Zukunft in der Hotellerie entsteht dort, wo Menschen Neues wagen, Altes neu denken und kreativen Ideen Leben einhauchen. Ob nachwachsende Hotelzimmer, kulinarische Experimente, digitale Transformation oder wegweisendes Rebranding: Auf den Change Maker Days 2025 zeigen Hoteliers, wie unterschiedlich Innovation aussehen kann – und wie viel Herz, Mut, Vision und Gemeinschaft darin steckt.
Schon einmal vom nachwachsenden Hotelzimmer gehört? Gleich sechs Stück davon gibt es im Hotel Luise im bayerischen Erlangen. Die außergewöhnlichen Zimmer bestehen aus biologisch abbaubaren und recyclebaren Materialien – und sind nur eine von über 270 nachhaltigen Maßnahmen, die Gastgeber Ben Förtsch im grünen Stadthotel umgesetzt hat. Damit du bei dieser Fülle den Überblick behältst, wächst im Haus eine ganz besondere Wand: die Wall of Change. Jedes Blatt steht für eine Maßnahme – und je dichter das hölzerne Blattwerk wird, desto sichtbarer wird der Fortschritt in puncto Nachhaltigkeit.
„Wir sind in unserer Stadt ein bisschen Alleinkämpfer. Mit unserer Wall of Change zeigen wir, was man alles tun kann." Die innovativ gestaltete Wand im Lobby-Bereich ist nicht nur ein Eyecatcher, sie ist auch beliebt bei Gästen und Team. „Wir haben viele Mitarbeitende, die schon sehr lange bei uns sind. Viele sind mit Stolz erfüllt und auch das Selbstbewusstsein ist ein ganz anderes geworden, seit wir die Wall of Change gebaut haben. Vor allem die Mitarbeitenden im Front Office blühen auf, wenn sie dir eine Geschichte zu einem der Blätter erzählen können“, sagt Ben, der dafür auch eine eigene Homepage kreiert hat. „Es ist eine Aufforderung, es nachzumachen. Deshalb steht auch drauf: Copy and paste, aber bitte das Logo austauschen." Honoriert wurde das nachhaltige Engagement mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026.
Ben Förtsch vom Hotel Luise
Schon Elisabeth Veits Großeltern waren Pioniere in Obertauern. Heute führt die allseits Sissi genannte Hotelière das Hotel Enzian. Nach Jahren im Ausland leitete sie den Betrieb zehn Jahre gemeinsam mit ihrem Vater – bis sie ein radikales Rebranding wagte: „Obwohl alles gut lief, wollten wir eine echte Marke daraus machen“, sagt Sissi. „Ich mache das sicher noch 20 Jahre, also möchte ich es mit Spaß und Herzblut tun.“ Der Neustart war herausfordernd. „In der ersten Wintersaison hatten wir fast keine Buchungen – wir sind bei Null gestartet“, erinnert sich Sissi. Ein mutiger Schritt, der sich lohnte.
Der Change zeigt sich auch bei ihrer Model-Wahl: „Für uns war es wichtig, ein Schwarzes Model auf unseren Werbekanälen abzubilden – schließlich sprechen in der Hotellerie alle von Internationalität, und wir begrüßen Gäste aus der ganzen Welt.“ Diese Wintersaison beschäftigt Sissi 55 Mitarbeitende aus 22 Nationen – vereint unter dem Slogan: „The local base for global minds.“ Alle, die global eingestellt sind und ein offenes Mindset haben, sind im Hotel Enzian willkommen.
Sissi Veit vom Hotel Enzian
„Wir mussten uns out-of-the-box bewegen, um unser Mindset aufzumachen“, erzählt Hotelier Lukas Sendlhofer. Gemeinsam mit seiner Schwester Martina und Partnerin Eva hat er den elterlichen Betrieb in Bad Hofgastein 2021 kurzerhand auf den Kopf gestellt und ins Sendlhofer's verwandelt. Pfiati Dreiviertel-Pension und Bettschwere, servus Sharing-Dinner und Nachbarschaft. Auf rund 1.500 Quadratmetern wurde im Sendlhofer’s das gesamte Erdgeschoss ausgehöhlt, die Pforten geöffnet und ein Wohnzimmer mit Marktcharakter für den ganzen Ort geschaffen.
