Im Design Hotel Tyrol ist viel passiert. Wenn Hotelchef Boris nicht auf dem Mountainbike sitzt, wetzt er Bohrer und Akkuschrauber: Wände wurden aufgestemmt, Zimmer klimatisiert, Wärmepumpen aufs Dach gehievt. Was in Rabland passiert, ist konsequente Weiterentwicklung, die ein Ziel hat: langfristig energieautark zu werden.
Neue Wärmepumpen, eine deutlich größere Photovoltaikanlage, klimatisierte Zimmer mit intelligenter Steuerung. Dazu Gemüsegarten, ein Longevity-Retreat, noch mehr regionale Produzent*innen aus dem Vinschgau und ein Pop-up-Kosmetikstudio: Im Design Hotel Tyrol in Rabland ist Stillstand ein Fremdwort. Gastgeber Boris Frei denkt sein Hotel dabei nicht bloß als abgeschlossene Rückzugsoase, sondern auch als lebendigen Ort für Begegnung und gutes Leben – für Gäste genauso wie für Nachbar*innen und Mitarbeitende.
Wie das Design Hotel Tyrol energieautark werden will
Es sind Dinge, die im Verborgenen passieren. Boris und seine Frau Christiane bekommen dafür keine Insta-Likes, keine Fünf-Sterne-Google-Bewertungen. Im Mittelpunkt der letzten Bauarbeiten stand die Energieversorgung. Die bestehende Photovoltaikanlage wurde von zehn auf 65 kW erweitert, zusätzlich kommen neue Wärmepumpen und große Pufferspeicher dazu. „Energie wird jetzt genau dort produziert, wo sie gebraucht wird“, sagt Boris.
Alle Zimmer wurden klimatisiert und das nicht mit herkömmlicher Flächenkühlung, sondern über Lüftungsgeräte direkt in den Zimmern. „Erfroren oder Hitzkopf? Jeder kann bei uns jetzt individuell entscheiden“, erklärt Boris. Überschüssiger Solarstrom wird tagsüber genutzt, um Warmwasser vorzubereiten – abends, wenn viele Gäste duschen. Die Vision dahinter: den CO₂-Fußabdruck weiter zu reduzieren.
Longevity in den Südtiroler Bergen
Angesprochen auf Longevity, muss Boris schmunzeln. „Das ist jetzt so ein Trendwort, aber im Grunde ja nicht neu“, kommentiert Boris das Thema, das nicht nur beim durchdachten Kulinarikkonzept schon lange eine große Rolle spielt. „Es geht darum, möglichst lange gesund und freudvoll durchs Leben zu gehen.“ Gemeinsam mit dem Arzt Ingemar Blaas wurde jetzt ein neues Retreat entwickelt, das „Alpine Recovery“-Wochenende.
Im Mittelpunkt stehen Dinge, die eigentlich simpel klingen: guter Schlaf, Bewegung, Wärme-Kälte-Reize, frische Luft, gesunde Ernährung und Zeit in der Natur. Dazu kommen Meditationen, Atemübungen, ein „Thermal-Reset-Ritual“ mit Sauna und Kältebad im Bach, anti-inflammatorische Gerichte sowie ein durchdachtes Schlafkonzept mit Blaufilterbrille, Schlafmaske und Kissen-Menü.
Regionale Küche und Fermentation im Designhotel Tyrol
Auch kulinarisch streckt man sich nach der Decke. Küchenchef Lukas experimentiert mit fermentiertem Gemüse, das im eigenen Garten gewachsen ist. Mitten im Restaurant hat ein befreundeter Tischler dafür extra ein neues Regal gezimmert, in dem jetzt bunte Gläser mit eingelegtem Knoblauch und Karotten funkeln. Gleichzeitig entstehen immer mehr neue Kooperationen mit Produzent*innen aus dem Vinschgau – nicht nur für die legendären "R30"-Menüs – mit Produkten aus einem 30-Kilometer-Radius.
