Change Maker Hotel Henriette Wien Gemeinwohl
Hotel Henriette

Gemeinwohl-Ökonomie: ein besseres Leben für alle

Blog • Soziale Verantwortung

Sperriges Wort, klares Konzept: Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein alternatives Wirtschaftsmodell. Entwickelt in Österreich, erobert es die Welt. Fragen und Antworten, wie gemeinwohlorientiertes Wirtschaften funktionieren kann.

Maria Kapeller
11. August 2023

“Wir wollen nicht die ganze Welt verbessern, aber das Stückchen Welt um uns herum“, erklären Verena und Georg Pastuszyn vom Change Maker Hotel Henriette in Wien. Vor einigen Jahren stellten die beiden ihr Denkweise auf den Kopf und arbeiten seither mit Gemeinwohl-Bilanz. Als erstes Hotel in Wien.

 

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine alternative Art des Wirtschaftens, die darauf abzielt, das Wohl der Gesellschaft und der Umwelt zu fördern, anstatt sich allein auf finanzielle Gewinne zu konzentrieren. Das bedeutet, dass du den Erfolg eines Unternehmens nicht nur anhand von Kennzahlen misst, sondern auch anhand seiner Beiträge zum Gemeinwohl. Wenn du Unternehmensführung anders gelernt hast und anders verstehst, dann tauchen vermutlich gerade viele Fragen bei dir auf. Wir beanworten hier die häufigsten Fragen zur Gemeinwohl-Ökonomie für dich:

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Pappschild auf einer Demo mit dem Text Planet over Profit
c Markus Spiske, unsplash
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Tisch mit blauer Decke, auf der mehre Bücher und Broschüren liegen
c Whirlphoto

Was ist die Gemeinwohl-Ökonomie?

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Modell für eine ethische Marktwirtschaft. Ihr Ziel ist, allen Menschen ein gutes Leben auf einem intakten Planeten zu ermöglichen. Als Wirtschaftsmodell richtet sich die Gemeinwohl-Ökonomie an Unternehmen, Gemeinden und Bildungseinrichtungen. Die Idee ist, dass diese sich an ihren Werten orientieren und somit aktiv für das Gemeinwohl einsetzen.

Was bedeutet Gemeinwohl genau?

Gemeinwohl umfasst vier Wertegruppen: Menschenwürde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitbestimmung.

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Was ist ihr Ziel?

Die Gemeinwohl-Ökonomie hat das Ziel, eine ökologische, soziale, solidarische, demokratische und humane Wirtschaft zu schaffen. Das sorgt dafür, dass Produkte langlebiger und nachhaltiger werden, mehr Wertschöpfung in den Regionen bleibt und gute, sinnvolle Arbeitsplätze entstehen.

Welche Rolle spielen Kapital und Geld in der Gemeinwohl-Ökonomie?

Geld wird nur als Mittel der Wirtschaftstätigkeit gesehen. Wie viel Geld oder Kapital ein Unternehmen hat, sagt nichts darüber aus, wie gemeinwohlorientiert es ist. Es geht nicht darum, Geldkapital zu vermehren, sondern ein gutes Leben für alle Menschen zu ermöglichen. Wenn Unternehmen Gewinne machen, wird damit nicht das Vermögen externer Kapitalgeber*innen vergrößert. Es geht also nicht um größtmögliche Kapitalrendite. Dadurch soll der Drang zum Wirtschaftswachstum schwinden. Geld sollte im Unternehmen bleiben – für Investitionen, um Gehälter zu bezahlen und um für die Alterssicherung von Unternehmer*innen und Beschäftigten zu sorgen.

Wer hat das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie entwickelt?

Grundlage bildet das 2010 erschienene Buch „Gemeinwohl-Ökonomie“ des österreichischen Autors, politischen Aktivisten und Attac-Gründungsmitglieds Christian Felber. Die Bewegung ist im selben Jahr von Österreich, Bayern und Südtirol aus gestartet, hat sich aber mittlerweile weltweit verbreitet. Der internationale Begriff lautet Economy for the Common Good (ECG).

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Wie kann ein Unternehmen gemeinwohlorientiert handeln?

Dafür wurde die Gemeinwohl-Matrix erstellt. Sie zeigt anhand von 20 Themen, wie Betriebe im Unternehmensalltag gemeinwohlorientiert handeln können. Die 20 Themen dienen als Grundlage, um den Beitrag eines Unternehmens zum Gemeinwohl sichtbar zu machen und zu bewerten. Auf dieser Basis können Unternehmen, Gemeinden und Bildungseinrichtung ihre eigene Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Anhand von Indikatoren wie Solidarität oder ökologische Nachhaltigkeit wird ersichtlich, wie erfolgreich die Beziehungen zu Menschen im Umfeld wie Mitarbeitenden oder Kundinnen sind. Die Matrix ist kein statisches Konzept, sondern wird kontinuierlich weiterentwickelt – und zwar mittels demokratischer Arbeit.

Was haben Unternehmen und andere Einrichtungen davon, wenn sie gemeinwohlorientiert handeln?

Die Gemeinwohl-Bilanz umfasst wichtige Parameter wie Beziehungsmanagement oder Nachhaltigkeit. Sie kann helfen, die Motivation am Arbeitsplatz zu steigern und wichtige Innovationsimpulse geben. Gemeinwohlorientierte Unternehmen heben sich von anderen Betrieben ab. Sie sind mit ihren Werten hin nach außen sichtbar, etwa für Kund*innen. Und sie profitieren von einem hilfreichen Netzwerk. Die Vertreter*innen der Gemeinwohl-Ökonomie setzen sich dafür ein, dass gemeinwohlorientierte Betriebe rechtliche Vorteile bei Steuern, Krediten und öffentlichen Aufträgen und im internationalen Handel erhalten. Dadurch soll der Kosten- und Wettbewerbsnachteil ethischer Unternehmen in einen Preis- und Wettbewerbsvorteil umgewandelt werden.

Wo steht die Gemeinwohl-Ökonomie im Moment?

Die Idee hat sich heute nicht nur in europäischen Ländern verbreitet, sondern es gibt auch aktive Gruppen in Amerika, Afrika und Asien. Allein in Europa und Amerika haben schon mehr als 800 Organisationen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Vielerorts werden regionale Gruppen gegründet, die sich untereinander vernetzen – hier ein globaler Überblick. Im Jahr 2018 wurde die Internationale Föderation als Dachorganisation der internationalen Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung gegründet. Sitz des Vereins ist Hamburg. Mitglieder sind Landesverbände, von Österreich, Deutschland, Schweiz über Italien bis zu Belgien oder Chile – hier eine Liste.

Visionär*innen