„Ich nenne es Wohnzimmer mit Koch und Kellner“, sagt Lukas. Im Mittelpunkt steht Tapas-Sharing – ein kulinarischer Streifzug durch das Salzburger Land. Besonders wichtig ist dem Gastgeber-Trio die Zusammenarbeit mit Menschen, die so ticken wie sie selbst und dieselbe Leidenschaft für hochwertige, regionale Produkte teilen. Luke’s Wohnzimmer ist ein Ort zum Genießen, Teilen und Zusammenhocken. Es soll die Location sein, wo Gäste die Spezialitäten des Gasteinertals auf moderne Art kennenlernen. Heimischer Fisch als Ceviche trifft auf Salzburger Nockerln. „Wenn du um vier anfängst und um elf gehst, dann gratuliere ich dir“, sagt Lukas. „Dann hast du verstanden, worum es geht: eine richtig schöne, gemeinsame Zeit mit Familie und Freund*innen.“
Lukas Sendlhofer vom Hotel Sendlhofer's
Alles begann mit Kombucha, erinnert sich Pfösl-Gastgeber Daniel Mahlknecht: „Meine Frau Eva und ich gehen gerne gut essen und probieren Neues aus. Einmal wurde uns ausschließlich Fermentiertes serviert. Das hat unsere Neugier geweckt.“ 2022 verstärkte ein neuer Chefkoch das Team des Südtiroler Green Luxury Hotel Pfösl, der sofort Feuer und Flamme von der Idee war. Schließlich ermöglicht diese alte Technik auch, lokalen Produkten eine zusätzliche Verwertungsebene zu geben und Food Waste zu vermeiden. Begonnen wurde mit Kombucha, Kefir, Joghurt und Sauerkraut.
„Wir holten uns Unterstützung von Mattia Baroni (Anmerkung der Redaktion: re:garum-Gründer) und staunten, wie einfach Fermentation sein kann“, verrät Daniel. Dann ging das Experimentieren los: Der Startschuss erfolgte in der Küche, später wurde ein Gästezimmer umfunktioniert und an Kühlung und Temperatur gefeilt, um unliebsame Gerüche zu vermeiden. „Inzwischen findest du im Pfösl einen eigenen Fermentierraum samt Gärschrank – wir befinden uns aber weiterhin in den Kinderschuhen“, fasst der Hotelier zusammen. „Unser Küchenchef Reinhard bindet das gesamte Team ein. Genau das war unsere Motivation: alte Techniken neu interpretieren – und den Spaß in der Küche erhöhen.“
Daniel Mahlknecht vom Green Luxury Hotel Pfösl
Gemeinsam mit seiner Frau Helene hat Dietmar Nußbaumer das Hotel & Restaurant Krone in Hittisau vor 20 Jahren übernommen und führt es in dritter Generation. Die Krone thront mitten am Dorfplatz und ist ein Ort der Begegnung und Kultur im Bregenzerwald. Naheliegend also, dass die Wahl für die Jubiläumsveranstaltung besonders ausfiel. „Wir haben die Haubenköchin und Helenes Freundin Sigi Schelling eingeladen. Sie ist in Hittisau geboren, führt den mit vier Hauben prämierten Werneckhof in München und wurde 2022 vom Feinschmecker und dem Schlemmer Atlas zur Köchin des Jahres gekürt.“
Das gemeinsame Dinner-Event wurde ausgeschrieben – und alle 85 Plätze waren innerhalb von zwei Tagen ausgebucht. Das größte Learning: das Miteinander der Teams beider Häuser. „Es war für alle unglaublich spannend zu sehen, ob und wie das funktioniert, wenn zwei Teams aufeinandertreffen, die sich – bis auf die Chefköchinnen – nicht kennen und in nur eineinhalb Stunden das gesamte Event abstimmen.“ Für Dietmar ergibt ein plus eins seither mehr als zwei.
Dietmar Nußbaumer vom Hotel & Restaurant Krone Hittisau
Das Biosphärenreservat Rhön gilt als Traumwanderwelt, ist aber keine klassische Tourismusdestination. Umso wichtiger war es für die Gastgeberfamilie Schulze Dieckhoff vom Hotel Sturm in Mellrichstadt, den eigenen Wert sichtbar zu machen. Das gelang durch den Blick über den Tellerrand – Branchenvergleiche, Digitalisierung und dynamisches Pricing. Die Bio-Zertifizierung spiegelt die Werte des familiengeführten Hotels.
Parallel dazu erkannte die nächste Generation, Xaver und Julius, das Potenzial digitaler Tools fürs Gästeerlebnis. Heute kannst du bequem online ein- und auschecken, ohne Wartezeiten an der Rezeption. Viele Abläufe – vom Angebot bis zur Kommunikation – laufen automatisiert im Hintergrund. „Die durch die Digitalisierung gewonnene Zeit kann sinnvoll für andere Projekte genutzt werden. Die Mitarbeiter*innen haben mehr Zeit für das, was den Aufenthalt wirklich besonders macht – persönliche Betreuung und echte Gespräche. Darum bin ich so begeistert davon. Es führt zu Erfolg, gibt gute Gefühle und in unserem Fall war es sogar eine Standortsicherung", ist Matthias überzeugt.
Matthias und Julius Schulze Dieckhoff vom Hotel Sturm
Neugier, Mut und das Bewusstsein, dass Weiterentwicklung der Schlüssel für lebendige Hotellerie ist. Zukunft passiert nicht – sie wird gestaltet – mit kleinen und großen Changes für deinen nachhaltigen Urlaub mit gutem Gefühl und gutem Gewissen.