Einmal pro Woche kommt Imker Christian Kessler ins Hotel. Der Präsident des Imkervereins bringt unterschiedliche Honige aus höheren, pestizidfreien Lagen des Vinschgaus mit und erzählt Gästen von seiner Arbeit. „Wir wollen Begegnung, Austausch und Gemeinschaft fördern und unseren Gästen etwas mitgeben.“ Was das ist? Schöne Momente, Wissen, Erkenntnisse und vielleicht das eine oder andere Glaserl süß-goldiges Südtirol.
Wie lebt das Design Hotel Tyrol Gemeinschaft?
„Wir wollen keine Urlaubs-Enklave sein!" Immer stärker entwickelt sich das Haus zu einem Treffpunkt für Menschen aus dem Dorf und Reisende. Bei der „Grillage am Plage“ sitzen Gäste und Einheimische an lauen Abenden gemeinsam an langen Tafeln am Pool, während Barkeeper Fabian als DJ für den richtigen Beat sorgt. „Von 70 oder 80 Gästen fehlen da oft nur fünf“, erzählt Boris. Anfangs waren die Gäste skeptischer. „Inzwischen sind die Abende das Urlaubs-Highlight, von dem sie beim Auschecken besonders schwärmen.“
Gelebt wird der Gemeinschaftsgedanke auch beim neuen Pop-up-Kosmetikstudio: Wenn du nach Yoga, Sauna, Wellness oder der Wanderung zum Partschinser Wasserfall noch nicht genug strahlst, ist vielleicht noch eine Gesichtsbehandlung gefällig? Oder brauchst du nach der wilden Mountainbiketour eine Mani- oder Pediküre? Kosmetikerin Sandra, Partnerin von Küchenchef Lukas, richtet ihr neuestes Angebot nicht nur an Hotelgäste, sondern auch an Nachbar*innen aus Rabland.
Neuer Flow am Steinbruch-Trail in Rabland
Nicht nur im Hotel selbst wird immer weitergebaut, sondern auch draußen am Hausberg wurde fleißig geschaufelt: „Wir haben den beliebten Steinbruch-Trail oberhalb von Rabland erweitert und teilweise neu gestaltet.“ Gemeinsam mit lokalen Trailbauern entstanden neue Flow-Sections, Verbindungsstücke und technische Varianten, die den Trail abwechslungsreicher und gleichzeitig nachhaltiger machen.
Besonders wichtig war dabei der sensible Umgang mit der Natur. Einige stark erosionsgefährdete Abschnitte wurden entschärft, bestehende Wege renaturiert und neue Passagen großteils in Handarbeit angelegt. „Entstanden ist ein Trail, der sowohl versierte Biker*innen als auch unsere weniger geübten Gäste anspricht“, freut sich Boris über flowige Kurven und Panorama-Ausblicke Richtung Meran.
Nachhaltigkeit für Gäste und Mitarbeitende
Auch für das Team wird laufend investiert. Im Mitarbeiterhaus schräg gegenüber wurden in den vergangenen Jahren die Zimmer komplett renoviert, Gemeinschaftsküche, Garten und Heizungsanlage erneuert und neue Balkongeländer aus Lärchenholz gebaut. „Eigentlich wollten wir diesmal nur die Bäder machen“, erzählt Boris lachend. Am Ende seien dann Böden, Wände und halbe Etagen renoviert worden. Wichtig war ihm dabei vor allem eines: dass Mitarbeitende ein echtes Zuhause auf Zeit bekommen.
Das ist es, warum Boris niemals Ruhe geben kann. Wieso er während unserem Gespräch mit dem Gärtner telefoniert und den Akkuschrauber auflädt: Er arbeitet unablässig daran, sein eigenes Zuhause zu einem Wohlfühlzuhause für seine Gäste zu machen. Was ansteht? „Wir begrünen die Hauswand der Frühstücksterrasse und bauen ein neues Holzplateau.“ Das nächste Mal also Porridge, frische Erdbeeren und frisch gebrühten Pour-Over genau hier, inmitten von duftendem Lavendel, Rosmarin und wildem Wein.
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