Urlaub in Österreich, Deutschland und Südtirol. In unserer Sommer-Bucketlist findest du 46 Sommer-Specials und Goodies in Change Maker Hotels. Auf zur Urlaubsplanung!

Und beim Produktdesign? Wo seid ihr da besonders nachhaltig?  

Wir haben eine eigene Grafikabteilung, die mit unabhängigen Illustrator*innen zusammenarbeitet. Die Umsetzung unserer Linie erledigt nicht die KI, sondern Zeichner*innen vor Ort. Wir wollen das Handwerk fördern. 

Wo nutzt ihr dann die KI?  

Bei der Produkt- und Trendrecherche. Und auch bei den Kundenanfragen. Da gibt es Situationen, wo es besonders wichtig ist, die Kund*innen abzuholen und zu zeigen, dass wir sie ernst nehmen. Da kann die KI beim Feinschliff helfen, den richtigen Ton zu treffen.    

Noch einmal zurück zur Nachhaltigkeit: Eure Verpackung ist zu 90 Prozent recycelbar. Sind 100 Prozent möglich?  

Das zu erreichen ist unser absolutes Ziel. Wir haben natürlich eine Verpackungsstrategie, aber unsere oberste Priorität ist der Produktschutz. Wenn ein Gewürz ausraucht oder klumpt, weil die Verpackung nicht passt, ist Food Waste sicher das größere Übel. Wir achten darauf, Produktschutz und Recyclingfähigkeit bestmöglich in Einklang zu bringen.  

Auch Hotels werden immer bewusster im Umgang mit Ressourcen. Was macht Sonnentor-Produkte für diesen Bereich interessant? 

Wir bekommen rückgemeldet, dass unser Benefit darin liegt, dass wir als renommiertes österreichisches Unternehmen Produkte in Bio-Qualität liefern. Und wir können für jede Verwendung das passende Produkt anbieten – die Kannenbeutel für den À-la-carte-Bereich, die Doppelkammerbeutel für Frühstücksbuffets, lose Tees und Gewürze in Gastrodosen.     

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Apropos Kannenbeutel: den habt ihr ja neu im Sortiment. Warum? 

Das sind Pyramidenbeutel, die am Markt weit verbreitet sind und keine Innovation unsererseits. Wir haben sie bewusst neu ins Sortiment aufgenommen, weil es eine klare Anforderung von den Gastronom*innen war.     

Viele unserer Partnerbetriebe haben uns zurückgemeldet, dass Doppelkammerbeutel zwar ideal für das Frühstücksbuffet sind, im À-la-carte-Bereich jedoch nicht dieselbe Wertigkeit vermitteln. Dort wird eine hochwertigere Lösung erwartet. Viele haben sogar signalisiert, dass sie uns erst dann ins Sortiment aufnehmen, wenn wir diese Art von Beutel anbieten. Die Verpackung besteht aus einer Folie auf Holzbasis, der Teebeutel selbst aus Zuckerrohr.   

Was ist deiner Meinung nach die größte Herausforderung bei neuen Produkten?   

Die Rohwarensituation aufgrund des Klimawandels. Wir haben geringere Ernten und teilweise Ausfälle; da ist der Einkauf gefordert. Wir müssen Rezepturen anpassen oder können gewisse Dinge einfach nicht mehr so machen wie früher. Weil wir direkt mit den Landwirt*innen vor Ort zusammenarbeiten, ist das bei uns anders, als bei Unternehmen, die sich am Weltmarkt bedienen können.     

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Fermentation ist Handwerk, Kulturtechnik – und plötzlich Hightech. Sie hilft, Proteine anders zu denken, Food Waste zu reduzieren, Aromen neu zu komponieren. Wir schauen uns in Laboren und Küchen Südtirols um.

Wie unterstützt ihr die Landwirt*innen bei Ernteausfällen vor Ort?  

Wir und viele Lieferantinnen und Bauern sind Mitglied im Verein „Enkeltaugliches Österreich“. Fallen also Ernten aus, oder Rohwaren bei unseren Checks durch, weil der Wind Pestizide von Nachbarfeldern herübergetragen hat, hilft dieser Verein den Landwirt*innen finanziell. Da helfen wir alle zusammen.   

Ihr nehmt eure soziale Verantwortung ernst. Wie stellt ihr sicher, dass Sonnentor-Produkte nicht nur nachhaltig, sondern auch fair sind?  

Unser Ziel ist es, dass alle Menschen entlang der Lieferkette ein gutes Leben haben. Das schaffen wir, indem wir regelmäßig bei den Landwirt*innen vor Ort sind und checken, ob der Umgang mit Menschen, Natur und Tieren wertschätzend ist. Diese Wertebasis ist nicht verhandelbar. Wir achten auf langfristige Partnerschaften und darauf, unsere Partner*innen zu unterstützen.   

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Besuch bei der Lavendelernte in Albanien
© Sonnentor

Besuch bei der Lavendelernte in Albanien

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Besuch bei der Lavendelernte in Albanien
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Ein ambitioniertes Ziel: 2028 soll das Sonnentor-Headquarter in Sprögnitz emissionsfrei sein. Wie nah seid ihr eurem Ziel?  

Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir es erreichen. Wir haben eine Vielzahl an Projekten, die schon vor langer Zeit angestoßen wurden. Unsere größten CO2-Faktoren sind Mobilität und der Energiebedarf. Wir haben einen großen Fuhrpark an E-Autos und E-Tankstellen und übergangsweise fossilfreie HVO-Diesel. Unseren Energiebedarf decken wir mit einer Photovoltaikanlage, heizen tun wir mit Hackschnitzel.    

Wenn du in die Zukunft blickst: Welche Vision für die Bio-Branche möchtest du aktiv mitgestalten?  

Ich möchte, dass sich der Bio-Anteil kontinuierlich steigert, dass es mehr Bio-Agrarflächen gibt und mehr Bio im Handel. Dass alle Menschen entlang der Wertschöpfungskette ein gutes, schönes Leben führen. Dazu beitragen zu können, wünsche ich mir.  

Visionär*innen